Von Thomas Wanhoff
Als der Autor dieser Zeilen das Internet betrat, googelte er sich irgendwann - und fand gerade mal das Impressum des Verlages, in dem er arbeitete. Heute sind es 65.000 Treffer auf den in Deutschland einzigartigen Namen. Das mag für den einen oder anderen bedrohlich und nach gläsernem Menschen klingen, tatsächlich ist es etwas anderes: Marketing. Das Internet und seine Kommunikationsformen zu nutzen ist heute unabdingbar auch für Journalisten. Und: Sie müssen die Klaviatur des Netzes beherrschen. Das bedeutet, eben nicht als Schriftsteller oder Texter zu dienen, sondern als Lieferant von Inhalten. Die auch multimedial aufzubereiten, soll Gegenstand dieses Artikel sein.
Als irgendwann ein Herr Adam Curry anfing, mehr recht als schlecht eine Software zu programmieren (was er noch nie zuvor gemacht hatte), da ahnte er kaum, -was er damit anrichten würde. Er wollte nur, dass man Audioinhalte abonnierbar machen konnte und ein Programm den Job des Abholens der Inhalte erledigte. Zweieinhalb Jahre später ist Podcasting in aller Munde. Dabei spielt überraschenderweise die geschaffene Software weniger die große Rolle: Viele Menschen hören Podcasts auf dem Computer an und nicht zwangsläufig auf einem MP3-Player. Das will zumindest eine Studie herausgefunden haben der Firma House of Research. Die ist umstritten, gerade mal 650 Teilnehmer sind keine gute Datenbasis. Dennoch zeigen auch eigene Recherchen: Podcasts werden am Computer gehört, auf Laptops unterwegs, zunehmend auf Handys, sicher auch auf MP3-Player und natürlich auf iPods.
Damit können wir uns dem spannenden Thema zu wenden: Den Inhalten. Was sind Podcasts, was hören wir da, und brauchen wir das überhaupt? Die Zahl der Podcaster wird bisweilen mit 3000 in Deutschland angegeben, sie schwankt, weil viele kommen und gehen und darin eingeschlossen auch die Medienanstalten und zunehmend Unternehmen sind. Letztlich ist es egal, wieviele Podcaster es gibt, wichtiger ist, was sie liefern. Das Grundlegende des Podcasts ist seine episodenhaftigkeit. Podcasts sind nicht einfach nur MP3-Dateien im Internet, sondern Audio (und zunehmend auch Video-)-Daten, die als Episoden angeboten werden. Sie haben ein Thema, eine Klammer. Das kann das persönliche Tagebuch von Fritzchen sein, aber eben auch die Politiksendung der Deutschen Welle. Gerade die Rundfunkanstalten haben erkannt, dass sie ihre Inhalte zweitverwerten können. Orts- und zeitunabhängs Radio ist möglich geworden. Wichtger aber ist, dass plötzlich jeder am Hör-Markt teilhaben kann. Nicht jeder Hörer muss zwangsläufig zum Sender werden, aber er kann es. Und Hörer selbst suchen nicht mehr im Rundfunkprogramm (das alleine man heute schon finden muss), sondern auf Plattformen wie iTunes nach Inhalten.
Podcastformate:
Wie schon die Blogs wurden auch die Podcasts zunächst als Audiotagebücher abgetan. Tatsächlich gibt es eine Menge davon. Aber eben nicht nur. Zunächst gilt: Erlaubt ist was gefällt. Einem selbst oder eben den Zuhöreren. Das können 100 sein oder 1000, selten mal 10.000. Neben dem Audiotagebuch (Beispiel: Volkers Blog - aus dem Leben eines Studenten) gibt es aber eben auch andere Formate.
Die Magazin- und Infosendung:
Netzwelt.de zum Beispiel erscheint regelmäßig mit einem Technikpodcast (überhaupt sind die Sendungen mit IT-Inhalten wohl in der Überzahl), die MacEssentials mit Morgennews, das Literaturcafé oder die Wissenschaftssendung des Autors. Die Sendungen haben meist gut recherchierte Inhalte, werden von einem oder mehreren Machern moderiert und erinnern stark an Radiosendungen. In den einschlägigen Verzeichnissen sieht man, dass gerade die Radiosender viele Magazinsendungen auch als Podcasts zur Verfügung stellen.
Die Musiksendung:
Ein heikles Thema in Deutschland, vor allem wegen der Gema. die gibt zwar Privatleuten eine so genanten Podcastlizenz, die aber nicht viel Wert ist, weil man Lieder nicht ausspielen darf. Wer hierzulande auf der sicheren Seite sein will, sollte zum einen die REpertoiresuche der Gema bemühen, um nachzuschauen ob ein Künstler gemeldet ist mit dem gewünschten Stück, zum anderen mit den Künstlern selbst in Verbindung treten. Das Thema Podcafe-Musik ist Deutschland noch nicht so groß, international aber schon.
