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14. Januar 2008

Der brasilianische Bischof und die deutschsprachigen Medien
Abgelegt unter: Ausland, Medien | Klaus Hart um 01:37

Nehmen wir mal an, ein deutscher Bischof tritt zur Bewahrung der Schöpfung in den Hungerstreik, will damit beispielsweise gegen die bewußt, absichtlich und sogar mit politischem Willen betriebene Natur-und Artenvernichtung im Lande protestieren. Oder dagegen, daß in Ostdeutschland nach dem Anschluß durch veränderte sozialpolitische Bedingungen aus der zuvor positiven Bevölkerungsentwicklung eine kraß negative wurde, die Geburtenzahl stark zurückging. Dem Bischof wäre ein immenses Medieninteresse, Berichterstattung rund um die Uhr sicher. Ganz anders lief es jetzt, als in der Einen Welt, in Brasilien der Franziskanerbischof Luiz Flavio Cappio bis kurz vor Weihnachten einen 24-tägigen Hungerstreik gegen ein gigantisches, milliardenteures und umweltfeindliches Flußumleitungsprojekt führte. Und dabei von den brasilianischen Sozial-und Umweltbewegungen, den Landlosen, Indianern aktiv unterstützt wurde.

„Der brasilianische Staatschef Lula hat es fertiggebracht, daß die nationalen Medien fast nichts über den Hungerstreik berichteten“, sagte der Schweizer Entwicklungsexperte Renè Scherer in Nordostbrasilien gegenüber dem Redaktionsblog. „Die brasilianische Presseberichterstattung war katastrophal. Auch die großen Zeitungen der Ersten Welt brachten so gut wie nichts. Druck von außen hat völlig gefehlt. Die internationale Mobilisierung für Bischof Cappio und dessen Ziele war schwach – ausländische NGO haben sich nur sehr wenig eingeschaltet.“ Das galt auch für Deutschland - Alibi-NGOs versendeten wie üblich ihre Alibi-Presseerklärungen, von echter Solidarität kaum eine Spur.

Wie durchgesickert war, hatte die Lula-Regierung durch Druck auf die Medienbosse, die durchweg in Privathand befindlichen Medienunternehmen erreicht, daß in der Tat zuerst kaum oder gar nicht über den Hungerstreik und die Argumente Cappios berichtet werden durfte, die wichtigen TV-Nachrichtensendungen Cappio-frei gehalten wurden. „Unsere Fernsehstationen brauchen die Gewinne aus den vielen Propagandaspots der Regierung, gerade in den populären TV-News“, erläuterte mir Ruben Siqueira von der katholischen Bodenpastoral, ein Berater des Bischofs. Deutsche Fernsehzuschauer dürften sich in Brasilien, der größten Demokratie Lateinamerikas, wundern: Nicht nur die TV-Nachrichten werden  alle paar Minuten von Regierungspropaganda, aber auch von Propaganda der Teilstaats-und Stadtverwaltungen unterbrochen – fast durchweg vom Steuerzahler finanziert. Man stelle sich dies in Deutschland vor.

Der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Dimas Lara Barbosa, wies auf die bezeichnende – und geradezu atemberaubende – Desinformation über das Regierungsprojekt,  die Protestaktion Cappios. Die große Mehrheit der Brasilianer habe nicht einmal gewußt, warum sich der Bischof im Hungerstreik befinde. Das ist nicht nur auf Mediensteuerung, sondern auch auf die hohe Analphabetenrate und das insgesamt niedrige Bildungsniveau zurückzuführen. Nicht einmal dreißig Prozent der Brasilianer sind laut seriösen Studien in der Lage, eine simple Buch-oder Zeitungsseite zu lesen und zu verstehen.

Indessen hatte der Druck auf die anzeigenabhängigen Privatmedien viele der dortigen Journalisten offenbar verärgert, in ihrer Berufsehre getroffen. Überraschendes Resultat: Nach dem Abbruch der Aktion – Bischof Cappio hatte einen Schwächeanfall erlitten, war ohnmächtig geworden – publizierten gerade die brasilianischen Qualitätszeitungen  soviel gutfundierte Kritik an dem Umleitungsprojekt wie nie zuvor – der anfangs verlachte, verhöhnte Cappio wurde Sympathieträger. Unterdessen hat in Nordostbrasilien das Militär ungeachtet öffentlicher Proteste den Bau der heftig umstrittenen Umleitung des Rio Sao Francisco wiederaufgenommen.

