3. Juli 2009
Medienmonopoly im Ländle
“Monopoly (englisch für Monopol) ist ein bekanntes Brettspiel. Ziel des Spiels ist es, ein Grundstücksimperium aufzubauen und alle anderen Mitspieler in die Insolvenz zu treiben. Dazu erwirbt man möglichst viele Straßenfelder (während die Sonderfelder … z.B. das Gefängnis nicht erworben werden können), um von den Mitspielern Mieten zu kassieren, wenn diese durch Würfeln auf einem solchen Feld landen.” So beschreibt Wikipedia ein beliebtes Unterhaltungsspiel. Den Aufbau von Imperien gibt es auch im normalen Leben, hier ein aktuelles Beispiel aus dem Pressewesen.
Synergieeffekte - oder: Was bleibt von der Eigenständigkeit von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten (und anderen) übrig?
Für die Kleinen in der Gruppe Württembergischer Verleger der Südwestdeutschen-Medienholding (SWMH) wird die Luft immer dünner
Ein Gastbeitrag von Benno Mehring
Apocalypse now: So übertrieben das klingen mag, aber hinter dem Nebel, den Richard Rebmann (RR) bei seinen raren Verlautbarungen in die Medienlandschaft bläst, vermutlich ferngesteuert von den Schaubs, nimmt ein Gebilde Gestalt an, dessen Krakenarme sich von der französischen Grenze (Rheinland-Pfalz) bis an die Schlagbäume von Österreich (Oberbayern) und Tschechien (Franken/Oberpfalz/Thüringen) und Polen (”Märkische Oder-Zeitung”) sowie über ganz Sachsen (”Freie Presse Chemnitz”) erstreckt. Dazwischen eröffnet sich ein Aktionsfeld, in dem sich Einsparpotenziale und Synergien, die mit Gleichschaltung, Nivellierung und Niveauabsenkung einhergehen, zuhauf eröffnen. Traumhafte Perspektiven für einen Machtmenschen wie den Ludwigshafener Großverleger Dr. Thomas Schaub und für einen Zahlenmenschen wie seinen Multi-Geschäftsführer in Stuttgart und München, Dr. Richard Rebmann. weiterlesen…
Hausdurchsuchung bei kritischem Journalisten
Wilhelm Hahne, Freier Journalist, 76 Jahre alt, und seit Jahrzehnten Reporter rund um Auto und Motorsport hatte am Morgen des 9. Juni Besuch von der Staatsanwaltschaft. Fünf Beamte standen mit einem Durchsuchungsbeschluss vor der Tür. Der Vorwurf lautete auf Verrat von Betriebsgeheimnissen. weiterlesen…
2. Juli 2009
Angeblich “rechtsfreier Raum” Internet
Stefan Niggemeier hats mal wieder erwischt (Schöner Kommentieren mit Datenschutz). 2007 hat ihn das Hamburger Landgericht in die Mitverantwortung für Kommentare der User genommen, da er nicht rechtzeitig auf deren möglicherweise rechtswidrige Äußerungen durch Löschen Enfluss genommen hat. weiterlesen…
Neues Deutschland: Zuviel Verständnis für Antisemiten?
