16. Juni 2008
Russ-Mohl: Sender stellen eigene Existenzberechtigung in Frage
Ich sprach in der vergangenen Woche mit Professor Russ-Mohl über die Kampagne der Öffentlich-Rechtlichen:
Wie beurteilen Sie die mediale Kampagne, die ARD und ZDF derzeit in den eigenen Sendern inszenieren, um ihre Expansionswünsche im Internet politisch durchzusetzen?
Ich beobachte schon lange eine extreme Einseitigkeit in der Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender in eigener Sache, besonders in Nachrichtensendungen. Sobald es um die Durchsetzung der eigenen Interessen geht, hat die Art der Berichterstattung nichts mehr mit journalistischen Kriterien, insbesondere mit dem Bemühen um Ausgewogenheit, zu tun. Was mich wundert, ist die Tatsache, dass man das überhaupt so lange hat durchgehen lassen.
Was sagen Sie dazu, dass mit Thomas Leif einer der führenden kritischen Journalisten Deutschlands sich in diese Kampagne einspannen lässt?
Ich habe den Beitrag nicht gesehen. Sollte der Vorwurf zutreffen, wäre das sehr schade. Es würde mich stark irritieren.
Was halten Sie von dem Vorstoß der LMK Rheinland-Pfalz, ein gemeinsames Aufsichtsgremium für öffentlich-rechtliche und private Sender einzuführen?
Es könnte durchaus Sinn machen, da dann gemeinsame Mäßstäbe erarbeitet würden. Andererseits haben die öffentlich-rechtlichen Sender eine andere Funktion im Mediensystem. Ihr Auftrag ist ganz anders definiert.
Handelt es sich nicht bei der derzeitigen Kampagne um eine Kollision mit diesem Auftrag?
Kollision ist das richtige Wort. Wenn es um die eigenen Interessen geht, weicht das Verhalten sehr stark von den Vorgaben für öffentlich-rechtlichen Rundfunk ab, der ausgewogen, neutral und um Objektivität bemüht sein soll. Mit solch einer Kampagne stellen die Sender eigentlich die Existenzberechtiging des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Frage.”
Professor Russ-Mohl ist derzeit Scholar an der Stanford University. Ich sprach mit ihm via Skype. Er beschäftigt sich in Stanford mit dem Niedergang des Zeitungsjournalismus in den USA - und Innovationen, die dieser schmerzhafte Prozess auslöst.





