31. Juli 2006
Die ZEIT und Ratiopharm
Pharmablog (stern, 29.07.2006): “Endlich wieder gute Nachrichten über Ratiopharm”
“Es gibt endlich wieder gute Nachrichten über Ratiopharm – aber leider nur in der ZEIT. Dort poliert der Wirtschaftsjournalist Ulrich Viehöver nun schon wiederholt den Ruf jenes Pharmaunternehmens auf, bei dem im November vergangenen Jahres bekannt wurde, dass es systematisch Umsatzbeteiligungen an Ärzte bezahlt hatte, die besonders fleißig Ratiopharm-Präparate verordnet hatten.
Am 23. März diesen Jahres plazierte Viehöver den ersten außerordentlich einfühlsamen und verständnisvollen Artikel über Ratiopharm in der ZEIT. Unter der Überschrift „Die Einsicht des Pillenmachers“ beschrieb Viehöver, dass „Ratiopharm nun zum leuchtenden Beispiel der Pharmabranche werden“ will. Dummerweise zeigte sich die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart nicht ganz so verständnisvoll gegenüber dem Pharmaunternehmen und entschied wenige Tage nach Viehövers Ode, dass die Kollegen von der Staatsanwaltschaft Ulm erneut ein Ermittlungsverfahren aufnehmen müssen gegen Verantwortliche von Ratiopharm wegen des Verdachts auf Beihilfe zu Betrug und Untreue.” [mehr...]
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29. Juli 2006
Schleichwerbung: Bild.de verliert vor Gericht
BILDblog (29.07.2006): “Schleichwerbung: Bild.de verliert vor Gericht”
“Bild und Bild.de haben mit der Art, wie sie für das “Volks-Sparen”-Angebot der Deutschen Bank geworben haben, unzulässige Schleichwerbung betrieben. Das Kammergericht Berlin erließ in zweiter Instanz eine einstweilige Verfügung, die es Bild.T-Online untersagt, in gleicher Weise in redaktionell gestalteten Beiträgen für einzelne Unternehmen zu werben. Andernfalls muss Bild.T-Online Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro zahlen. Geklagt hatte ein Journalist, der Internet-Seiten mit Verbraucherinformationen betreibt und sich als Wettbewerber von Bild.de sieht. (…) Dieser vermeintliche Test war (wie weitere “Artikel”) Teil der Anzeige – aber nach Ansicht des Gerichtes ‘nicht hinreichend eindeutig als Werbung erkennbar’. Die Deutsche Bank als werbendes Unternehmen werde nicht einmal genannt.” [mehr...]
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Telenovelas: Schmetterlinge im Bauch
- Spiegel online (29.07.06): “TV-Vorschau: Von dicken Kindern und dünnen Konzepten”
“Die Telenovela ist nicht tot zu kriegen. Stefan Raab verzockt 500.000 Euro. RTL legt sich mit Sat.1 an, RTL2 macht dicke Kinder schlank.” [mehr...]
- quotenmeter.de (28.07.2006): “Sat.1 sichert sich die Rechte an ‘CSI’-ähnlicher Serie”
- quotenmeter.de (30.06.2006): “Schwerpunkt: ‘Schmetterlinge im Bauch’”:
“Die Telenovela ist allerdings keine deutsche Erfindung, sondern hat eine weite Reise hinter sich gebracht, ehe sie in der Bundesrepublik ankam. Sie kommt ursprünglich aus dem vorrevolutionären Kuba. Dort wurden den Arbeiterinnen in Zigarrenmanufakturen Romane vorgelesen. Jeden Tag gab es eine erneute Fortsetzung der Geschichte. Auch heute werden in den Fabriken zum Teil noch solche Romanzen erzählt. Erst in den 50er-Jahren wurden diese Romane fürs Fernsehen umgeschrieben. Am erfolgreichsten laufen Serien dieses Genres nach wie vor in Mexiko und Brasilien, wo die einzelnen Kapitel zur Primetime gesendet werden. Dafür unterscheiden sie sich auch deutlich zu den Produktionen in Europa: Sie werden qualitativ hochwertiger und mit höherem finanziellen Aufwand hergestellt.” [mehr...]
