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17. Dezember 2007

Der EU-Afrika-Gipfel von Lissabon: Zwischen Heuchelei und Gesichtswahrung
Abgelegt unter: Ausland | Heinrich Bergstresser um 10:56

Selten stand ein internationaler Gipfel bereits im Vorfeld unter solch einem unguten Stern wie der EU-Afrika-Gipfel in Lissabon. Und selten prägten bei einem derartig hochrangigen Treffen im wesentlichen Heuchelei und Gesichtswahrung das Geschehen, um den schon im Vorfeld beschädigten Gipfel gegenüber der jeweiligen Klientel in Afrika und Europa noch als Erfolg zu verkaufen. Der Stein des Anstoßes: der derzeitige afrikanische Paria, Simbabwes Präsident Robert Mugabe, und die Tragöde im sudanesischen Darfur. Schon 2003 war Mugabe mit verantwortlich dafür, dass der zweite EU-Afrika-Gipfel abgesagt werden musste, und auch diesmal versuchte die britische Regierung, wegen der Anwesenheit des Diktators, diesen Gipfel zu verhindern. Doch diesmal blieb es beim Versuch, denn niemand sonst in der EU wollte wegen des bilateralen diplomatischen Konfliktes zwischen Simbabwe und Großbritannien, der eher einer Privatfehde ähnelt, die Verantwortung für eine erneute Absage übernehmen.

Der Auftritt Robert Mugabes in der portugiesischen Hauptstadt diente schließlich beiden Verhandlungspartnern. Auf der einen Seite den afrikanischen Staats- und Regierungschefs, die erfolgreich gedroht hatten, den Gipfel platzen zu lassen, falls der Held des simbabwischen Befreiungskampfes nicht am Konferenztisch Platz nehmen könnte und wenn das Thema Darfur auf die Agenda gesetzt worden wäre. Dafür ernteten sie afrikaweit Applaus. Auf der anderen Seite die Amtskollegen aus Europa – Großbritannien war lediglich durch ein nachrangiges Kabinettsmitglied vertreten. Sie konnten unter dem Dach der EU scheinbar Handlungsfähigkeit vorweisen und zeigen, dass sie nicht tatenlos mit ansehen, wie China und Indien, ja selbst die USA, den rohstoffreichen und zugleich so armen Riesenkontinent rein interessenorientiert aufrollen und für sich nutzen. Da war viel von “gemeinsamen Wirtschaft- und Sicherheitsinteressen“ von “Verhandlungen auf Augenhöhe“ die Rede. Die deutsche Bundeskanzlerin arbeitete dann auch noch im Auftrag der EU den Punkt Kritik an Mugabe ab. Doch zielte diese Kritik in erster Linie darauf, jene europäische Klientel zu bedienen, die gute Regierungsführung und Einhaltung der Menschenrechte als wichtigen außenpolitischen Maßstab betrachten.

Diese Kritik wiederum nahmen die afrikanischen Staatschefs als Steilvorlage auf, einen Disput zu entfachen, angeführt von Senegals Staatspräsidenten Abdoulaye Wade, der sogar im Eklat zu enden drohte. Denn die wichtigsten afrikanischen Staaten Südafrika, Nigeria und Senegal weigerten sich auch im Namen zahlreicher anderer Staaten das neue Freihandelsabkommen mit der EU zu akzeptieren und verwiesen lautstark auf die aus Asien angebotenen Optionen. Dabei bestand das einzig Ziel der Afrikaner darin, erstmals gemeinsam Stärke und politisches Selbstbewusstsein zu zeigen gegenüber den ehemaligen Kolonialherren aus Europa, trotz Simbabwe und Darfur. Ort und Zeit waren gut gewählt, die Karte China ließ sich offen ausspielen. Dabei hat gerade China durch sein destruktives Verhalten im UN-Sicherheitsrat im Fall Sudan und die finanzielle Unterstützung der simbabwischen Regierung wesentlich zur Verschärfung der Krisen in Darfur und Simbabwe beigetragen.