Comedy: Auch hier haben die Radiosender die Nase vorn, aber warum nicht selbst einsteigen? Wer Talent hat, kann es zumindest ausprobieren - Podcasting als Open Stage.
Soundseeings: Ein sehr interessantes Genre, das sich an klassischen Außenreportagen anlehnt. Der Hörer wird quasi mitgenommen auf einen Audiospaziergang, durch eine Stadt, am Meer entlang - was auch immer. Benötigt wird ein Stereomikrofon und Spaß am Hören.
Produzieren ist das eine, aber wie davon leben?
Podcasting hat einen Nebeneffekt, der für Journalisten sowohl gut als auch schlecht ist: Es eröffnet vielen die Teilnahme an einem - zugegebenermaßen noch kleinen - Markt. allerdings sinken auch die Preise: Wer Podcast einkauft, tut dies zu gänzlich andere Konditionen als die Hörfunkkkollegen. Gerade weil sowohl Unterehmen als auch Zeitungshäuser im Bereich Podcasting (noch) nicht viel verdienen, wollen sie auch nicht viel ausgeben. Hinzu kommen Verwertungsrechte: Zeitungshäuser wollen schon Texte so oft verwerten, wie es ihnen beliebt. Das ist bei Audio nicht anders. Wer mit seinem eigenen Format erfolgreich ist, kann schon mal dreistellige Beträge im Monat an Werbung verdienen - viel mehr ist es derzeit aber auch nicht. Doch der Werbemarkt zieht an, und wer interessante Inhalte zu bieten hat, wird auch Hörer finden.
Nischen, Nischen, Nischen
Sowohl Weblogs als auch Podcasts haben gegenüber den Massenmedien einen unglaublichen Vorteil: Sie können in Nischen durchaus erfolgreich leben. Dabei müssen die Nischen nicht einmal klein sein. Nehmen wir Rosenzüchter. Kein TV- oder Radiosender würde jemals ein eigenes Rosenzüchtermagazin schaffen. Podcaster können das. Allein die Gesellschaft deutscher Rosenfreunde hat 9 000 Mitglieder. Manche Fachzeitschrift hat auch nicht viel mehr Leser. Und genau darin liegt die große Chance der Podcasts: Ein Nischenpublikum zu erreichen, das im Radio nicht den Raum bekommt, den es gerne hätte.
Den Menschen eine Stimme geben
Medienpolitisch bedeutet das Internet im Allgemeinen und das Podcasting im besonderen eine Revolution. Schauen sich die Medienwächter in der Landesanstalten qua Gesetzgebung genau an, was gesendet wird, so bewegen sich die Internetpublizisten unkontrolliert und fast anarchisch. Keine Frequenz, die zugewiesen wird, keine altersfreigabe, keine Kontrolle wer wieviel Werbung macht. Podcasting gibt zumindest in der Theorie - jedem die Möglichkeit, zu senden. Ob das auch jeder will (und kan), sei dahingestellt. Wichtig ist, dass er es machen kann. Adam Curry sagte einmal: "Wenn in einem Land geputsch wird, dann versucht man immer auch die Radiostationen zu besetzen, um die Hoheit über die Information zu bekommen. Mit Podcasting ist diese Mögliehkeit nicht mehr gegeben." Nun droht uns hier kein Putsch und die Ländern, in denen das der Fall ist, mögen keine Podcasthochburgen sein, aber dennoch: Podcasting ist eine neue Teilhabe am Mediengeschehen.
Zahlenspiele
Kaum ein Tag vergeht, an dem neue Zahlen über die Podcastnutzung durchs globale Dorf getratscht werden - meist veröffentlicht von denen, denen sie auch nutzen. Tatsächlich reicht die Stichprobe im Bekanntenkreis um zu wissen: So ganz verbreitet ist Podcasting nicht, ein Massenmedium ist es schon gar nicht. Aber gut Ding will Weile haben, die Zahl der Hörer - und darin sind sich eigentlich alle Experten einig - wächst. Vier Millionen in Deutschland wurde vor einem Jahr vom Eco-Verband genannt, die Zahl dürfte zu hoch sein, die Hälfte wohl realistischer. Deshalb auch hält sich die Werbung zurück, zu klein die Reichweiten, zu undeutlich oft die Zielgruppe. Audioads und auch Adplace sind zwei Firmen, die bereits versucen Podcasts zu vermarkten - doch die Zahl der Kunden hält sich noch in Grenzen.