Vor zwei Jahren fragte ich den deutsch-türkischen Pächter einer Tankstelle in Berlin-Spandau, ob er das Blatt Neues Deutschland im Angebot hätte. Im Autoradio wurde ich auf einen Artikel aufmerksam gemacht. Der Tankwart verneinte und sagte trocken: “Rechtsradikale Blätter führe ich nicht.” Damals belustigte mich die absurd scheinende Antwort und ich ging kopfschüttelnd zu meinem Auto zurück. Irgendwie glaubte ich, dass die bittere Antwort des Tankwarts auf Unkenntnis oder die ähnliche Typographie zwischen Neue Freiheit und Neues Deutschland zurückzuführen sei. weiterlesen…
1. Juli 2009
Das Jammern der Enteigner
Nun geht es den Großverlagen an die Rendite und schon rufen sie nach dem Staat. Ein Trauerspiel. “Schnittmusterbogenverleger” Burda bittet den Staat, den er eigentlich mit seinen Medien kontrollieren soll, dafür zu sorgen, dass weniger zitiert wird. Ja, wo leben wir denn, wenn diese Herrschaften plötzlich von Enteignung sprechen? “Die freien Journalisten werden seit über einem Jahrzehnt täglich enteignet. weiterlesen…
Noch 4. Gewalt? Verleger rufen nach dem Staat
Wenn es nach dem Willen der Zeitungsverleger geht, soll gefälligst der Staat das Internet überwachen. Natürlich nur, um “ungerechtfertigte Nutzung von Inhalten” zu unterbinden. Konkret geht es um eine Einschränkung des Zitatrechts. “Nicht der “Qualitätsjournalismus” ist wichtig für die Demokratie, sondern die Existenz einer freien Presse. Die Presse ist aber nur frei, wenn sie von staatlichen Einflüssen unabhängig bleibt. weiterlesen…
30. Juni 2009
FAZ: Wir waren sehr nah am Abgrund
Am 2.2.09 berichteten wir in unserem Blog unter dem Titel “Wirtschaftskrise: Die Stimmung ist besser als die Lage“: “Wie Die Zeit am 29.1.2009 berichtet, fand am 8.10.2008 (!) im Bundeskanzleramt auf Einladung von Frau Merkel und Finanzminister Steinbrück ein Treffen mit den Chefs der wichtigsten Zeitungen statt, um ihnen eine Botschaft zu übermitteln. Die lautete: “Wir wissen zwar nicht genau, was in zwei oder drei Wochen ist, aber würden doch sehr herzlich um Ihr Vertrauen bitten und vor allem darum, dass Sie keine schlechte Stimmung machen, denn dazu ist die Lage zu ernst”. Die Presse sollte also “keine schlechte Stimmung” machen. Für eine demokratische Gesellschaft eine recht merkwürdige Auffassung von Transparenz.” Und weiter schrieben wir: “Noch kreiden die Bürger es den Parteien nicht an, wie sie mit der Krise umgehen. Aber noch ist die Krise auch nicht bei den Bürgern angekommen”. Der Kalender der Kanzlerin weist an diesem Tag das Treffen mit der Presse nicht auf.”
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung beschreibt jetzt (28.6.) unter dem Titel “Wir waren sehr nahe am Abgrund” die dramatischen Tage vom Oktober 2008. Unter Mittwoch, den 8. Oktober heisst es: “Die Kanzlerin und Finanzminister Steinbrück treffen Herausgeber und Chefredakteure der wichtigsten deutschen Medien und informieren sie über die Lage. Die Zeitungen sollen auch weiterhin zurückhaltend berichten und keine Panik schüren.” Berliner Journalisten erhielt damals auf Anfrage keine Bestätigung dieses Pressetermins der Kanzlerin.