Worauf aber stützt sich dieses neue Selbstbewusstsein, mag sich der eine oder andere kritische Beobachter gefragt haben? Sicher ist, die afrikanische Führungselite hat dazu gelernt und bewegt sich auf dem internationalen Parkett wesentlich geschickter als zuvor. Vielmehr aber hat sie nicht zu bieten, sieht man von einigen durchaus beachtlichen Demokratiefortschritten ab, die aber bislang die enorm schlechten Lebensverhältnisse der meisten Menschen nicht wirklich verbessert haben. Denn das seit Jahren starke Wirtschaftswachstum ist nicht das Ergebnis wohlüberlegter Wirtschaftspolitik, sondern den enorm gestiegenen Rohstoffpreisen und dem Aufbau von Telekommunikationsnetzen geschuldet. Und der weit verbreitete Glaube, die Direktinvestitionen aus Asien würden Afrika schon bald endgültig in die Moderne katapultieren, bleibt ein Irrglaube. Denn China ist mittlerweile ein Global Player, der nicht einmal drei Prozent seiner Direktinvestitionen in Afrika tätigt. Und schaut man sich die marode Infrastruktur und das Elend in den Ballungszentren und auf dem Lande in Afrika an – Strom und Benzin sind im Ölförderland Nigeria Mangelware, und auch in der Wirtschaftsnation Nummer Eins Südafrika wird Strom zum zunehmend knappen und kostbaren Gut – so wird noch deutlicher, wie konzeptionslos die Führungselite noch immer agiert, wenn es um existentielle wirtschaft- und sicherheitspolitische Fragen und Prozesse wie in Dafur, Somalia, DR Kongo oder Simbabwe geht. Geld und Logistik aus Europa für Friedeneinsätze und Entwicklungsprojekte sind dagegen jederzeit willkommen, wie diese eingesetzt werden, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Und Europa? Auch hier herrscht Konzeptionslosigkeit hinsichtlich einer EU-Afrikapolitik, wohin man auch schaut. So pumpt der Zahlmeister weiterhin viel Geld, aber wenig inhaltlich Substantielles nach Afrika. Die beiden ehemaligen kolonialen Großmächte Großbritannien und Frankreich stellen auch heute noch ihre internationalen Interessen wie auch ihre Afrikainteressen über die Interessen der EU und bleiben im Zweifelsfall ihrer kolonialen Herrschaftsgeschichte treu. Auch dies ist eine Erkenntnis des Gipfels von Lissabon. Großbritannien konnte sich dort mit einer Nebenrolle begnügen, in der Gewissheit, genügend Ressourcen und Legitimation zu besitzen, um die von Tony Blair begonnene Afrika-Initiative in Eigenregie weiterführen zu können. Ausgehend von seinem militärischen Eingreifen im bürgerkriegsgeschüttelten Sierra Leone 2001, hatte Großbritannien als UN-Sicherheitsratsmitglied, Atommacht, Commonwealth-Gründer und ehemaliges Empire verloren geglaubtes außenpolitisches Selbstvertrauen wiedergefunden, um sich in Afrika humanitär und politisch stärker als zuvor zu engagieren. Denn Afrika ist auf der Insel präsent, hat mittlerweile sogar Eingang in die britische Innenpolitik gefunden, und im Großraum London hängen jetzt schon mehrere Wahlkreise vom Wählerverhalten der afrikanischen Briten und vom Engagement parlamentarischer Abgeordneter für den Kontinent ab.

Vergleichbares lässt sich auch von Frankreich sagen, wo der neue Staatspräsident Nicolas Sarkozy das in der Ära Chirac verloren gegangene Terrain in Afrika und der Welt wiedergewinnen will. Und dazu ist ihm jedes Mittel Recht, wie er im Fall Libyen bewies, wo er mit dem dienstältesten Diktator Afrikas einen Deal über Waffenlieferungen und Kernkraftwerke in Milliardenhöhe abschloss. Im Fall Tschad dagegen, das nun auch voll in den Sog des Darfur Konfliktes geraten ist, hielt sich Frankreich bedeckt, die Entsendung der EU-Einsatztruppe mit aller Kraft zu unterstützen. Sie ist bis heute nicht im Tschad eingetroffen. Des weiteren hält Franreich fast schon zwanghaft an der Frankophonie fest, noch immer eine Säule der französischen Außenpolitik, und zur Legitimation braucht es auch weiterhin die Französisch sprechenden afrikanischen Staaten.

Wie unter diesen Bedingungen eine in sich schlüssige Afrikapolitik der EU entstehen soll, ist völlig unklar, solange Frankreich und Großbritannien eine konstruktive und enge Zusammenarbeit in Sachen Afrika mit der EU-Kommission weiterhin unterlaufen. Staatliche und nichtsstaatliche Organisationen in Europa nehmen gern die EU-Entwicklungsgelder, sind aber nur allzu selten zu einer grenzüberschreitenden Kooperation bereit. Das gilt auch für Afrika, wo extrem kostspielige Friedenseinsätze wie in Liberia und Sierra Leone und die Umsetzung völkerrechtsverbindlicher Urteile wie im Grenzkonflikt Nigeria-Kamerun von Europa und anderen westlichen Gebern bezahlt wurden. Ergebnis: Dies entlastet zwar die Haushalte der beteiligten afrikanischen Staaten, verbessert aber nicht die Lebensbedingungen der großen Mehrheit, sondern erhöht den Konsum der kleinen aber feinen Oberschicht, die sich gern in London, Paris, Brüssel und New York aufhalten und dort sogar in Grund und Boden investieren.

Die kurzfristige Aufmerksamkeit für Afrika ist denn auch schon wieder der innereuropäischen Diskussion um einen neuen EU-Vertrag und der Frage gewichen, wie sich die EU künftig außenpolitisch positionieren will. Afrika besitzt auch nach diesem Gipfel keine Priorität, wie der weitere Umgang mit dem Freihandelsabkommen in Brüssel in diesen Tagen belegte. Aber man hat immerhin miteinander gesprochen, sogar auf einem hochkarätigen Gipfel, wo aber jede Seite im wesentlichen ihre Klientel bediente, um das dünne Ergebnis zu kaschieren. An diesem Zustand wird sich auch nichts ändern, es sei denn, die wirkliche politische und wirtschaftliche Interessenlage auf beiden Seiten ist klar.