Franziskanerbischof Cappio kündigte deshalb neue Protestaktionen der nationalen Sozialbewegungen an. „Der Kampf geht weiter.“ Die Regierung von Staatschef Luis Inacio Lula da Silva sei ausgerechnet gegenüber jenen gesellschaftlichen Gruppen „total unsensibel“, die seinen Wahlsieg garantierten. Der Dialog mit dem Volk werde verweigert. „Leben wir in einer Diktatur?“ Lulas Anti-Hunger-Programm verteile nur „Almosen“ und halte das Volk in Abhängigkeit. Die Eliten sind indessen mit Lula sehr zufrieden – letztes Jahr stieg die Zahl der (Dollar-)Millionäre um 60000, während die Slums auffällig rasch weiter wachsen.  

„Lula ist tot“, sagt Bischof Cappio. „Wir haben eine Regierung Inacio da Silva. Die Sozialbewegungen wurden erdrückt, verloren Artikulierungsmöglichkeiten, sehen sich heute an den Rand gestellt.“ Die hohen Umfragewerte für Lula kämen zustande, weil das in Armut und Misere lebende Volk Brasiliens hinter einem Präsidenten herrenne, der Almosen gebe.

Staatschef Lula blamierte sich mit seiner Empfehlung an Cappio, Vernunft anzunehmen und sich nicht in technische Fragen einzumischen, von denen er nichts verstehe. Denn just für die technisch-wirtschaftlichen Details der Flußumleitung interessiert sich die neugierig, aufmerksam gewordene Öffentlichkeit mehr denn je und entdeckt zunehmend Schwachstellen der Regierungspropaganda. Laut Lula sollen 12 Millionen Arme in Dürreregionen durch das Projekt endlich Trinkwasser erhalten. Doch auch Befreiungstheologe Leonardo Boff nennt dies falsch – über neunzig Prozent der umgeleiteten Wassermassen seien schließlich für Industrie und Export-Landwirtschaft bestimmt, nur fünf Prozent für bedürftige Menschen. Zudem fehle in jenen Regionen gar kein Trinkwasser, regne es mehr als in Frankreich, müsse Wasser nur sinnvoll gespeichert und verteilt werden.

„Bischof Cappios Hungerstreik-Aktion war siegreich – denn die brasilianische Gesellschaft wurde gezwungen, über die Nordostregion zu diskutieren.“ Ex-Innenminister Joao Alves Filho argumentiert wie Boff: Wasser gebe es im Nordosten überreichlich, Brasilia sage nicht die Wahrheit. Die Umleitung könne zum „Tod“ des Rio Sao Francisco führen – nur 700000 Menschen würden tatsächlich Trinkwasser erhalten. Zusätzlich ärgerlich für die Lula-Regierung, daß selbst der derzeit populärste Film-und TV-Schauspieler Wagner Moura(Berlinale-Wettbewerbs-Streifen „Tropa de Elite“, Globo-Telenovela „Paraiso Tropical“) in der Öffentlichkeit Cappio und dessen Ziele unterstützt. Mouras Kollegin Leticia Sabatella, ebenfalls Publikumsliebling, besuchte den hungerstreikenden Cappio, nennt in den Medien die Umleitung, Lulas Entwicklungsmodell „neocolonial“.

„Lula hat Cappio direkt angelogen, indem er einen gesellschaftlichen Dialog versprach – das gesamte Projekt basiert nur auf Lügen“, betont der Schweizer Renè Scherer. In Wahrheit zähle der Bau eines Stahlwerks im überflüssigen, derzeit nur zu 30 Prozent ausgelasteten Nordost-Hafen Pecem zu den wichtigen Gründen der Flußumleitung. „Die Steinkohle soll aus China herangeschafft werden – absurder gehts nimmer.“ Für das Stahlwerk eines italienisch-südkoreanischen Konsortiums habe Lula Subventionen versprochen. Das Werk werde ausgerechnet auf einem schönen Strand errichtet. „Brauchte man das Wasser nicht für Stahlwerk, Export-Landwirtschaft und Krabbenzucht, wäre die Umleitung unnötig.“ Denn genügend Trinkwasser sei in der Region vorhanden, werde bisher jedoch falsch verteilt oder vergeudet. Allein in der Küstenstadt Fortaleza, mit etwa soviel Einwohnern wie Berlin, geht rund die Hälfte des Trinkwassers auf dem Weg zu den Nutzern verloren.