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27. Juli 2006
Kaufen, werben und verkaufen
Financial Times Deutschland (26.07.2006:) “Dossier Orkla rettet Verkauf der Mediensparte”
Um den Verkauf seiner Mediensparte zu retten, kommt der norwegische Mischkonzern Orkla dem Finanzinvestor David Montgomery entgegen. Der Mischkonzern macht dem Investor David Montgomery Zugeständnisse bei der Finanzierung. Nachdem sich in der vergangenen Woche abgezeichnet hatte, dass Montgomery Probleme hat, das Geld für die Übernahme bei Investoren einzusammeln, darf er nun einen deutlich höheren Teil des Kaufpreises von insgesamt 950 Mio. Euro mit Aktien seiner Holding Mecom bezahlen.” [mehr...]
Werben & Verkaufen (26.07.2006:) “Sueddeutsche.de kooperiert mit W&V”
“Werben & Verkaufen beliefert die Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung künftig mit exklusivem Content aus den Bereichen Unternehmen, Medien, Agenturen und Digital Business. (…) Onlinegerecht aufbereitet und auf die größere Zielgruppe abgestimmt, ergänzen wöchentliche W&V-Artikel die tagesaktuelle Wirtschaftsberichterstattung des führenden Abonnenten-Zeitungsportals.” [mehr...]
Kommentar: Für den naiven Leser übersetzt heißt das: Die Süddeutsche bekommt jetzt die exklusive Schleichwerbung von Profis geliefert. Welche Ziele hat der deutsche Journalismus seit Ludwig Erhard? Werben und Verkaufen, was sonst. (Vorsicht, Ironie!)
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26. Juli 2006
Gericht bestätigt Arbeit des Presserats
Pressemitteilung des Deutschen Presserats: “Gericht bestätigt Arbeit des Presserats”
“Das Oberlandesgericht Köln hat in einem jetzt überreichten Urteil vom 11. Juli 2006 klargestellt, dass der Presserat Verlage missbilligen und auf journalistische Sorgfaltsverstöße hinweisen darf. Die Berechtigung des Deutschen Presserats ‘folgt aus der verfassungsrechtlich verankerten Vereinigungsfreiheit, das Recht seiner Mitglieder zur freien Meinungsäußerung aus Art. 5 GG; seine Entschließungen, ob er einen Verstoß gegen presseethische Grundsätze annimmt und gegebenenfalls welche Maßnahmen er ergreift, sind ausschließlich durch ideelle, im Pressekodex wiedergegebene ethische Vorstellungen geprägt’. Damit bestätigte das Gericht erstmalig ein Grundsatzurteil des Oberlandesgerichts Hamburg aus dem Jahr 1959 zur Beschwerdearbeit des Deutschen Presserats.
Der Öko-Test-Verlag hatte sich gegen eine vom Presserat im Jahre 2004 gegen ihn ausgesprochene Missbilligung wegen Verstoßes gegen den Pressekodex gewehrt. Anlass lieferte eine Berichterstattung über Vaterschaftstests. Das Oberlandesgericht stellte jetzt nach dem Landgericht Bonn in zweiter Instanz klar, dass die Klage bereits deshalb unbegründet war, weil es sich bei den Bewertungen des Beschwerdeausschusses offensichtlich und inhaltlich um eine Meinungsäußerung handelt. Auch die tatsächlichen Annahmen, auf denen die Missbilligungsentscheidung des Deutschen Presserats beruhte, erschienen dem Gericht zutreffend. Die Zeitschrift hatte den Presserat verpflichten wollen, sowohl die weitere Äußerung zu unterlassen, sie habe gegen die journalistische Sorgfaltspflicht gemäß Ziffer 2 des Pressekodex verstoßen, als auch die Maßnahme zurückzunehmen.
Die Ausschüsse des Presserats haben jährlich über 280 Beschwerdefälle zur Entscheidung vorliegen und sprechen hierzu in knapp der Hälfte der Fälle Beschlüsse aus, wonach mit Hinweisen, Missbilligungen und Rügen auf Verstöße gegen den Pressekodex erkannt wird.”
Vgl.