Heinrich Bergstresser, 14. Dezember 2007

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16. Dezember 2007

Brasiliens Staatsarchitekt Oscar Niemeyer: Die Kurven-Idee hat er vom Barock, nicht von den Frauen
Abgelegt unter: Ausland | Klaus Hart um 19:22

Selbst zum hundertsten Geburtstag wiederholt Niemeyer die seit Jahrzehnten immergleichen Klischee-Phrasen, amüsieren sich in diesen Tagen brasilianische Kulturkritiker. Niemeyer weiß, daß der Spruch, wonach seine Inspiration die Formen, die sinnlichen Kurven schöner Frauen seien, gerade im Ausland, selbst bei weiblichen Autoren, am meisten ankommt. Daniel Piza, wichtigster Feuilleton-Kritiker der Qualitätszeitung „O Estado de Sao Paulo“, erinnert ein weiteres Mal daran, daß Niemeyers PR-Idee mit den Frauen-Kurven natürlich Unsinn ist. „Niemeyer inspirierte sich ausschließlich am Barock und dessen geschwungenen Linien, an den kurvigen Barockbauten des Teilstaates Minas Gerais und an Brasiliens berühmtestem Barock-Architekten Aleijadinho.“ Doch in einer Zeit, in der man zu banalen Vereinfachungen neigt, werde es nur zu oft so hingestellt, als seien die Rundungen, Wölbungen, geschwungene Linien in der Architektur geradezu Niemeyers Erfindung, dessen Markenzeichen. „Ich gebe hier einen Hinweis. Niemeyer mag es, sich als den Pionier des Gebrauchs von Kurven, Bögen hinzustellen und erklärt, er sei es gewesen, der Le Corbusier angeregt habe, diese zu verwenden – was der Schweizer Architekt dann so brillant an der Kapelle von Ronchamps umgesetzt habe. Doch die Kurven waren keine Neuheit in der Architektur – beginnend mit Aleijadinho und seiner Kirche des Heiligen Franziskus in Ouro Preto…“ Daniel Piza vom „O Estado de Sao Paulo“ist natürlich aufgefallen, daß im In-und Ausland die jetzigen Würdigungen zum hundertsten Geburtstag Niemeyers in Bezug auf Lob und Hudel oft nahezu deckungsgleich sind. „Niemeyer e a unanimidade“(Niemeyer und die Einstimmigkeit) überschreibt Piza deshalb seine vielgelesene Kolumne – und erinnert damit hintergründig gleichzeitig an einen populären Ausspruch des großen brasilianischen Theatermachers Nelson Rodrigues: Toda unanimidade è burra - Alle Einstimmigkeit ist blödsinnig, dumm. Von solcher, so Piza, könne indessen, was Oscar Niemeyer betrifft, keine Rede sein, selbst wenn manche es so interpretierten. Der „Stararchitekt“ ernte reichlich ätzende Kritik. In Brasilien sei ein gängiger Vorwurf, daß Niemeyer-Bauten nicht funktionierten. Häufig beeindruckten diese am meisten, wenn man sie aus der Ferne, in günstigem Panorama betrachte. Daß Niemeyer große, öde, leblose Plätze aus Beton schaffe, werde von ausländischen Essayisten wie Kenneth Frampton und Marshall Berman auf seine stalinistische Ideologie zurückgeführt. Fehlende Belüftung und Beleuchtung, schlechte Raumverteilung zählt Piza ebenfalls zu den großen Mankos der Niemeyer-Architektur, welche zwischen genialen Momenten und beklagenswerten Fehlleistungen oszilliere. Der Kulturkritiker analysiert ähnlich wie der Architekt und Uni-Professor Joaquim Guedes, der angesichts des überbordenden Personenkults zum hundertsten Geburtstag Niemeyers einige Dinge klarstellt. Guedes zählt ebenso wie Niemeyer zu den Größen der brasilianischen Architektur, bekam viele Preise, realisierte hunderte Projekte. Andreas Hempel, Präsident des Internationalen Architekturkongresses von 2002 in Berlin, holt Guedes nicht zufällig ins wissenschaftliche Komitee des Expertentreffens. „Niemeyers Diskurs paßt weder zu seinen professionellen Kontrakten aus einer inakzeptablen offiziellen Marktreserve – seit Juscelino Kubitschek, von 1960 - noch zu seiner Architektur, der eine echte soziale Funktion fehlt“, betont Guedes. Der Hundertjährige habe in den letzten Monaten mehrere Staatsaufträge erhalten, darunter die Restaurierung des Präsidentenpalasts von Brasilia – was ihm, seinen Angehörigen, seinem Team Millionenhonorare einbringen werde. „Alles ohne Ausschreibung“, betont Guedes, „Niemeyer hat seine garantierte Marktreserve, braucht sich um Ausschreibungen, gar Mitbewerber nicht zu scheren.“ Derartige Staatsprojekte dienten Politikern und deren Anhang dazu, sich schamlos zu bereichern, stets sei viel Betrug im Spiel. „Ich habe keinerlei Möglichkeiten, all dies öffentlich zu machen – viele Intellektuelle Brasiliens schweigen über Niemeyer.“Während der Militärdiktatur war Guedes im französischen Exil, lehrte als Professor an der Universität von Strasbourg Architektur. „Brasilianische Intellektuelle gaben in Frankreich die Parole aus, wer hierzulande Niemeyer kritisiere, sei für das Militärregime. Man wollte auch von mir, daß ich den Mund halte und in meinen Uni-Vorlesungen nicht sage, was ich über Niemeyer denke. Ich antwortete diesen Figuren, ich werde mir meine intellektuelle Freiheit von euch nicht rauben lassen, werde mich diesem Druck, all diesen Pressionen nicht beugen.“ Guedes erinnert heute an Kurioses: “Oscar Niemeyer erhielt die höchsten, jemals an einen Architekten gezahlten Honorare just während der Militärdiktatur, weil ja vieles in der Hauptstadt Brasilia erst nach dem Putsch von 1964 fertiggestellt wurde. Für mich ist Niemeyer kein echter Architekt, weil er keine Ahnung vom Menschen, von der menschlichen Persönlichkeit hat.“