Laut Scherer besitzt Brasilien ein vorbildliches Gesetz, das den seit zehn Jahren bestehenden öffentlichen Verbraucherkomitees der Trinkwasser-Einzugsgebiete die Entscheidungsbefugnis über Wasserprojekte, das Wassermanagement überträgt. „Lula hat die Komitees einfach übergangen – das ist ein Schlag gegen die Demokratie!“ Allein wegen der Position des Komitees vom Rio Sao Francisco dürfte die Umleitung eigentlich gar nicht realisiert werden.

Die von der katholischen Kirche, der Caritas Brasilien geförderten 220000 Zisternen zum Auffangen von Regenwasser hätten sich bewährt und seien eine der Alternativen zur Flußumleitung.
Für die Qualitätszeitung „O Estado de Sao Paulo“ preist der Staatschef sein milliardenteures Projekt lediglich mit „abgedroschenen Sprüchen“. „Die brasilianische Gesellschaft muß den Bau bezahlen und hat daher das Recht, klare Antworten zu fordern.“

Klaus Hart, Sao Paulo

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13. Januar 2008

Schreckensvision Google löst Big Brother Bill ab
Abgelegt unter: Medien | Sabine Pamperrien um 18:08

Es ist schon lustig. Da gibt es (zu Recht!) gewaltige Proteste gegen die Vorratsdatenspeicherung. Aber die netten kleinen kommerziellen Attacken aus dem Internet auf die Privatsphäre finden kaum noch Beachtung. Bei den Nachrufen auf Bill Gates bei seinem Abschied ins Rentnerleben hatte ich bereits vermisst, das nicht an die Abseiten seiner weltumspannenden Erfindung erinnert wurde: schon bei der ersten Internetverbindung aller Zeiten mit Microsoft-Tools warnten Computer-Fexe vor den Hintertüren, durch die Big Brother Bill ausforschen konnte, wer denn so mit nicht lizensierter Software unterwegs war. Es gab damals auch Stimmen, die behaupteten, Bill wolle die Weltherrschaft - was einige Zeit lang durchaus nicht als abwegig erschien. Die Möglichkeiten des Internet zur Registrierung von Datenspuren wurden zwar bisher eher zur Speicherung des Surfverhaltens in Online-Buchshops oder der Vernetzung in Social Networks sichtbar, das bloße Vorhandensein der Möglichkeit völliger Transparenz und deren kommerzieller Nutzung sollte aber weiter genauso alarmierend sein wie die staatliche Neugier. Nur am Rande - weil in der vergangenen Woche bei der DJV-Diskussion die vermeintlichen Medien-Traditionalisten so heftig auf die Online-Avantgarde prallten: anti-elitär oder egalitär ist das Internet schon längst nicht mehr. Zum einen gibt es den Digital Divide, zum anderen aber immanent hierarchische Strukturen u.a. durch Suchmaschinen.

Die Schweizer Wochenzeitung hat eine Beilage zu Google publiziert. Hier der Vortext des Hefts, dass als pdf herunter geladen werden kann. http://www.woz.ch/google.html 

George Bush ist wohl doch viel besser informiert, als unsereins zugeben mag. Er bewies seine tieferen Einsichten in die Internet-Technologie mit dem Hinweis auf seine Kenntnis von “the Google”. Ob das Weiße Haus an Plänen arbeitet, wie man ins Internet einmarschiert, um dort demokratische Bürgerrechte zu verwirklichen?