- FAZ (22.01.2006): “Zur Sache, Kätzchen”: “Man kann es auf einen einfachen Punkt bringen: Die Urteile des Presserates gelten in der Branche fast nichts. Nicht nur ‘Bild’ gibt sich unbeeindruckt. Der ‘Tagesspiegel’ etwa, der für eine Serie über ‘besonders attraktive Angebote’ von Autohäusern gerügt wurde, weil sie nach Ansicht des Presserates Schleichwerbung darstellte, druckte unter die Rüge den Hinweis, die Reihe werde ‘ungeachtet der Rüge’ fortgesetzt. ”
- rechtblog (21.07.2006): “Presserat: Öko-Test Jahrbuch Kleinkinder für 2006 wurde öffentlich gerügt”
- Wikipedia: “Öko-Test”
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21. Juli 2006
IVW: Nachrichtenmagazine verlieren Auflage
Werben & Verkaufen (14.07.2006):
“Die Auflagen der Magazine ‘Spiegel’, ‘Stern’ und ‘Focus’ sind im zweiten Quartal 2006 zurückgegangen. Das geht aus den neuen IVW-Zahlen hervor, die am Freitag vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger veröffentlicht wurden. Der ‘Spiegel’ verlor im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 3,6 Prozent und verkaufte durchschnittlich 1,033 Millionen Exemplare pro Ausgabe. Der ‘Stern’ meldete eine Auflage von 1,012 Millionen (minus 4,9 Prozent) und ‘Focus’ 730.000 (minus 5,9 Prozent). (…)
Bei den überregionalen Tageszeitungen konnte ‘Die Welt’ zusammen mit ihrer Tabloid-Ausgabe ‘Welt Kompakt’ ein Plus von 11,9 Prozent verzeichnen. Die Auflage stieg auf 263.000 verkaufte Exemplare. Die Titel werden nicht einzeln ausgewiesen. (…)
Die Hamburger Wochenzeitung ‘Die Zeit’ konnte auch in diesem Quartal ihren Auflagenzuwachs fortsetzen. Die ‘Zeit’ verkaufte sich durchschnittlich 488.000 mal, ein Plus von 0,9 Prozent.” (…) [mehr...]
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19. Juli 2006
“Allgemeine Zeitung” wird 90 Jahre
Medienmagazin “Berliner Journalisten”
Berliner Journalisten Verlagsgesellschaft
Schönhauser Allee 122
10437 Berlin
An:
Stefan Fischer, Chefredakteur “Allgemeine Zeitung”
Omurambaweg 11,
Postfach 86695,
Windhoek, Namibia
Liebe Kolleginnen und Kollegen von der “Allgemeinen Zeitung”,
zum 90-jährigen Jubiläum wünschen wir Euch alles Gute und weiterhin Erfolg! Wir sind das einzige verlagsunabhängige Medienmagazin Deutschlands, existieren erst gut eineinhalb Jahre und werden uns an Euch ein Beispiel nehmen!
Mit kollegialen und herzlichen Grüßen von Berlin nach Windhuk
Burkhard Schröder
Chefredakteur
Vgl. Netzeitung (19.07.2006): “Deutsche Zeitung in Afrika feiert Geburtstag”
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Ulrike Kaiser verlässt den “journalist”
Pressemitteilung des DJV (19.07.2006):
Ulrike Kaiser, Chefredakteurin des journalist, wird diesen zum 30.07.2007 verlassen.
(…) “Seit 1985 hat sie den ‘journalist‘ als DJV-Mitgliederzeitschrift zum größten Monatsmagazin der Medienbranche ausgebaut. ‘Dies konnte nur funktionieren, weil der Deutsche Journalisten-Verband als Herausgeber mir immer die notwendige Unabhängigkeit und Autonomie garantiert hat’, so die Chefredakteurin, die ihre private Lebensplanung in Zukunft mit einem größeren Zeitbudget gestalten will. (…) Für die Übergabe der Chefredaktion steht nun genügend Zeit zur Verfügung, um die konzeptionelle und strategische Kontinuität zu gewährleisten. Dem DJV und dem Medienfachverlag Rommerskirchen bleibt Ulrike Kaiser weiter eng verbunden.”
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17. Juli 2006
EFJ Supports German Media Boycott of Robbie Williams Concerts
The European Federation of Journalists (EFJ) today expressed its full support for a German media boycott of Robbie Williams’s concerts after the singer banned some photographers from his shows and issued restrictions denying other photographers rights over their work.