Unterdessen wird vereinzelt an Niemeyersche Fehlleistungen erinnert, darunter an die Probleme mit den halbhohen, nicht bis zur Decke hochgezogenen Wänden in über 500 öffentlichen Schulen Rio de Janeiros. Oder an fehlende Funktionalität in Regierungsgebäuden Brasilias, wo weder ein günstiger Lichteinfall noch eine ordentliche Belüftung bedacht wurden: “Wenn die Air Condition ausfällt, müssen die Staatsangestellten wegen der extremen Hitze und des Fehlens von Fenstern, die für Ventilation sorgen, nach Hause geschickt werden.“ Die Kulturkritikerin Lisandra Paraguassu hat sich in diesen Tagen solche Bauten Brasilias angesehen: „In Brasilia, das für seine besondere Helligkeit und ein mildes Klima bekannt ist, sind die Nutzer eines Großteils der Niemeyer-Gebäude dazu gezwungen, den ganzen Tag mit Klimaanlage und künstlicher Beleuchtung zu verbringen.“ Das betreffe immerhin den Nationalkongreß, die Bundesanwaltschaft, das neue Museum der Republik sowie einen Teil des Außenministeriums. Sylvia Ficher, Professorin für Architektur und Urbanismus an der Bundesuniversität von Brasilia:“Ich halte das für tragisch, gegen die Umwelt und eine sinnvolle Energienutzung gerichtet.“ Die Expertin erinnert daran, daß Brasilia-Architekt Lucio Costa ursprünglich vorhatte, kulturelle Gebäude Brasilias mit einem Wäldchen zu umgeben, damit die Leute dort Schatten suchen könnten, um nicht auf nacktem Beton heißer Tropensonne ausgesetzt zu sein. „Niemeyer hat das gar nicht gefallen. Er dachte, das Wäldchen würde seine Gebäude verdecken.“ All diese Fehlkonstruktionen seien sehr triste. Der bekannte brasilianische Umweltexperte Fabio Feldmann aus Sao Paulo erklärte während seiner Zeit als Kongreßabgeordneter über Brasilias Niemeyer-Bauten:“Hier sieht man überall, daß die Architektur von Oscar Niemeyer nicht funktional ist, schlecht in Bezug auf Komfort und inadequat in Bezug auf Belüftung und Beleuchtung. Seine Gebäude sind wunderbar für jenen, der sie von außen betrachtet, doch unbewohnbar, unangenehm, wenn man darin arbeiten, leben soll.“

Schlecht nur für Menschen? Ein Blick in etwas Fachliteratur, beispielsweise aus Europa, hätte Niemeyer davor warnen müssen, ein Gebäude wie Brasiliens Bundesanwaltschaft in der jetzigen Form zu entwerfen. Jeder einigermaßen ökologisch gebildete Schüler Mitteleuropas hätte Niemeyer gesagt, daß sein Entwurf die reinste Vogelfalle ist. Kurz nach der Einweihung im August 2002 fand man täglich getötete, stark verletzte Vögel direkt unter der kurvigen, wie ein Spiegel funktionierenden Total-Glasfassade, andere verendeten weiter entfernt. Unter den Opfern viele streng geschützte Arten, wie seltene Kolibris. Niemeyers naturfeindliches Werk sorgte für soviel Unruhe und Diskussion, daß schließlich eine Expertengruppe der Universität Brasilias gerufen wurde. In Europa, so hiesige Qualitätsmedien, pflanze man vor derartige Fassaden im Interesse des Naturschutzes hohe Bäume oder realisiere andere Lösungen gegen Vogelschlag. Miguel Marini, Leiter der Expertenstudie:“Die Leute von Architektur und Bau pflegen sich um mögliche Umweltschäden nicht zu kümmern. Die schauen nur auf die Ästhetik. Es fehlt einfach Verantwortungsbewußtsein bei der Planung.“

