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7. Januar 2008

Die bessere Frau Montgomery?
Abgelegt unter: Medien | Herausgeberin um 22:37

Zum Auftakt der Medienwoche am 29.8.07 sprach der umstrittene Medien-Investor David Montgomery über die Zukunft der Verlage in Deutschland. Unmittelbar nach ihm trat die Intendantin des rbb, Dagmar Reim, ans Mikrofon. Frau Reim sagte, sie sei sehr traurig, dass Montgomery den Saal so schnell verlassen hätte. Sie hätte ihm gern etwas ins Stammbuch geschrieben - z.B. dass, seit er die Berliner Zeitung gekauft hätte, zig Redakteure ihren Job verloren hätten und dass ein solcher Kahlschlag die Medienlandschaft sehr viel ärmer machten würde.

Ich wunderte mich damals schon über die forsche Aussage, weil mir noch sehr gut in Erinnerung war, wie viele Mitarbeiter durch einen “Zielstellenplan” bei der Fusion von ORB und SFB ohne Job auf der Straße standen - unter der Intendanz von Dagmar Reim (http://tinyurl.com/2fjhgu). Das betraf nach der berüchtigten “Dienstanweisung” vor allem die Freien und weitaus mehr Redakteure als Kollegen, die bei der Berliner Zeitung entlassen wurden. Nur der “Zielstellenplan” - welch spöttische Vokabel für das Geschehen - spielte sich nicht in der Privatwirtschaft ab, sondern im öffentlich-rechtlichen Raum. Um nicht missverstanden zu werden: Es gibt keinen Grund, Entlassungen für gut zu befinden - wo auch immer sie ausgesprochen werden. Ich gebe Frau Reim recht in ihrer Kritik an Montgomery, dass in solchen Fällen immer auch ein Stück Qualität verloren geht.

Ich hatte die Sache schon fast vergessen, als sie mir am Samstag ins Gedächtnis zurückgerufen wurde - in der Sendung Medienmagazin auf Radioeins vom 5.1.08.
Jörg Wagner interviewte die Intendantin des rbb, Dagmar Reim, und die gab bereitwillig Auskunft, dass es bis 2009 im rbb weitere 300 Entlassungen geben könnte - weil der rbb erneut weniger Geld aus dem Gebührentopf bekommen würde. Trotzdem wäre der rbb auf einem guten Weg, denn der strikte Sparkurs der letzten Jahre zeige Erfolge. Für mich stellt die Intendantin mit dieser Aussage den Heuschreckenverleger in den Schatten und ich frage mich: Ist Frau Reim eine bessere Frau Montgomery?

Als Rezept für die Zukunft pries die Intendantin das”bimediale System” (http://www.kef-online.de/inhalte/bericht15/anlage6.html) . Schon Radio Bremen ist glücklich über dieses Zukunftsmodell - alle machen alles. Und alles gehört dem Sender, vor allem auch die Zweitverwertungsrechte der Freien. Radioleute produzieren Fernsehen, TV-Wirtschaftsjournalisten machen dann gelegentlich Kultur im Radio. Jörg Wagner mühte sich redlich ab, um zu erfahren, was denn nun der Sinn des “bi-medialen Systems” sei und fragte immer wieder nach den vermeintlichen Vorteilen. Frau Reim blieb den Hörern die Antworten schuldig, aber beteuerte immer wieder, dass es kein Sparmodell sei. Was ist es denn? Wahrscheinlich ist es so innovativ wie der “Selbstfahrerbetrieb” beim rbb. Drei Wellen (88acht, kulturradio und radiomultikulti) wurden dahingehend umgestellt, dass der Moderator auch die Studiotechnik bedient. Schöne digitale Zukunft!

Bettina Schellong-Lammel

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Titelthema:
Mobilität

Titelfoto: Denis Balibouse/ Solar Impulse, Alex Häsler
Fotomontage: Lammel/Reblin







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