Der dienstbare Spion

Suchmaschinen suchen. Und finden, kein Zweifel, beeindruckend rasch und viel. Doch gerade die Unmenge im Internet gefundener Information macht ein zweites Funktionsmerkmal umso wichtiger: Suchmaschinen sortieren, und sie entziehen Dinge unserer Wahr-nehmung (und zwar alles ab der dritten Ergebnisseite). Wir sind angewiesen auf Suchmaschinen, um uns zurechtzufinden in der digitalen Parallelwelt. Doch Suchmaschinen sind längst mehr als blosse Orientierungshilfen in dieser «Informationswelt», sie gestalten sie (und unseren Umgang mit ihr) in erheblichem Masse mit. Google hat den Königsweg durch diese Informationsland-schaften gefunden. Schätzungsweise drei Viertel aller Suchanfragen weltweit laufen über den Branchenprimus. Um die Vormacht-stellung zu behaupten, um, wie das Unternehmen behauptet, den NutzerInnen immer bessere Treffer zu liefern, hamstert Google alle möglichen User-Informationen, und zwar längst nicht mehr nur auf dem Suchportal. Tatsächlich häuft Google so das Kapital der Zukunft an: Über die NutzerInnen (das heisst KonsumentInnen) Bescheid zu wissen, verschafft den entscheidenden Überblick im Marktgewühl. Wissen ist Macht, und zwar vor allem ökonomische. Die Visionen aus dem Hause Google klingen dementsprechend unheimlich: Die Suchmaschine der Zukunft soll so etwas wie der beste Kumpel der NutzerInnen werden, ein digitaler Bruder, der Einblick hat in intimste Winkel der Privatsphäre. Googles Erforschung der perfekten Suche ist eigentlich die Erforschung der User: Um genau zu wissen, was du brauchst, muss ich zuerst wissen, wer du bist. 

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11. Januar 2008

Hinter den Bergen bei den sieben Müllmännern
Abgelegt unter: Medien | Sabine Pamperrien um 15:50

Was war das denn? Ich hatte es geahnt. Von wegen Mutter aller Diskussionen. Keiner der Teilnehmer hat die Zeit seit den polemischen Attacken von Konken, Graff und Schirrmacher im letzten Jahr genutzt, seine Argumentation sachlich zu fundieren. Viele professionelle Phrasen, wenig Inhalt.

Es lohnt sich kaum, über dieses Aufeinanderprallen vorgefertigter Meinungen und gegenseitigen Unverständnisses nachzudenken. Verschenkt. Ich finde, von allen Seiten. Da wurde nicht nur durcheinander sondern gleichzeitig noch aneinander vorbei geredet. Es gelang nicht einmal, klar zu machen, worüber überhaupt geredet wurde. Online-Journalismus? Blogs? Foren? Qualität? Gefühlte Stimmen des Volkes? Basisdemokratie? Elite? Jeder Blogger Journalist? Authentizität? Ästhetik? Müll ist Müll ist Müll…

Vielleicht sollten zukünftig nicht die Protagonisten eines schon öffentlich ausgetragenen Streits zum Gespräch versammelt werden, sondern ein paar weniger emotionalisierte Geister mit professioneller Distanz. Der Livestream war technisch auch nicht gerade auf der Höhe der Zeit. Aber als der Mitschnitt dann funktionierte, war das Bier schon offen und am Schreibtisch wurde es richtig gemütlich!

Eine Linkliste zu Kommentaren findet sich hier:

http://www.onlinejournalismus.de/2008/01/11/djv-qualitaetsdiskussion-niveau-einer-christiansen-sendung/ 

Sabine Pamperrien 

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10. Januar 2008

Onlinejournalisten wurden schon immer diskriminiert
Abgelegt unter: Medien | Sabine Pamperrien um 12:29

Heute Abend findet nun also die Mutter aller Diskussionen zum Thema journalistische Qualität im Internet statt:

Wir sind schon sehr gespannt. Ob meine Fragen Antworten erhalten? Mich interessiert beispielsweise, ob die strikten Zensur-Maßnahmen gegen Alan Posener bei Welt online Schule machen sollen. Lex Diekmann als Quantensprung zur Qualitätssicherung im Internet, das wär doch mal was! Ansonsten wüsste ich natürlich gern auch die Links zu den berüchtigten Blogs von Journalisten, deren ”Müll” ins Kröpfchen expediert werden soll.  

Die andere Frage ist: Geht es bei dieser speziellen Diskussion vielleicht weniger um Qualität als um die Verteidigung von Privilegien einer Kaste, die von ihrer Deutungshoheit nicht abgeben will? Wir werden sehen, wie das Gespräch heute abend angelegt wird. Dass Thomas Knüwer Michael Konken eins auf die Mütze geben will und bestimmt auch vice versa, wird im Markt nicht viel bewegen, wage ich zu prophezeien.  Vielleicht sollte man weg von der emotionalen Debatte. Ich setze sehr auf Donsbach. Aber schaun mer mal!