Ist die offizielle Liste der Werke Niemeyers komplett – oder fehlt da gewöhnlich einiges? Die über 500 Betonmonster-Schulen Rio de Janeiros werden häufig unterschlagen. Und wie die brasilianische Kunsthistorikerin Daniela Viana Leal herausfand, fehlen auch zahlreiche Kommerzbauten in und um Sao Paulo, weil diese im Widerspruch zu Niemeyers Diskurs über dessen eigene Architektur stünden. Laut Diana Viana Leal unterhielt Niemeyer in Sao Paulo ein Architekturbüro, dessen Existenz er heute abstreite. Die Kunsthistorikerin mußte daher nach dem Dementi Niemeyers mühselig und aufwendig alte Zeitungs-und Anzeigenarchive durchsuchen, um mehr über die sogenannte „fase renegada“ des Architekten zu erfahren. Architekturprofessor Paulo Bruna von der Bundesuniversität Sao Paulo charakterisiert mehrere lokale Bauten Niemeyers schlichtweg als „Fiasko, schlechte Projekte.“

Niemeyer lebt und arbeitet in der Scheiterhaufen-Stadt Rio de Janeiro - doch von etwaigen Protesten der letzten Jahrzehnte gegen jene “Microondas” und andere gravierende Menschenrechtsverletzungen beinahe vor dessen Haustür ist nichts bekannt.

Klaus Hart, Sao Paulo

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14. Dezember 2007

“Stararchitekt” Oscar Niemeyer und das Blutbad von Brasilia
Abgelegt unter: Allgemein | Klaus Hart um 14:42

