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29. Juli 2008

Internationale Proteste gegen Journalisten-Bedrohung im brasilianischen Wahlkampf.
Abgelegt unter: Medien | Klaus Hart um 15:02

In Staatschef Lulas lateinamerikanischer Spezialdemokratie ist Wahlkampf - laut Bestsellerautor Joao Ubaldo Ribeiro wiederholt sich vor dem Oktober-Urnengang das Schema früherer Kampagnen - u.a. in Rio de Janeiro, dem zweitwichtigsten Wirtschaftszentrum Brasilien: Kandidaten dürfen nur mit spezieller Erlaubnis des organisierten Verbrechens die riesigen Slums betreten, um Politpropaganda zu betreiben. “In Wahrheit darf dort niemand ohne ausdrückliche Erlaubnis hinein. Der Präsident der Republik, beispielsweise, kann das indessen. Sofern er ein Sicherheitskontingent mobilisiert - ähnlich wie Bush im Irak, oder noch größer.”

Verbrecherbosse Rios stellten sogar Pässe und Visa für die beherrschten Regionen aus. In den Machtstrukturen des Staates seien viele “Gangsteres” aktiv. “Die Regierung ist hier rechts oder links? Rechte, Linke, was soll das denn sein? Diese überholte Phase ist bei uns doch schon seit langem vorbei. Die Regierenden der drei Machtebenen bestehen aus zwei Typen: den direkten oder indirekten Gangstern, wobei gewöhnlich Bündnisse zwischen beiden bestehen, um Raub und Betrug zu erleichtern… Die Ideologie der Opposition besteht darin, an die Macht zu kommen, um mitgaunern zu können…Politik ist Kultur.”

Gemäß neuen Presseberichten verteilen hochbewaffnete paramilitärische Milizen Wahlpamphlete an die Slumbewohner - Banditenkommandos zwangen Kandidaten begleitende Fotojournalisten, Fotos zu löschen. Bestimmte Kandidaten werden direkt vom organisierten Verbrechen ausgewählt. Gegen diese Zustände haben jetzt nationale und internationale Journalistenverbände protestiert, auf die gravierende Verletzung von Menschenrechten in der Slum-Diktatur hingewiesen, Garantien für die Pressefreiheit gefordert. In einem der betreffenden Slums war 2002 der renommierte investigative Journalist Tim Lopes von einem Banditenkommando gefoltert und danach auf einem Scheiterhaufen aus Autoreifen, der berüchtigten “Mikrowelle” (Microondas) verbrannt worden.

Wer ist Joao Ubaldo Ribeiro: http://www.swr.de/swr2/programm/extra/lateinamerika/stimmen/beitrag20.html

Klaus Hart, Sao Paulo

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Titelthema:
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Titelbild: NDR/Pro7, Willi Weber







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