Mir ist aus meiner Zeit als feste Freie in der damaligen BTX-Redaktion des Tagesspiegel (Ja! So fing “online” an!) in Erinnerung, dass wir erst als letztes Ressort und gnadenhalber den Raum mit Rezensionsexemplaren betreten durften, die an Nikolaus an die Belegschaft verschenkt wurden. Das war glattes Kastendenken in der streng hierarchischen Redaktion. Von wegen “Online first”. Imagemäßig hieß es schon damals: “online last”. Wir galten mit unserer kleinen Komplettredaktion als Spinner und halbe Hähne. Alle vor uns schleppten dicke, gebundene Romane und luxuriöse Bildbände ab. Unsereins blieben nur Broschüren, langweilige Taschenbücher und die unfrohen Sachbücher. Fast wären wir sogar ganz leer ausgegangen. Als wir vier bescheiden den Raum betraten, in dem die Bücher sich stapelten, meckerte ein Mitglied der Printredaktion, das gerade zum dritten oder viertenmal zum Einsacken gekommen sein musste (sein Ressort war als eins der ersten dran gewesen):  ”Was haben die denn hier zu suchen?”

Sabine Pamperrien

http://linkszeitung.de/content/view/157945/55/

DJV: Journalistische Blogs
brauchen Qualitätsstandards
Berlin (LiZ). Online-Medien und journalistische Weblogs brauchen klar umrissene journalistische Grundregeln, vergleichbar dem Pressekodex für Zeitungen und Zeitschriften. Dafür spricht sich der Deutsche Journalisten-Verband aus. “Ebenso wie Zeitungen, Zeitschriften, Radio und Fernsehen sind Online-Medien auf die Akzeptanz der User angewiesen”, sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Sie sei auf Dauer nur durch Wahrhaftigkeit der Information, kritische Recherche und zuverlässige Berichterstattung erreichbar. Die Betreiber von journalistischen Internetforen und Blogs stünden in der Verantwortung, die journalistischen Grundregeln anzuwenden. Konken: “Hier geht es nicht um Stilfragen, sondern um Qualität.” 

Der Qualitätsjournalismus im Internet steht auch im Mittelpunkt der DJV-Podiumsdiskussion “Regeln oder Anarchie? - Journalismus im www” am morgigen Donnerstag ab 19.00 Uhr im Automobilforum Unter den Linden in Berlin. Unter der Moderation des Reuters-Journalisten Alexander Fritsch diskutieren Hans-Ulrich Jörges vom Stern, Prof. Dr. Wolfgang Donsbach von der Universität Dresden, Thomas Knüwer vom Handelsblatt-Blog, der Blogger Don Alphonso, Michaela May von N 24, Björn Sievers von Focus online und DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Die Diskussion ist bereits ausgebucht, kann aber live im Internet unter www.djv.de/livestream ab 19.00 Uhr bis zum vorgesehenen Ende gegen 21.00 Uhr verfolgt werden.

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9. Januar 2008

Besuch beim Lehrstuhl “Marxistischer Journalismus”
Abgelegt unter: Ausland, Medien | Sabine Pamperrien um 15:46

Edward Cody hat sich in Peking für die Washington Post die Journalistenausbildung an der Tsinghua University angesehen. Gute alte Schule!

For China’s Journalism Students, Censorship Is a Core Concept

http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2007/12/30/AR2007123002312.html?nav=rss_world/asia 

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8. Januar 2008

Qualität im Internet
Abgelegt unter: Medien | Sabine Pamperrien um 10:52

Es geht! Und wie es geht!

Die vom perlentaucher und signandsight initiierte internationale Debatte über den Islam in Europa

http://www.perlentaucher.de/artikel/3642.html

hat nicht nur zahlreiche internationale Medien  - vorwiegend Printtitel - zu Reaktionen inspiriert.

http://www.perlentaucher.de/artikel/3710.html 

Die Texte erschienen im Herbst bei Suhrkamp in Buchform und werden auf der aktuellen Sachbuch-Bestenliste der SZ auf Platz 3 geführt!