Regisseur Vladimir Carvalhos “vergessener” Doku-Hit
Haben Sies gemerkt? Eine reife Leistung vieler europäischer Medien, auch zum hundersten Geburtstag Niemeyers die Sache mit dem Blutbad, dem Doku-Hit unter den Tisch fallen zu lassen. Man hat den Eindruck:  In bestimmten Blättern, manchen Feuilletonredaktionen, Verlagen und PR-Agenturen herrscht seit Jahrzehnten panische Angst vor dem Thema. Andernfalls wäre es erheblich schwieriger, den Mythos Niemeyer und die entsprechenden Brasilienklischees lukrativ zu schüren. Indessen existieren die Fakten: Der vielfach preisgekrönte brasilianische Dokumentarfilmer Vladimir Carvalho hörte von einem Blutbad, gar einem Massaker an protestierenden Bauarbeitern Brasilias von 1959, holte zahlreiche Zeitzeugen vor die Kamera, erhielt für den das erste Mal auf dem Brasilia-Filmfestival von 1990 gezeigten Streifen zahlreiche Auszeichnungen, sogar von der brasilianischen Bischofskonferenz CNBB, von der Kritikerassoziation Sao Paulos. Ich habe Carvalho exklusiv zu den Vorgängen beim Bau Brasilias interviewt, der von Oscar Niemeyer mitbeaufsichtigt wurde. Denn es gibt jene Heldensage, jenen regelrechten Mythos um die Errichtung der brasilianischen Hauptstadt, wonach der große Architekt immer nahe bei seinen geliebten Arbeitern war, im Staub der Savanne – alle ziehen an einem Strang, vollbringen das große Werk, schließlich zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.
Und es gibt viele widersprechende Darstellungen, darunter Carvalhos Dokumentarfilm „Conterraneos Velhos de Guerra“.
„Der Bauplatz von Brasilia war damals ein Wilder Westen“, sagt Carvalho, „alles mußte schnell gehen, die Fristen waren kurz. Entsprechend wurden die Arbeiter behandelt. Wie berichtet wird, gab es sogar verdorbenes Essen, wurde während eines Karnevals das Wasser des Bauarbeiterlagers abgestellt, um zu verhindern, daß diese sich waschen konnten, um danach in Nachbarstädten des Teilstaates Goias Karneval zu feiern. Eines Tages war das Essen wieder verdorben – das brachte das Faß zum Überlaufen. Die Arbeiter verloren die Geduld, warfen die Teller mit dem Essen aus dem Fenster, aus Protest. Da rief man die Bauplatzpolizei, die Guarda Especial de Brasilia, die sollte eingreifen. Die Arbeiter wehrten sich nach Kräften, schafften es sogar, die Bauplatzpolizei zurückzutreiben. Der Tag verging – doch nachts, als alle im Bauarbeitercamp schliefen, kam die Polizei erneut und feuerte mit Maschinenpistolen in das Lager. In Brasilien sagt man, das Volk übertreibt, aber erfindet nichts („O povo aumenta, mas nao inventa“). Das Volk könnte also die Vorfälle übertrieben geschildert haben – hat aber nichts erfunden, ging von einem konkreten Fall aus. So könnte man die Zahl der Ermordeten zu hoch angegeben haben. Im Film sagt einer – 30 Tote, ein anderer 60, wieder ein anderer 120, einer sogar etwa 500. Ich habe im Dokumentarfilm Positionen von Personen aneinandergereiht, die damals dabei waren, oder die Vorfälle mitbekommen hatten. Ich habe nichts bewiesen – der Film war ein Wort gegen alle, die heute sagen, es gab kein Blutbad. Und die in der Regel mit der damaligen Administration liiert waren, den damaligen Staatspräsidenten Juscelino Kubitschek loben. Es handelte sich damals um eine Repressalie gegen revoltierende Arbeiter. In Brasilia kann man heute noch Ältere, auch Taxifahrer von damals treffen, die davon berichten und klar sagen, ja, es gab diese Toten! Nur eine einzige Zeitung, „O Binomio“ aus Belo Horizonte, die in Opposition zur Kubitschek-Regierung stand, berichtete über eine Revolte von Bauarbeitern, die gewaltsam unterdrückt worden sei, daß es offenbar Tote gegeben habe. Wegen dieser Toten, wegen des ganzen Falles wurde Brasiliens erste Bauarbeitergewerkschaft gegründet. Es gab damals viele Unfälle. Viele Bauarbeiter fielen von den Gerüsten, Tote wurden rasch beseitigt, damit die Lebenden nicht die Lust verloren, der Bau in hohem Tempo fortgesetzt werden konnte. Zeugen sagten: Die Bauarbeiter konnten nur wenige Stunden schlafen, sich nur wenig ausruhen, mußten den Bau ja beenden. Die Arbeiter waren schlichtweg fix und fertig, deshalb kam es zu den Unfällen. Weil man eben die Sicherheitsbestimmungen stark gelockerte hatte.“
Vladimir Carvalho befragte für den Dokumentarfilm auch Oscar Niemeyer:“Ich ging zu ihm, weil ich dachte, er kennt die ganze Geschichte, kann alles bezeugen, kann bestätigen, was die anderen mir sagten. So wie die einfache Wäscherin. Am Tage des Massakers wollte sie den Arbeitern die sauberen Sachen ins Lager bringen, doch man ließ sie nicht hinein. Sie hob die Sachen ein ganzes Jahr lang auf – und als sie wußte, was da im Lager passiert war, hat sie die Sachen der Bauarbeiter an andere Leute verschenkt. Doch Oscar Niemeyer hat verneint, daß das Blutbad geschehen ist, er sagte, davon weiß ich nichts, davon habe ich noch nie etwas gehört. Er war ein großer Freund von Juscelino Kubitschek. Auch über die Arbeitsunfälle wollte Niemeyer nicht reden. Und heute will gleich gar keiner von den Leuten oben über die Vorfälle sprechen. Niemeyer wird jetzt hundert Jahre alt, niemand will ihn verärgern. Für dessen Biographie ist der Fall nicht gut.“
Carvalho befragte für den Film auch den Architekten Lucio Costa, der mit Niemeyer in Brasilia zusammenarbeitete. „Als ich Costa auf den Fall ansprach, sagte er mir, was willst du denn, das war der Bau einer Stadt, kein Duett tanzender Kavaliere.“
Laut Carvalho wurde zwar eine Untersuchung zu den Vorgängen gestartet, doch seien, wie es heiße, die Unterlagen verbrannt.
Gemäß den Aussagen eines Zeitzeugen im Film wurden die ermordeten Bauarbeiter dort verscharrt, wo heute in Brasilia der Fernsehturm steht. Einige hätten noch gelebt, als die Planierraupe über sie Erde geschoben habe.
1997 wurde in Brasilien das Buch „Conterraneos Velhos de Guerra“ herausgegeben, welches das gesamte Drehbuch sowie die Kritikerstimmen über den Dokumentarfilm enthält. Es liegt allen vor, die über Oscar Niemeyer und Brasilia schreiben, Ausstellungen, PR organisieren.  
Brasilia-Bauarbeiter, die damals dabei waren, findet man leicht – ich habe Wagner M.  2007 bei Sao Paulo auf das Blutbad angesprochen. Der erinnert sich sofort: „Ja, das ist damals tatsächlich passiert.“
Es heißt, bei Protesten, etwa gegen verdorbenes Essen, seien Hunderte von der Bauplatzpolizei erschossen worden? „Das gab es immer wieder, ich habe das gesehen, ich war Zeuge. Es war diese Bauplatzpolizei, die gemordet hat. Doch man konnte sie nicht anzeigen, alle hatten Angst vor ihr. Es gab Repression. Und wer gar etwas gesehen hatte und darüber offen redete – solche Zeugen wurden liquidiert. So war das damals in Brasilia.“
Im Drehbuch zum Dokumentarfilm, das im gleichnamigen Buch nachzulesen ist, sagen Arbeiter von damals, daß es keinen Arbeitsschutz gegeben habe, sich deshalb viele tödliche Unfälle ereigneten, die Leichen sofort weggeschafft wurden. Fiel einer vom Gerüst, liefen seine Kollegen rasch nach unten, wo er aufgeschlagen sein könnte – doch die Leiche war bereits nicht mehr da, wird berichtet.
Dann die Schilderungen über das „Massacre“ von 1959. „Es gab einen Protest gegen verdorbenes Essen, fehlendes Wasser, verspätete Lohnzahlungen…Das geschah so ungefähr am zweiten Tag des Karnevals…Man hat die aus dem Lager rausfahrenden LKWs gesehen - die Leute sagten, alle beladen mit Toten, die in Gruben bei Brasilia geworfen werden sollten…“
Architekt Lucio Costa wird befragt – hätte er damals Kenntnis von dem Blutbad gehabt, wie hätte er reagiert? „Ich hätte dem nicht die geringste Bedeutung gegeben. Keine. Das sind Episoden. Vom Gesichtspunkt der Errichtung dieser Stadt her, sind das Episoden ohne die geringste Bedeutung…Ich sehe kein Motiv, das zu dramatisieren.“
Zeitzeuge Heraldo: „ Ja, da sind viele Männer umgekommen. Wir haben auf die alle gewartet, aber keinen mehr gesehen. Zwei Tage später mußten wir wieder arbeiten – die Armee dabei mit Maschinengewehren, damit wir arbeiten. Denn der ganze Bau sollte eben nie stocken.“
Das Buch enthält zahlreiche Kritikerstimmen. Während des Karnevals von 1959 seien etwa 500 Bauarbeiter erschossen und an einem nie identifizierten Ort verscharrt worden – ein Fakt, der wie viele andere von den Autoritäten dieser Zeit vor der Öffentlichkeit versteckt worden sei, ist zu lesen. Präsident Kubitschek habe von dem Massaker gewußt, doch Lucio Costa und Oscar Niemeyer lehnten es ab, den Fall zu kommentieren. Was Lucio Costa sage, sei enttäuschend – was Oscar äußere, sei bedrückend. „Man lernt - unter den monumentalen Palästen von Brasilia liegen Kadaver, viele Kadaver.“
Ex-Bildungsminister Cristovam Buarque, heute Kongreßsenator, zählt zu den Qualitäten des Films die „Authentizität“.
Erinnert wird im Buch, daß der Streifen auf dem Festival des neuen lateinamerikanischen Films in Havanna den großen Preis der Jury erhalten hat. Brasiliens Presse, die Präsident Kubitschek unterstützte, habe das Massaker bewußt versteckt, auffällig sei, wie nervös sich im Film Oscar Niemeyer während seiner Äußerungen gebärde. „Übrigens – diese niederträchtige Episode wurde mit absoluter Scheinheiligkeit durch Zeitzeugen der Epoche verborgen, verheimlicht – allen voran durch Niemeyer“, schreibt die in Paris erscheinende Zeitung „Temoignage Chretien“.
Der Dokumentarfilm von Carvalho, so ein brasilianisches Blatt, sei die „Geschichte der Zerstörung von Mythen“. Demontiert würden Figuren wie Oscar Niemeyer – als „Architekt des Sozialen“. Nicht zufällig hätten sich Niemeyer und Costa stets geweigert, sich den Dokumentarfilm anzusehen.
Wie mir Vladimir Carvalho im Exklusivinterview sagte, befindet sich eine Kopie des Films im Centre Pompidou von Paris – mit dem Titel “Glanz und Elend von Brasília”.