“It is a shame that creative artists themselves violate photographers’ rights in such a disgraceful way,” said Renate Schroeder, Director of the European Federation of Journalists. “Such restrictions imposed on photographers clearly challenge the public’s right to know about current events. Politicians and other artists should support journalists and media organisations in their fight for fair contracts for photojournalism.”
Williams is requiring all photographers who take photos at his concerts to sign a contract giving up all rights over their work. The regional association in Saxony of the German Association of Journalists called the restrictions on photographers a ‘flagrant example of an immoral contract’ and has called for a photo boycott.
German news agency Deutsche Presse Agentur has also called for a boycott of Williams’s concerts after the singer banned agency photographers from his shows. Today, the newspaper Dresdner Neueste Nachrichten ran its article on the July 10 Robbie Williams concert in Dresden without a photograph and instead left an empty space next to the story.” [ mehr...]
Vgl. Pressemitteilung des DJV v. 12.07.2006
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Richter lehnen Verfahren gegen Journalisten Schirra ab
Spiegel Online (17.07.2006): “Das Amtsgericht Potsdam hat die Eröffnung des Verfahrens wegen Beihilfe zum Geheimnisverrat gegen den ‘Cicero‘-Journalisten Bruno Schirra abgelehnt. (…) Der Beschluss des Landgerichts Potsdam ist gerade fünf Seiten lang, aber die sind eine schallende Ohrfeige für die Ermittler: ‘Die Eröffnung des Verfahrens’ gegen den Journalisten Bruno Schirra, so heißt es in dem amtlichen Schrifstück, ‘wird aus tatsächlichen Gründen abgelehnt’, ein ‘hinreichender Tatverdacht’ gegen den Reporter bestehe ‘nicht’. (…) Denn während Journalistenverbände, Grüne und die Linkspartei als Konsequenz aus der Affäre vehement die Abschaffung der “Beihilfe” zum Geheimnisverrat fordern, umgeht die Potsdamer Lesart elegant genau diesen Punkt, indem die Möglichkeit unterstellt wird, zwar sei ein Geheimnis verraten worden, aber nicht mit dem Ziel, darüber auch öffentlich zu berichten. Nach dieser rechtlichen Auslegung ist der Geheimnisverrat bereits in dem Moment beendet, in dem der Reporter ein Dossier erhält. Eine Publikation könne dann keine Beihilfe darstellen.” [mehr...]
Vgl. “Cicero-Affäre: Sturm im Wasserglas” (18.04.2006)
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10. Juli 2006
Politikmagazine: Schwinden des politschen Profils
Netzeitung (10.07.2006): “ARD-Reform belastet Politmagazin- Quoten”
(…) “Während die Tagesthemen von dem früheren Sendeplatz profitierten, konnten von den Magazinen nur (RBB) und Report München (BR) ihre Zuschauerzahl stabil halten. Beide wurden im ersten Halbjahr 2006 durchschnittlich von jeweils 2,95 Millionen Menschen gesehen, was für ‘Report München’ sogar einen leichten Zuwachs gegenüber dem Vorjahreszeitraum (2,86 Millionen) bedeutete.
Einbußen gab es dagegen bei Panorama (NDR) von 3,50 auf 3,28 Millionen, bei Monitor (WDR) von 3,31 auf 3,00 Millionen, bei Fakt (MDR) von 3,15 auf 2,87 Millionen und bei Report Mainz (SWR) von 3,17 auf 2,64 Millionen. [mehr...]
Frankfurter Rundschau (10.07.2006): Abschied vom Korrektiv. Die seit Jahresbeginn verkürzten Politmagazine der ARD verlieren Quoten und Profil
(…) “Problematisch scheint auch, dass die ARD-Politmagazine immer noch besonders gern Themen aufgreifen, die zu Ratgeber- oder Gesundheitsformaten passen. Kaum eine Sendung kommt ohne alarmierende Reportagen über Missstände im Gesundheitswesen aus, und Dauerbrenner im Frühjahr waren die gestiegenen Energiepreise. Überraschend selten wird hingegen kritisch auf die Politik der großen Koalition geblickt.