Thierry Chervel (Hrsg.); Anja Seelinger (Hrsg.):

Islam in Europa. Eine internationale Debatte

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 3518125311
Paperback, 227 Seiten, 10,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben und mit einem Vorwort von Thierry Chervel und Anja Seeliger. Wen soll der Westen unterstützen: gemäßigte Islamisten wie Tariq Ramadan oder islamische Dissidenten wie Ayaan Hirsi Ali? Der französische Philosoph Pascal Bruckner sorgte Anfang 2007 für Aufsehen, als er in einer polemischen Streitschrift den vermeintlichen liberalen Konsens im Umgang mit dem Islam attackierte. Beweglicher und schneller, als das in den traditionellen Medien möglich gewesen wäre, entwickelte sich auf den Seiten der Internetplattformen perlentaucher.de und signandsight.com eine kontroverse Debatte, die den aktuellen Stand der Diskussion um Multikulturalismus in Europa markiert - und darüber hinausweist.

Etwas weniger Medien, dafür umso mehr Leben:

Genauso gegenläufig wie die Schlüsse, die dieser Erfolg angesichts der gegenwärtigen Kahlschlagpolemik gegen Online-Journalimus zulässt, ist das zweite Buch auf Platz 3 der aktuellen Bestenliste. Es erzählt die wahre Geschichte einer lebenslangen Ehe voller Liebe. Eine wunderschöne Facette unter all den Möglichkeiten. Lesenswert!!!

Andre Gorz:

Brief an D.

Geschichte einer Liebe

Rotpunktverlag, Zürich 2007
ISBN 3858693537
Gebunden, 100 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. “Du wirst zweiundachtzig. Du bist sechs Zentimeter kleiner geworden, du wiegst nur noch fünfundvierzig Kilo, und immer noch bist du schön, graziös und begehrenswert. Seit achtundfünfzig Jahren leben wir nun zusammen, und ich liebe dich mehr denn je. Wieder trage ich eine verzehrende Leere in meiner Brust, die einzig die Wärme deines Körpers an dem meinen auszufüllen vermag.”
So beginnt diese “Geschichte einer Liebe”, verfasst vom 83-jährigen Philosophen und Sozialtheoretiker Andre Gorz in Form eines langen Briefes. Er rekapituliert die 58 Jahre des Zusammenlebens mit D., einer Engländerin, die er 1947 in Lausanne kennen gelernt hatte und die dann seine Frau wurde. Wäre ihm und D. wundersamerweise ein zweites Leben beschieden, schreibt Gorz am Schluss seines Briefes, würden sie es wieder zusammen verbringen.
Entstanden ist ein Rückblick der ganz besonderen Art auf ein gutes halbes Jahrhundert philosophisch-politischer und publizistischer Arbeit, bei der D. ihm immer zur Seite stand. Doch ganz am Anfang dieses Rückblicks steht auch die Frage: “Warum nur bist du in dem, was ich geschrieben habe, so wenig präsent, während unsere Verbindung doch das Wichtigste in meinem Leben gewesen ist?”

Andre Gorz und seine Frau Dorine nahmen sich am 27.9.2007 gemeinsam das Leben. Gemeinsam leben und sterben - wie Philemon und Baucis. Das galt einmal als Geschenk der Götter.

Sabine Pamperrien

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7. Januar 2008

Die bessere Frau Montgomery?
Abgelegt unter: Medien | Herausgeberin um 22:37

Zum Auftakt der Medienwoche am 29.8.07 sprach der umstrittene Medien-Investor David Montgomery über die Zukunft der Verlage in Deutschland. Unmittelbar nach ihm trat die Intendantin des rbb, Dagmar Reim, ans Mikrofon. Frau Reim sagte, sie sei sehr traurig, dass Montgomery den Saal so schnell verlassen hätte. Sie hätte ihm gern etwas ins Stammbuch geschrieben - z.B. dass, seit er die Berliner Zeitung gekauft hätte, zig Redakteure ihren Job verloren hätten und dass ein solcher Kahlschlag die Medienlandschaft sehr viel ärmer machten würde.