Kurios zudem, daß in den Würdigungen zum hundertsten Geburtstag Niemeyers die über 500 öffentlichen Schulen Rio de Janeiros, die sogenannten CIEPS, im Grunde Niemeyers sozial bedeutendstes Hauptwerk, kaum oder gar nicht erwähnt werden. Der Schwarze Paulo Lins, Bestsellerautor und zudem Co-Regisseur des brasilianischen Streifens „City of God“, der auch in Deutschland erfolgreich lief, kennt indessen die CIEPs sehr genau von innen, hat in ihnen Unterricht gegeben.
Die progressive brasilianische Monatszeitschrift “Caros Amigos”, zu dessen ständigen Autoren auch der Befreiungstheologe Frei Betto und Landlosenführer Joao Pedro Stedile gehören, befragte Paulo Lins zu seinen Erfahrungen in Niemeyers Vorzeige-Schulen:  “Die Idee der CIEPs, also einer Schule, in der die Kinder den ganzen Tag bleiben, ist interessant. Doch die CIEPs sind entsetzlich(horroroso), Niemeyer möge mir verzeihen - das ist ein Projekt aus Zement und Eisen, grau. Die Klassenzimmer haben nicht einmal Wände bis zur Decke! Ich habe in diesen CIEPs Unterricht gegeben - es war meine schlimmste Zeit als Lehrer.”

Klassenzimmerwände nicht mal bis zur Decke – wie das denn?

Einfach mal bei Google nachforschen: Niemeyers Fehlleistungen - CIEP - ila - Brasilientexte