Mit dem Schwinden des politschen Profils geht einher, dass sich einige der Magazine längst vomSelbstverständnis verabschiedet haben, journalistisches Korrektiv zur politischen Macht zu sein. Nicht nur bei Fakt ist der Trend unverkennbar, mit vermeintlich populären Themen Quote zu machen - so, wie es Frontal 21 erfolgreich vorführt. In dieser Hinsicht aber sind die Politmagazine fraglos ein Spiegel einer Gesellschaft, deren Eliten mit dieser Art von TV-Journalismus ruhiger leben können.” (…) [mehr...]
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9. Juli 2006
DJV vs. Netzwerk Recherche
Deutschlandfunk (Martina Schulte, 08.07.2006): DJV und Netzwerk Recherche im Clinch”
(…) “Casus belli ist ein Artikel über die Arbeit der Journalistenorganisation “Netzwerk Recherche”. Geschrieben hat ihn der Autor, Dozent und freie Journalist Florian Ditges, der sowohl Mitglied im DJV als auch im ‘Netzwerk Recherche’ ist - eine zum Teil harsche Kritik an der seiner Ansicht nach fehlenden inneren Demokratie bei den Netzwerkern.
‘Mit dem Artikel ging es mir im Wesentlichen um eine erhebliche Kritik an dem Vorstand und an der Art und Weise wie dieses “Netzwerk Recherche” geführt wird.’ (…)
Den Verlag Rommerskirchen als Herausgeber des ‘Journalist‘ verwickelte man in ein juristisches Scharmützel samt Gegendarstellungs-, Unterlassungsbegehren und schließlich einer Richtigstellung; den Autor Florian Ditges warf man auf einer Vorstandssitzung wegen angeblicher PR-Tätigkeiten kurzerhand aus dem Verein. Für den Vorstand um Thomas Leif ist Ditges’ Pamphlet nämlich nicht nur sachlich falsch und journalistisch fragwürdig, sondern Teil einer Hetzkampagne des DJV.” (…) [mehr...]
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6. Juli 2006
Taz verärgert Lech “Katsche” Kaczynski
- taz (26.06.2006): “Polens neue Kartoffel - Schurken, die die Welt beherrschen wollen. Heute: Lech “Katsche” Kaczynski”
“Vorbild der Kaczynskis ist der Erfinder Polens von 1919, Josef Pilsudski, der 1926 die “gelenkte Demokratie” entdeckte und dem halbfaschistischen Militärregime von 1935 die Bahn schmierte. Wie Pilsudski sind die Kaczynskis Polen bis über beide Ohren, und das Vaterland sitzt ihnen wie angegossen. Dass die zwei vorn wie hinten sauber sind, haben sie bewiesen: Lech, der öffentliche Hinterteile an Warschaus Männern mehrmals verbot, mehr noch Jaroslaw, der mit der eigenen Mutter zusammenlebt - aber wenigstens ohne Trauschein.”
- taz (05.07.2006): “Das ist kein Spaß”
“Polens Presse war gestern voll von Spekulationen: Die “deutsche Krankheit” habe Polens Staatspräsidenten Lech Kaczynski gepackt. Nur deshalb habe er kurzfristig seine Teilnahme am sechsten deutsch-polnisch-französischem Treffen in Weimar abgesagt, war zu lesen. Und: Schuld an der plötzlichen “Unpässlichkeit” des Präsidenten sei ein Artikel, der am 26. Juni in der taz mit dem Titel “Polens neue Kartoffel. Schurken, die die Welt beherrschen wollen” erschienen war.”
- taz (06.07.2006, Kommentar Bascha Mikas): “Was darf Satire? Darf sie ein Staatsoberhaupt verspotten, nationale Borniertheit verhöhnen und Schwulenfeindlichkeit lächerlich machen? Selbstverständlich, sagt die taz. Niemals, sagt die polnische Regierung.”
- Netzeitung (04.07.2006): “taz-Satire verärgert polnische Regierung”
- Spiegel online (04.07.2006): “Die Quadratur des Dreiecks”
“In der polnischen Presse wurde spekuliert, ob ein satirischer Beitrag in der “taz” unter der Rubrik “Schurken, die die Welt beherrschen wollen” Kaczynski auf den Magen geschlagen haben könnte. Kaczynski wird darin als ‘Polens neue Kartoffel’ bezeichnet, einer, der nach eigenem Bekunden Deutschland nicht mehr kenne, ‘als den Spucknapf in der Herrentoilette des Frankfurter Flughafens’.”