Ich wunderte mich damals schon über die forsche Aussage, weil mir noch sehr gut in Erinnerung war, wie viele Mitarbeiter durch einen “Zielstellenplan” bei der Fusion von ORB und SFB ohne Job auf der Straße standen - unter der Intendanz von Dagmar Reim (http://tinyurl.com/2fjhgu). Das betraf nach der berüchtigten “Dienstanweisung” vor allem die Freien und weitaus mehr Redakteure als Kollegen, die bei der Berliner Zeitung entlassen wurden. Nur der “Zielstellenplan” - welch spöttische Vokabel für das Geschehen - spielte sich nicht in der Privatwirtschaft ab, sondern im öffentlich-rechtlichen Raum. Um nicht missverstanden zu werden: Es gibt keinen Grund, Entlassungen für gut zu befinden - wo auch immer sie ausgesprochen werden. Ich gebe Frau Reim recht in ihrer Kritik an Montgomery, dass in solchen Fällen immer auch ein Stück Qualität verloren geht.

Ich hatte die Sache schon fast vergessen, als sie mir am Samstag ins Gedächtnis zurückgerufen wurde - in der Sendung Medienmagazin auf Radioeins vom 5.1.08.
Jörg Wagner interviewte die Intendantin des rbb, Dagmar Reim, und die gab bereitwillig Auskunft, dass es bis 2009 im rbb weitere 300 Entlassungen geben könnte - weil der rbb erneut weniger Geld aus dem Gebührentopf bekommen würde. Trotzdem wäre der rbb auf einem guten Weg, denn der strikte Sparkurs der letzten Jahre zeige Erfolge. Für mich stellt die Intendantin mit dieser Aussage den Heuschreckenverleger in den Schatten und ich frage mich: Ist Frau Reim eine bessere Frau Montgomery?

Als Rezept für die Zukunft pries die Intendantin das”bimediale System” (http://www.kef-online.de/inhalte/bericht15/anlage6.html) . Schon Radio Bremen ist glücklich über dieses Zukunftsmodell - alle machen alles. Und alles gehört dem Sender, vor allem auch die Zweitverwertungsrechte der Freien. Radioleute produzieren Fernsehen, TV-Wirtschaftsjournalisten machen dann gelegentlich Kultur im Radio. Jörg Wagner mühte sich redlich ab, um zu erfahren, was denn nun der Sinn des “bi-medialen Systems” sei und fragte immer wieder nach den vermeintlichen Vorteilen. Frau Reim blieb den Hörern die Antworten schuldig, aber beteuerte immer wieder, dass es kein Sparmodell sei. Was ist es denn? Wahrscheinlich ist es so innovativ wie der “Selbstfahrerbetrieb” beim rbb. Drei Wellen (88acht, kulturradio und radiomultikulti) wurden dahingehend umgestellt, dass der Moderator auch die Studiotechnik bedient. Schöne digitale Zukunft!

Bettina Schellong-Lammel

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5. Januar 2008

Sturmgeschütz mit kalkulierter Ladehemmung
Abgelegt unter: Medien | Sabine Pamperrien um 17:20

Eine schicke Absprache machte Johannes B. Kerner soeben publik. Im Interview mit der SZ erzählte er Christopher Keil:

„Die Geschäftsbeziehung zum Spiegel-Verlag ist von der Öffentlichkeit überbewertet. Tatsächlich gibt es kein Patt, sondern eine Absprache, die ich sehr hanseatisch finde. Sie lautet: Der, mit dem man Geschäfte macht, sollte nicht gleichzeitig Gegenstand positiver und negativer Berichterstattung sein. Sie und Ihre Kollegen würden immer mutmaßen, dass hinter dieser positiven oder jener negativen Kritik ein tieferer Sinn steckt. Umd dem aus dem Weg zu gehen, hat Stefan Aust die weise Bitte geäußert, es so zu handhaben.“

DWDL und Kölner Stadtanzeiger haben sofort nachgefragt. Hier die lesenswerten Texte der Kollegen: 

http://www.dwdl.de/article/news_14046,00.html

http://www.ksta.de/html/artikel/1195817005936.shtml

Auf den SPIEGEL werden wir wohl ein Auge haben müssen ;-)

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3. Januar 2008

Konzert für die Pressefreiheit - Anlass: Nigeria
Abgelegt unter: Veranstaltungen und Termine | Sabine Pamperrien um 12:42

Im aktuellen Heft nahm Heinrich Bergstresser das Vorgehen der nigerianischen Polizei gegen die beiden Dokumentarfilmer Andy Lehmann und Florina Opitz zum Anlass, uns einen Hintergrund zu Nigeria zu schreiben. Der Text erschien unter dem Titel “Der Fluch der Ressourcen”.