Klaus Hart

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10. Dezember 2007

Weg mit dem Presseausweis
Abgelegt unter: Allgemein | Sabine Pamperrien um 19:20

Dass der Presseausweis in der bisherigen Form längst ein Auslaufmodell war, hat Berliner Journalisten mehrfach geschrieben. Die aktuelle Entscheidung der Innenministerkonferenz war folgerichtig. Nun also gibt es den Presseausweis von 2009 an nur mehr ohne das krönende “by appointment of his majesty the Innenministerkonferenz”. War das Ding eigentlich je mehr als das Pendant zu Beamteneinkauf und Goldener Kundenkarte? Wir mussten uns ziemlich anstrengen, eine halbwegs praxisnahe Versuchsanordnung zu entwickeln, um die Bedeutung des Ausweises für die Ausübung des Berufs zu prüfen. Eine kleine, natürlich höchst subjektive Umfrage ergab nämlich zunächst, dass niemand sich daran erinnern konnte, jemals bei einer Recherche nach seinem Presseausweis gefragt worden zu sein. Aus den unterschiedlichen Erfahrungswelten destillierten wir dann den krassen Fall, den jeder gern zitiert. Wenn Staatsmacht und Pressefreiheit unversöhnlich aufeinander prallen und der Presseausweis unerlässlich ist für den Nachweis, dass der Ausweisinhaber ein Grundrecht wahrnimmt: an der Polizeiabsperrung. Bernhard Schadrowki von der Pressestelle der Berliner Polizei zog den Zahn. Die Beamten würden zwar auf die Presseausweise hingewiesen, Kernpunkt der Ausbildung sei jedoch die Bedeutung der Pressefreiheit. Und für deren Ausübung sei ein Presseausweis nicht nötig. Der sei zwar durchaus respektiertes Indiz und klar, es wirke bei vielen Beamten, wenn der Innenminister bürgt, aber als Ausschließlichkeitsmerkmal sei der Ausweis nicht anerkannt.  Und überhaupt: wenn es zwischen Journalisten und Beamten hake, werde gewöhnlich die Pressestelle kontaktiert - sofern nicht bereits einer der Mitarbeiter vor Ort sei. Gehen wir also davon aus, dass es selbst in diesen Bereichen in der Praxis etwas anders zugeht als am Reißbrett. Selbst die verlässliche Feindschaft zwischen Staat und Presse scheint gelegentlich nicht mehr das zu sein, was sie einmal war.

Dass die bisher privilegierten Verbände aufjaulen, ist verständlich. Ihnen drohen herbe Einnahmeverluste. Allerdings nur, wenn die bisherigen Rabattgeber nun abspringen und der Ausweis keine geldwerten Vorteile mehr bringt. Ansonsten bliebe der Ausweis ja erstebenswert. Wir fragen in den nächsten Tagen noch bei den großen Autoproduzenten nach, ob sich an der Vorlage des Presseausweises etwas ändern wird.

Das andere Argument “Qualitätssicherung” durch Bevorteilung hauptberuflicher Journalisten ist schlichtweg Quatsch und war immer Quatsch. Wäre die Berufsausübung wirklich an den Presseausweis gebunden, läge eine Beschränkung der Pressefreiheit vor. Dass nur hauptberufliche Journalisten gute Journalisten sein können, ist genauso unsinnig wie die These, dass nur gute Journalisten einen Presseausweis besitzen. Ob ich mal frech die These wage, dass eher schlechte einen haben wollen? Von sämtlichen Spekulationen abgesehen müsste konsequenterweise als erster Michael Konken seinen Ausweis zurück geben, da er nicht hauptberuflich als Journalist tätig ist. Man kann es drehen und wenden wie man will: das Ding ist zur Berufsausübung nicht notwendig und vorrangig Statussymbol und Rabattkarte. Die alteingesessenen Verbände sollten offen legen, wer überhaupt einen Presseausweis besitzt. Ich bin ziemlich sicher, dass wir da etwas zum Staunen bekommen werden. Aus geschäftlicher Sicht kommt doch vielleicht zukünftig ohne den altbackenen Segen der Innenminister auch mal eine Kooperation mit Paypal oder American Express in Betracht. Da sind ganz andere Renditen drin.

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7. Dezember 2007

Berliner Journalisten erscheint mit neuem Layout
Abgelegt unter: Magazin: Berliner Journalisten | admin um 00:31

Das neue Cover wurde vom Designer Oliver Reblin entwickelt

Berlin - Das unabhängige Medienmagazin Berliner Journalisten hat ein neues Layout. Die Neugestaltung des Titels mit der Unterzeile “Unabhängiges Medienmagazin für Deutschland” hebt nun noch deutlicher hervor, dass Berliner Journalisten nicht nur die Hauptstadt anspricht. Die Winterausgabe 2007 erscheint am 6. Dezember mit dem Themenschwerpunkt Modejournalismus.

Das Magazin zeigt exklusive Fotos von Wolfgang Joops neuer Wunderkind-Kollektion. Nike Breyer ergründet den kulturbildenden Aspekt von Mode. Oliviero Toscani erläutert im Interview den tieferen Sinn seiner Provokationen. Erstmals wird Deutschlands einflussreichster Modejournalist portraitiert: Peter Bäldle.

Mit Horst Seehofer sprach Berliner Journalisten über die Medienkampagne der letzten Monate. Im Gespräch mit dem Geschäftsführer des Verbandes der freien Berufe Arno Metzler wird der Blick auf die Interessenkonflikte zwischen freien und angestellten Journalisten geschärft. Klaus Hart berichtet über erschütternde Arbeitsbedingungen investigativer Journalisten in Brasilien.

Berliner Journalisten erscheint seit November 2004 bundesweit als unabhängiges Medienmagazin unter der Herausgeberschaft von Bettina Schellong-Lammel im Verlag Berliner Journalisten. Chefredakteurin ist seit dem 1. Oktober 2007 Dr. Sabine Pamperrien. Das Titelfoto fotografierte Edith Held. Das Coverdesign hat Oliver Reblin entwickelt.

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Aktuelles Heft Nr. 4-2010
Titelthema:
Mobilität

Titelfoto: Denis Balibouse/ Solar Impulse, Alex Häsler
Fotomontage: Lammel/Reblin







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