Medienkrise: Leserschwund bei Bauer-Blättern
Bei Bauer läufts auch nicht mehr so gut. Weniger ist die Anzeigenkrise schuld, mehr, “dass viele der vertriebslastigen Bauer-Blätter unter Leserschwund leiden. Objekte wie Neue Post oder Das Neue Blatt sind in die Jahre gekommen, ein altes Flaggschiff wie Revue strandete. weiterlesen…
29. Juni 2009
“Jacksons letzte Fotos” waren sechs Jahre alt
Der Tod des einstigen “King of Pop” war am vergangenen Wochenende das Top-Thema der Medien. Klar, dass dann alles veröffentlich wird, was irgendwie interessant zu sein scheint. Das ist im Falle Michael Jacksons (über Tote redet man ja bekanntlich nicht schlecht) gar nicht so einfach, fiel der Mann doch in den letzten Jahren nicht mehr durch herausragende künstlerische Leistungen auf. Vielmehr waren die Schlagzeilen eher skurriler Natur, von seiner Vorliebe für Minderjährige oder seinem grenzwertigen Auftritt am Fenster des Berliner Hotels Adlon geprägt. weiterlesen…
Medienkrise: VDZ kündigt Manteltarifvertrag
Der Deutsche Journalisten-Verband hat die am heutigen Montag vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger ausgesprochene Kündigung des Manteltarifvertrags für Zeitschriftenredakteure zum Jahresende kritisiert. „Die Zeitschriftenverleger wollen offenbar die derzeitige wirtschaftliche Lage nutzen, um hohe journalistische Qualität zu niedrigeren Konditionen zu bekommen“, sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. weiterlesen…
Macht und Medien: Was man über Bertelsmann wissen sollte
“Mit perfiden Methoden hat sich der Verlag zu einem Weltunternehmen entwickelt, ohne Schaden an seinem Image zu nehmen. Es gibt so gut wie keine kritische Presse über den Konzern und im öffentlichen Bewusstsein wird der Name Bertelsmann immer noch fast ausschließlich mit dem Lesering in Verbindung gebracht. Da er als größter europäischer Medienkonzern maßgeblichen Einfluss auf die öffentliche Meinung nehmen kann, hat er ein wichtiges Machtinstrument auf seiner Seite. So spielt der Konzern und sein Patriarch Reinhard Mohn eine wichtige Rolle im Bezug auf die Inszenierung der ,gesellschaftlichen Notwendigkeit’ und die Durchsetzung neoliberaler Reformen.” Wie die Bertelsmann Stiftung ihren politischen Einfluss geltend macht und welche Reformen durch sie mitgestaltet wurden beschreibt die Diplomarbeit von Susanne Schiller Universität Bremen, Fachbereich 11, Studiengang Sozialpädagogik. Auch im Internet versteht es Bertelsmann über den Arvato Online Services (AOS) subtil Politik im Sinne neoliberaler Meinungsmache zu steuern. Lesen Sie dazu den Beitrag “Blogs beeinflussen mit Bertelsmann” von Wolfgang Michal auf Carta.info.
LVZ: Terrorismusexperte Udo Ulfkotte rechnet mit sozialen Unruhen in Deutschland
Noch im April hatte Bundespräsident Horst Köhler vor Panikmache gewarnt. Seine Herausforderin Gesine Schwan warnte vor sozialen Unruhen infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise. SPD-Chef Müntefering widersprach Gesine Schwan, FDP-General Niebel griff DGB-Chef Sommer hart an, der auf einer Maifeier ebenfalls vor sozialen Unruhen warnte. Offenbar sind diese befürchteten Unruhen aber längst in die Planungen von Polizei und Verfassungsschutz eingeflossen. Vielleicht ist das auch der Hintergrund für den von Schäuble immer wieder geforderten Einsatz der Bundeswehr im Innern. weiterlesen…
Spiegel: Mehr Online ohne “Newsroom”
“Weder Tageszeitungen noch andere Internetmedien sollen der Marke ‘Spiegel’ ihre Meinungsführerschaft streitig machen können.” Das sagten die beiden Chefredakteure des Spiegel Mathias Müller von Blumencron, 48, und Georg Mascolo, 44, dem Mediendienst kress. Müller von Blumencron war früher Chef von Spiegel-Online, beide waren Korrespondenten in den USA. Ex-Spiegel Chef Aust hatte eine engere Zusammenarbeit des Spiegel mit seinem Online-Ableger stets abgelehnt. Jetzt ist man der Meinung, dass jeder Redakteur auch für das Online-Portal schreiben muss. weiterlesen…
28. Juni 2009
Holtzbrinck: Aus für 190 Stellen
Bei drei Zeitungen der Stuttgarter Holtzbrinck-Gruppe droht ein massiver Personalabbau: Wie es in Verlagskreisen heißt, droht der Saarbrücker Zeitung sowie deren Tochterblättern Trierischer Volksfreund und Lausitzer Rundschau der Abbau von 190 Arbeitsplätzen, meldet das Hamburger Abendblatt. Allein beim Saarbrücker Blatt sollen 90 Stellen wegfallen. Offenbar sind alle Abteilungen betroffen. Bei der Lausitzer Rundschau müssen wohl vor allem Stellen in der Redaktion gestrichen werden. (abendblatt.de)
Ines Pohl will taz deutlich nach links rücken
Ines Pohl, die neue Chefredakteurin der taz, bisher als Korrespondentin für die Mediengruppe Ippen (”Münchner Merkur”, “tz”) in Berlin tätig, versteht sich selbst als “linke Feministin”. “Ich bin mit 42 Jahren bei meiner großen Liebe angekommen. Aber ich will sie wieder weiter links positionieren.” Dafür habe sie bewusst den “Sprung raus aus der gut bezahlten Mainstream-Hängematte” gewagt,” sagte sie in einem Gespräch mit Spiegel-Online. Der Online-Auftritt der taz berge noch großes Potenzial, das bisher nicht genutzt worden sei, so Pohl. Die taz müsse wieder “frecher werden” und die “Machtfrage stellen”.