Reporter ohne Grenzen hat uns gerade auf eine Veranstaltung am 5. Februar 2007 zur Unterstützung der beiden Kollegen aufmerksam gemacht. Damit nicht nur solidarisch gerockt wird, sondern die Kenntnis über die Lage in Nigeria sich weiter verbreitet, stellen wir Heinrich Bergstressers Text online.  http://www.berliner-journalisten.com/12/heinrich-bergstresser-nigeria-der-fluch-der-ressourcen.html

Pressemitteilung 3. Januar 2008

ROG präsentiert Konzert für die Pressefreiheit von “Wir sind Helden” und “Tomte”

Berlin, 3. Januar 2008. “Wir sind Helden” und “Tomte” spielen am 5. Februar 2008 in Hamburg für die Pressefreiheit. Reporter ohne Grenzen (ROG) unterstützt das Benefizkonzert, dessen Anlass die Haft des deutschen Filmemachers Florian Opitz und seines Kameramanns Andy Lehmann in Nigeria ist. Der nigerianische Geheimdienst nahm Opitz und Lehmann am 22. September im Nigerdelta fest und klagte sie kurz darauf der Spionage und des Visumsbetruges an. Anfang November kamen sie frei und konnten das Land verlassen. Auch ROG hatte sich für ihre Freilassung eingesetzt.

Opitz und Lehmann recherchierten im ölreichen Nigerdelta für einen Dokumentarfilm. Obwohl Nigeria der sechstgrößte Erdölexporteur der Welt ist, lebt die Mehrheit der Bevölkerung in absoluter Armut. Den Gründen für dieses Ungleichgewicht wollten sie nachgehen und zum Thema ihres Filmes machen.

Den beiden drohten bis zu 14 Jahren Haft. ROG und andere Menschenrechts-organisationen reagierten sofort und forderten die nigerianischen Behörden auf, Opitz und Lehmann umgehend freizulassen. ” Es war enorm wichtig zu wissen, in dieser schwierigen Situation nicht alleine zu sein, sondern von vielen Seiten unterstützt zu werden”, sagt Lehmann. “Die ganze Sache diente offensichtlich vor allem dazu, ausländische Journalisten abzuschrecken, ihnen klar zu machen, dass sie im Nigerdelta nichts zu suchen haben.”

Nach erheblichem diplomatischem Druck konnten Opitz und Lehmann Anfang
November nach Deutschland ausreisen. Wenig später wurde das Verfahren gegen sie und zwei mitangeklagte Kollegen einer nigerianischen NGO eingestellt. Opitz und Lehmann sind jedoch 60.000 Euro Anwaltskosten entstandenen. Einen Teil davon haben bereits Verdi, der Westdeutsche Rundfunk und der Bayerische Rundfunk übernommen. Der Rest soll mit dem Benefizkonzert am 5. Februar eingespielt werden.

“Wir möchten mit dem Konzert aber auch auf die Gefahren für die Pressefreiheit weltweit aufmerksam machen”, sagt Florian Opitz. “Daher kooperieren wir mit Reporter ohne Grenzen, die auf diesem Gebiet eine hervorragende und bewundernswerte Arbeit leisten. Eine Arbeit, deren Bedeutung einem vielleicht erst richtig bewusst wird, wenn man in eine
solche Lage gerät, wie wir.”

Konzert “Wir sind Helden” und “Tomte”
am 5. Februar, 19 Uhr,  im “Docks”,
Spielbudenplatz 19, 12345 Hamburg

Tickets unter:
www.kartenhaus.de
01805 - 969 000 444 (14cent/min)
Ticket ? 26,00 zzgl. VVK-Gebühr

Für Rückfragen:
- Reporter ohne Grenzen, Katrin Evers, Fon: +49/30/615 85 85
- Wir sind Helden, Tel.: 030/5 20 03-500, sven.hasenjäger@labelsmusic.com,
- Tomte, Tel.: 040 / 40 18 60 35, simon@ghvc.de

Weitere Information:
www.3sat.de/kulturzeit/themen/115486/index.html
www.mmm.verdi.de/archiv/2007/11/internationales/unter_spionageverdacht
www.dergrosseausverkauf.de
www.reporter-ohne-grenzen.de/

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Aktuelles Heft Nr. 3-2010
Titelthema:
Europa

Titelbild: NDR/Pro7, Willi Weber







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