- Tagesschau (04.07.2006): “Plagt Kaczynski die deutsche Krankheit?”
- Frankfurter Rundschau(04.07.2006): “Zeitungs-Satire ärgert Polens Präsidenten”
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4. Juli 2006
Montgomery will keine Heuschrecke sein
Financial Times Deutschland (Lutz Meier, 04.07.2006): Dossier: Investor Montgomery will keine Heuschrecke sein
(…) “Montgomery hatte im vergangenen Jahr in Deutschland Aufsehen erregt, als er sich als erster ausländischer Finanzinvestor in die deutsche Regionalpresse einkaufte. Er erwarb zusammen mit der Finanzbeteiligungsfirma VSS zunächst den Berliner Verlag mit “Berliner Zeitung” und “Berliner Kurier”, später dann die “Hamburger Morgenpost”. Als Nächstes kaufte er in Holland ein: Für 200 Mio. Euro sicherte er sich die Kontrolle über den Verlag LMG, der eine Reihe von Zeitungen in der südniederländischen Provinz Limburg herausgibt, und plant dort weitere Zukäufe.
Die nun vor der Übernahme stehende Orkla-Sparte ist bislang der größte Brocken. Damit erhält Montgomery Zeitungen in vielen Ländern Europas. In Norwegen und Schweden gehen 32 Zeitungen sowie Senderbeteiligungen an Mecom. In Dänemark erhält er mit der traditionsreichen “Berlingske Tidende” und ihrem Verlag den Marktführer. In Polen sind es 13 Zeitungen, unter ihnen die überregionale “Rzeczpospolita”. Dazu kommen Blätter in Lettland und der Ukraine.” (…)
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Einstweilige Verfügung gegen Leyendecker
Berliner Zeitung (Andreas Förster, 04.06.2006): “Und der BND freut sich - In der Spitzel-Affäre streiten sich jetzt die betroffenen Journalisten - auch vor Gericht.
(…) “Tatsächlich richtet sich Leyendeckers vehement vorgetragener Zorn seit Bekanntwerden der BND-Spitzelaffäre vor allem gegen Schmidt-Eenboom und den Focus, wo gleich drei Redakteure mit dem BND nachrichtendienstlich zusammengearbeitet haben. Doch während der Focus Leyendeckers Attacken bislang regungslos erträgt - einmal abgesehen von Herausgeber Helmut Markwort, der Leyendecker in einem Interview als “Giftzwerg” abkanzelte -, ist Schmidt-Eenboom juristisch gegen den Journalisten vorgegangen. Mit Erfolg: Vor einer Zivilkammer des Hamburger Landgerichts setzte der Publizist dieser Tage eine einstweilige Verfügung gegen Leyendecker durch, der ihn danach nicht mehr als “Vertrauensperson” des BND bezeichnen darf. (…)
Die vom Hamburger Gericht mit einstweiliger Verfügung verbotenen Formulierungen finden sich in einem Artikel vom 29. Mai in der Süddeutschen Zeitung, in dem Leyendecker über “Das Doppelleben des Erich Schmidt-Eenboom” berichtet hatte. Der Text repetiert im wesentlichen die Erkenntnisse aus einem Untersuchungsbericht, den der ehemalige Bundesrichter Gerhard Schäfer im Auftrag des Parlamentarischen Kontrollgremiums gefertigt hatte. (…)
Tatsächlich ist der Schäfer-Bericht alles andere als das Ergebnis einer gründlichen Untersuchung. Was nicht dem ehemaligen Bundesrichter zur Last gelegt werden kann: Schließlich wurden ihm nur unvollständige und vom BND zuvor selektierte Unterlagen zur Einsicht vorgelegt, deren sachlicher Inhalt zudem in Einzelfällen inzwischen nachgewiesene Fehler enthält.
Leyendecker hat Schmidt-Eenboom dennoch nicht angerufen und gefragt, was er zu dem Vorwurf sagt, BND-Vertrauensperson gewesen zu sein.” (…)
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