28. Februar 2008
Neuigkeiten in Sachen ZAPP versus Feuerherz
Inzwischen haben auch andere Medien heftige Kritik an der ZAPP-Berichterstattung zu Kindersoldaten in Eritrea im Allgemeinen und Senait Meharis Erinnerungen im Besonderen erneuert. Mein Artikel aus dem vergangenen Jahr (erschienen in Heft 9) ist jetzt auch online.
Gestern hat Abini Zöllner in der Berliner Zeitung einen weiteren Artikel über die ZAPP-Berichterstattung zu Feuerherz veröffentlicht. Ein paar Zitate:
Bis heute blendet das Medienmagazin “Zapp”, das Wächter und Ächter der Journalistenbranche sein will, unbequeme Tatsachen einfach aus.
… gibt es Eritreer, die Kindersoldaten zu Zeiten des Bürgerkriegs bestätigen. Einer wandte sich an die “Zapp”-Redaktion und beklagte, dass keiner “über die Kindersoldaten” spricht und bei Mehari von “angeblichen Erlebnissen” die Rede ist. Er war bei “Zapp” nicht willkommen. Julia Salden erklärte ihm, es sei vielleicht hart, eine “Wahrheit anzuerkennen, die differenzierter ist als das gängige Klischee.” Sie verwies auf ihre Recherchen und empfahl: “Werden Sie doch aktiv! Sollten Sie was finden, melden Sie sich wieder!”
Heute nun hat auch Michael Hanfeld in der FAZ sich noch einmal geäußert. Leider steht der Artikel nicht online. Hier einige Zitate:
Das Amtsgericht Tiergarten hat vor ein paar Tagen ein Verfahren eingestellt, von dem, für sich genommen, die breite Öffentlichkeit kaum Notiz nehmen würde. Beschuldigt worden war die aus Eritrea stammende Sängerin Senait Mehari, die in ihrem Buch “Feuerherz” von ihrem Schicksal als Kindersoldatin erzählt. In einem Interview mit der “Berliner Zeitung” hatte sie davon gesprochen, dass sie eine ebenfalls aus Eritrea stammende Frau, die - wie sie - nach Deutschland emigriert ist, damals in einem Lager als “brutale Kommandantin” erlebt habe. Die Betroffene Almaz Yohannes stellte Strafanzeige wegen übler Nachrede. Das daraus resultierende Verfahren wurde nun nach Paragraph 153a der Strafprozessordnung eingestellt.
und zur ZAPP-Berichterstattung über die Glaubwürdigkeit von Senait Meharis Erinnerungen:
Bei “Zapp” aber sah die Sache von Beginn an eindeutig aus…. Doch auf solche Zwischentöne in einem komplizierten Beziehungsgeflecht war man bei “Zapp” nie aus, hier zählt, wie die Autorin Abini Zöllner jetzt in der “Berliner Zeitung” schreibt, “Hysterie statt Hintergrund”, betrieben von einem tonangebenden Netzwerk von Journalisten.
Das tonangebende Netzwerk… Hans Leyendecker lehnt sich offenbar auch gelegentlich gemütlich zurück und hält ganz einfach alles, was so berichtet wird, für die reine Wahrheit. Wenn’s denn von Rechercheuren aus dem ”tonagebenden” Netzwerk stammt? In seinem Beitrag in der SZ vom 30.1. haute er ordentlich auf die Pauke. ZAPP hat recherchiert und da gibt es doch tatsächlich Zweifler! Und nun ist die Mehari auch noch verurteilt worden, zwar noch nicht rechtskräftig, aber mit erdrückenden Beweisen. Rein zufällig ist das Foto der Sängerin neben den Abschnitt des Textes gesetzt, der mit dem Wort “Hochstapler” beginnt. Damit die Botschaft auch optisch klar rüber kommt?
Zapp hatte vor einem Jahr mit mehreren Beiträgen den Skandal um “Feuerherz” entzündet. Die Redaktion hält nach langen Recherchen Meharis Geschichte nicht für glaubwürdig. Die in diversen Talkshows als Kindersoldatin präsentierte Popsängerin hatte auf die Frage, ob sie wirklich Kindersoldatin gewesen sei, geantwortet: “Nein, so würde ich das nicht sagen. Ich würde sagen, ich bin ein Kind des Krieges”. Die “Presse sucht sich doch das aus, was am wirksamsten ist. Selbst wenn sie mich ständig als Kindersoldatin betiteln, sag ich: Okay, wenn sie das brauchen. Hauptsache, ich komme an mein Ziel”.
Mehari hatte in dem Streit Unterstützung etlicher Medien bekommen. Ihre Geschichte ist bewegend, und wer weiß genau, was in Eritrea so los ist? Im Kampf um Auflagen, Quoten und Zuschauer leidet schon mal die Authentizität.
Jawoll! Ja! Und auch in München! Und auch bei der Süddeutschen Zeitung! Und auch beim Leyendecker Hans? Der scheint die Geschichte, die er nach dem Tod von Wolfgang Grams los getreten hat recht gut verdrängt zu haben. Sonst traute er sich selbst nicht so vollends über den Weg.
Hier folgen einige Links zu Fünden anderer Watchdogs. Eigentlich wollte ich schreiben: ZAPP ist ganz schön doof! Höhö! Das Lachen bleibt mir aber im Halse stecken. ZAPP ist -zumindest streckenweise - verkommen, und das ist furchtbar!
http://www.blogmedien.de/?p=462
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/experten-casting-bei-zapp/
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/bildblog-tv/
http://www.dwdl.de/article/news_14209,00.html
http://www.pottblog.de/2007/03/31/medienmagazin-zapp-ndr-wird-unglaubwuerdig/
Und noch so ein Ding am Rande: im 12köpfigen Vorstand von Netzwerk Recherche gibt es neben Julia Salden mit der Dänin Brigitte Alfter nur eine weitere Frau…