Was am Ende übrig bleibt
Es gilt auch weiterhin das Gesetz des Herr Riebel, dass das eine neue Medium das andere nicht völlig ablöst, sondern ergänzt. Podcasts und Videos sind als Ergänzung zu Blogs zu sehen und das alles als Ergänzung zu den klassischen Medien. Podcasts bedeuten mehr Viefalt, bisweilen auch einen Nutzen, zum Beispiel das zeitunabhängige Hören von Radiosendungen und für den einen oder anderen eben auch den Eintritt in die Welt der Medien. Die großen Stars wie in Amerika sind hier noch nicht geboren, von Annik Rubens einmal abgesehen, die mit Schlaflos in München sicherlich zu den erflogreichsten Podcastern gehört. Es wird noch ein wenig dauern, bis wir Audioinhalte per Internet als selbstverständlich wahrnehmen. Wir werden kurze Texte lesen und längere im Zweifel ausdrucken, kurze Videos anschauen und längere abspeichern und ebenso mit Podcasts verfahren. Es bleibt auf jeden Fall spannend.
© Berliner Journalisten 10/2-2007
Berliner Journalisten - das unabhängige Medienmagazin aus der Hauptstadt.

Thomas Wanhoff
Journalist, Blogger, Podcaster, war Onlineredakteur bei der Frankfurter Neuen Presse, entwickelt bei Welt Online den Bereich Audio und Video und arbeitet nun frei als Berater und als Produzent von Audio- und Videoinhalten für Websites. Er begann 2004 mit dem Podcasting und veröffentlich seit Januar 2005 Wanhoffs Wunderbare Welt der Wissenschaft. Der Gründer des Podcastverbandes ist einer Kenner der Szene und beriet Medien und Instituitionen über Implementierung von Podcast in ihre Kommunkation. Er lebt derzeit in Phnom Penh, Kambodscha.
Woher kommt der Begriff?
Er setzt sich zusammen aus "iPod", dem MP3-Player der Firma Apple und dem Begriff "Broadcasting" für Senden. Eine andere Erklärung ist - um die Aufmerksamkeit vom Produkt hin zum Geist des Podcasten zu lenken - Publish on Demand-Broadcasting.
Wer hat's erfunden?
Gleich zwei: Dave Winer hatte sich mit der Kurzbeschreibung von Webseiten beschäftigt und sozusagen RSS erfunden. Diese Feeds enthielten - grob gesagt - nur die Überschrift, einen Vorspann oder die ersten Sätze eines Artikels, vielleicht noch ein Bild. Man könnte diese RSS-Datei abrufen, ohne gleich die ganze Webseite laden zu müssen. Spezielle Programme (so genannte RSS-Reader) machen das automatisch: Sie schauen, ob die Seite - und damit auch die RSS-Datei - aktualisiert wurde, laden sie herunter und geben den geünschten Überblick über neue Inhalte.
Daran setzte der ehemalige MTV-Moderator Adam Curry an: Wenn das Programm schauen kann, ob neue Texte auf einer Seite sind, dann könnte es doch auch nachsehen, ob eine neue Audio- (oder Video-)-Datei vorhanden sei. Leider war das nicht der Fall, und Curry begann selbst eine solche Software - einen Podcatcher - zu schreiben. Dieser schaute nach einer neuen MP3-Datei auf einer Webseite, lud diese herunter und packte sie gleich auf einen angeschlossenen MP3-Player.
Podcasting ist als technisch gesehen das Bereitstellen von MP3-Inhalten per RSS-Feed bzw. das automatische Herunterladen von MP3-Dateien (bzw. jetzt auch Videodateien).
Ist Podcasting also eine Technik?
Ja und Nein: Ja, weil man dafür eben Software und einen RSS-FEed braucht, Nein, weil es auch andere Merkmale gibt, die einen Podcast von einer normalen Mediendatei im Internet unterscheiden. Das Wichtigste ist dabei die Episodenhaftigkeit: Erst mehrere Dateien machen den Podcast aus. Gestritten wird in Deutschland, ob Podcasts eigens für diesen Zweck produziert werden oder ob auch Zweitverwertung von Radioinhalten als Podcasting gilt.
Was kostet Podcasting?
Wer Podcasts hören will, ist mit Glück gesegnet: Denn (noch) sind Podcasts kostenlos. Ob Tagesschau zum Hören, Webtagebuch oder Kinotrailer: Alle in Deutschland angebotenen Inhalte sind gratis. Es fallen lediglich die Gebühren fürs Internet an. Wer regelmäßig Podcasts hört, sollte schon eine DSL-Flatrate haben. Schnelle Geschwindigkeit und vor allem kein Limit bei der Datenmenge sind sinnvoll. Wer Podcasts selbst anbieten will, der braucht ein wenig mehr - jedoch sind die Investitionen kaum vergleichbar mit denen fürs Radio. Hier ein kleiner Schritt für Schritt-Wegweiser zum eigenen Podcast:
1. Mikrofon
Für den Anfang tut es sogar das eingebaute Mikro des Laptops, später aber will man mehr Qualität. Die Wahl hängt auch davon ab, ob man es mobil einsetzen möchte oder im Studio, ob auf einem Rekorder aufgenommen wird oder am Laptop. Diese Möglichkeiten gibt es:
Per Samson C10U Mikro (79 Euro) über den USB-Port direkt in den PC oder Mac.