26. Juni 2009
Wolfgang Tiefensee untersagte Veröffentlichung einer Studie über den “Abbau Ost”
“Extrem strukturschwache Regionen in Deutschland sollten nicht mehr gefördert werden, sondern nur noch eine Basisversorgung erhalten. Das ist das Ergebnis einer groß angelegten Studie im Auftrag von Aufbau-Ost-Minister Wolfgang Tiefensee - deren Veröffentlichung aber untersagt ist” meldet die Financial Times Deutschland (FTD). Hickhack um Studie: Tiefensees Gutachter schreiben Ostdeutschland ab, heisst es auf WELT.de. weiterlesen…
Bascha Mika verlässt die taz
Die langjährige Chefredakteurin der taz, Bascha Mika, verlässt die Zeitung. Nachfolgerin wird Ines Pohl, bisherige Berlin-Korrespondentin der Mediengruppe Ippen, meldet heute die taz in eigener Sache. Bascha Mika war 11 Jahre Chefredakteurin des einst linksalternativen Blattes. Möglicherweise zieht sie nur eine Ecke weiter. In der gleichen Strasse residiert der Axel Springer Verlag. Unbestätigte Gerüchte sprechen von einem geplanten Wechsel zur WELT.
Medienkrise: Aufbruch in eine neue Zeit!
Die Medienkrise ist weniger eine Krise, mehr ein Wandel, ein Aufbruch in eine neue Zeit. Krise hieße, dass, wenn sie überwunden ist, es so weitergeht wie vor der Krise. Das wird aber so nicht sein. So könnte man das Fazit der Veranstaltung des DJV Berlin im Automobilforum am gestrigen Donnerstag ziehen. weiterlesen…
23. Juni 2009
Medienforum: Die Demokatie braucht die Presse
Bundestagspräsident Prof. Dr. Nobert Lammert hat ein eindeutiges Bekenntnis zur Tageszeitung abgelegt. Das Internet könne und dürfe die Zeitung nicht verdrängen, betonte der CDU-Politiker beim Internationalen Printkongress im Rahmen des 21. medienforum.nrw. Die Zeitung sei als Leitmedium in der Demokratie unverzichtbar. „Das Internet ist da, wo es sorgfältig ist, eher lexikalisch als analytisch“, sagte Lammert. Bei der Tageszeitung sei das umgekehrt. weiterlesen…
22. Juni 2009
Iran kontrolliert das Internet mit Hilfe von Nokia und Siemens - 2.Update
Proteste in Paris Foto: d-foto Manuela Böhme
Dass westliche Firmen der Führung in Peking politische Zugeständnisse machen wenns ums Geschäft geht, ist nicht neu. Dass aber selbst das Mullah-Regime in Iran in westlichen Konzernen willige Helfer bei der Zensur des Internets findet, dürfte überraschen. Die Volksrepublik China spielt schließlich in der ersten Liga der Staatengemeinschaft mit, der Iran ist eher isoliert. weiterlesen…