Per Tascam-Interface (XXX Euro) über USB Mikros mit XLR-Stecker anschließen.
Per Mischpult und Line-In in den PC
Per Mikro in einen MP3-Rekorder und dann per USB-Kabel oder Kartenlesegerät überspielen.
Per Mikro in einen DAT- oder Minidiskrekoder und dann per Line-Kabel überspielen.
Für den Studiogebrauch reichen Kondensatormikrofone im Kostenbereich bis 300 Euro aus, wenn es reines Wort sein soll (zum Beispiel die T-Bone Reihe bei Thomann). Für unterwegs ist das mit einem Miniklinkeanschluss ausgestattete Sony ECM907 ein Klassiker. Dynamische Mikros wie das Sony DCM eigen sich ebenfalls für Außenreportagen.
Wer einen Minidiskrekorder hat, kann diesen benutzen, solle nur bedenken, dass de Überspielzeit gleich Aufnahmezeit ist. Wer lieber einen neuen MP3-Rekorder möchte, dem seien folgende Geräte angeraten:
Edirol R9: Ein praktisches Gerät mit allen notwendigen Funktionen, keinen XLR-Eingang, 12V Phantomspeisung, leider nur ein Plastikgehäuse, AA-Batterien und SD-Karte (knapp 400 Euro)
Der Vorgänger R1 ist weniger handlich und ebenfalls aus Plastik, aber durchaus eine günstige Kompromisslösung.
MAudio: Sieht robuster aus als es ist, leicht bedienbar, keine XLR-Eingänge, Phantomspeisung 12 V, Akku, Speicherung auf Compactflash. (knapp 300 Euro)
Ares: Teuer (kapp 1000 Euro), hat aber alles was das Herz begehrt inkl. eines guten Aufsteckmikros.
2. Schnittsoftware:
Für den Anfang sei Audacity empfohlen, ein kostenloses, durchaus umfangreiches Programm, das auch höhren Ansprüchen genügt - nur leider nicht in der Handhabung, vor allem wenn es um mehrere Spuren geht. Neu für den Mac ist Ubercaster, für den PC kann man auch den Podcast-Maker von Magix verwenden, der aber (noch) nur zwei Spuren verwalten kann. Adobe Audition ist eigentlich zu mächtig, kann aber letztlich auch einen MP3-File ausgeben.
Audiodateien zu schneiden ist Gewöhnungs- und Übungssache. Wer sich ein wenig Zeit nimmt, wird sich schnell einfinden.
Am Ende sollte auf jeden Fall eine MP3-Datei ausgegeben werden - das ist das am meisten verbreitete Format. Oft fragen Programme technische Details ab: Die Abtastrate sollte 41,000kHz betragen, die Datenrate zwischen 64 (Wort) und 128 (Musik) kBit/s.
Damit den Podcast jeder hören kann, muss die Datei auf einem Server liegen. Ein sehr praktisches und bis 30 MB im Monat kostenloses Angebot bietet der Dienst podhost.de. Dort wird auch gleich alles notwendige für die eigene Podcast-Webseite mitgeliefert. Wer sich etwas besser auskennt, kann auch mit den Blogprogrammen "Wordpress" oder "Loudblog" seinen Podcast veröffentlichen, so eigener Webplatz und eine MySQL-Datenbank vorhanden sind.
Streng genommen benötigt man nichteinmal eine eigene Webseite, es ist aber sinnvoller, sie zu haben: Denn Suchmaschinen finden keine MP3-Dateien, und außerdem hören viele Menschen Podcasts am Rechner. Deswegen sollte die Websoftware auf jeden Fall einen Player dem Nutzer zur Verfügung stellen. Bei Wordpress gibt es dafür das Plugin "Podpress" und Loudblog liefert diese Funktion ebenfalls mit.
Nun gilt es noch die Formularfelder der Blogsoftware wie Titel, Beschreibung, Länge, Auto auszufüllen und schon ist der erste Podcast online.
Hörenswert:
www.pimpmybrain.de
www.schlaflosinmuenchen.de
wissenschaft.wanhoff.de
www.dailysourcecode.de
chaosradio.ccc.de
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