30. Dezember 2008
Premiere-vorläufige Rettung
Premiere erhält 450 Millionen Euro frisches Kapital sowie langfristige Kreditlinien von 525 Millionen Euro. Zwischen dem amerikanischen Medienkonzern News Corp. und einem Bankenkonsortium wurde ein kompliziertes Finanzpaket zur Rettung des Sorgenkindes der deutschen Fernsehlandschaft geschnürt. Doch der Weg zur endgültigen Gesundung des Senders ist lang und hält einige Unwägbarkeiten bereit. Um 2011 die Verlustzone zu verlassen, braucht Premiere 3 bis 3,4 Millionen Abonnenten. Derzeit hat Premiere ca. 2,4 Millionen direkte Kunden, nachdem der Sender seine Kundendatei um nicht zahlende Kunden bereinigt hat. Angesichts der befürchteten Rezession dürften aber die Abozahlen bei Premiere eher sinken. Angesichts immer größerer Angebote an neuen Medien (DVD, BluRay, IPTV) hat Premiere seine Exklusivität als “der Spielfilmsender” längst eingebüßt. Einziger Lichtblick: Die Fußball-Bundesliga und Live-Sportübertragungen. Sollte Premiere dagegen scheitern, hätten einige Fußballclubs ein ernstes Finanzproblem.
27. Dezember 2008
Berliner Zeitung - demnächst wieder Vorkötter?
Wie der Branchendienst “Kress” meldet, muss die finanziell stark angeschlagene Mecom-Holding des Finanzinvestors David Montgomery den zu ihrem Zeitungsimperium gehörenden Berliner Verlag verkaufen. Als wahrscheinlicher Käufer wird der Kölner Verlag M.DuMont-Schauberg genannt, der den Kölner Stadtanzeiger herausgibt, dem aber auch die Frankfurter Rundschau gehört. Chefredakteur der Frankfurter Rundschau ist Uwe Vorkötter, vormals Chefredakteur der Berliner Zeitung. DuMont plant offenbar beide Redaktionen sehr eng zusammen arbeiten zu lassen. Somit könnten zwei überregionale Qualitätszeitungen, die dem linksliberalem Spektrum zugerechnet werden, unter einem Chefredakteur geführt werden. Der derzeitige Chefredakteur der Berliner Zeitung Depenbrock, der in Personalunion auch Geschäftsführer ist, wird wohl dann die Redaktion verlassen.
Der angeblich ebenfalls am Berliner Verlag interessierten WAZ-Gruppe dürften geringere Chancen eingeräumt werden.
24. Dezember 2008
Lobbyisten und die Unabhängigkeit der Presse
Dass politische Entscheidungsträger von Lobbyisten beeinflusst werden, ist nicht neu. Aber auch in der Presse ist ihr Einfluss nicht unerheblich. ” Längst haben Lobbyisten die Medien unterwandert” meinen Sascha Adamek und Prof. Dr. Kim Otto. So wird scheinbar objektive Berichterstattung zur gefälligen Verbreitung privater Interessen.
”In der Lobby brennt noch Licht” ist eine Publikation von Netzwerk Recherche. Lesenswert!
Wir wünschen allen unseren Lesern ein schönes Weihnachtsfest.
23. Dezember 2008
Watch den Spiegel
Der Spiegel, das selbsternannte “Sturmgeschütz der Demokratie”, ist offenbar auch nicht mehr das, was es mal war. Von Spöttern auch schon mal als “Bild am Montag” bezeichnet, sind doch viele Leser, selbst Journalisten und Fachleute oft von der unbedingten Richtigkeit des im Spiegel publizierten überzeugt. Das Zweifel durchaus berechtigt sind, möchte nun der Journalist Torsten Engelbrecht in seinem Spiegelblog www.spiegelblog.info dokumentieren. Mehr noch, Engelbrechts Blog möchte auch erreichen, “dass sich der SPIEGEL und damit die Medien insgesamt wieder stärker ihrer ureigensten Aufgabe widmen - nämlich für so einen Aufruhr zu sorgen, dass Missstände konsequent ausgemerzt bzw. gar nicht erst entstehen …”.
Ich meine, da ist einiges zu tun! Scheint es doch heute Aufgabe vieler Medien zu sein, die Missstände, wenn sie bzw. deren Auswirkungen schon nicht verschwiegen werden können, so doch deren Ursachen oder Verursacher tunlichst zu verschweigen oder zu verschleiern.
22. Dezember 2008
Journalismus und der Rechtsstaat
In der vergangenen Woche gab es gleich drei Meldungen zum Verhältnis Journalismus und Rechtsstaat. Die erste Nachricht vermeldete den Tod von Mark Felt (Deep Throat), der „berühmtesten anonymen Quelle der amerikanischen Geschichte“; so Bob Woodward, der mit seinem Kollegen Carl Bernstein für die Washington Post 1974 den Watergate-Skandal aufdeckte, der zum unrühmlichen Ende der Präsidentschaft Nixon führte. Vize-FBI-Direktor Felt traf die Reporter mehrmals in einer Tiefgarage und übergab ihnen entscheidende Informationen über den Einbruch in das Watergate-Hotel, dem Wahl-Hauptquartier der Demokraten. Erst 2005 offenbarte er sich. Er betrachtete sich nicht als Held sondern als Helfer. 30 Jahre hielt seine Tarnung, obwohl oft verdächtigt, konnte man ihm nichts nachweisen. Zweifellos ein Höhepunkt des investigativen Journalismus. Ob so etwas heute noch möglich wäre, muss bezweifelt werden, denn (jetzt die 2. Meldung) Bundestag und Bundesrat haben in der letzten Woche das neue BKA-Gesetz beschlossen. Nun dürfen auch Journalisten abgehört werden und ihr Zeugnisverweigerungsrecht wird eingeschränkt. Muss im Ernstfall also der Journalist seine Quelle preisgeben und wird überhaupt noch jemand den Mut aufbringen, sich den Medien anzuvertrauen, wenn er weiß, der Staat könnte überall mithören? Die dritte Meldung tangiert auch das Verhältnis Journalist-Rechtsstaat, wobei einige Kollegen ein etwas eigenartiges Verständnis vom Rechtsstaat zu haben scheinen. Das Oberlandesgericht Stuttgart hat entschieden, dass die Reststrafe von Christian Klar nach 26 Jahren Haft zur Bewährung ausgesetzt wird. Nun meinen doch wirklich einige Medien, zum Gesinnungsstrafrecht zurückkehren zu müssen, da Herr Klar seine Taten ja gar nicht bereut habe. Doch Reue zeigen heißt nicht bereuen, meint Christian Bommarius in seinem Kommentar in der Berliner Zeitung.
20. Dezember 2008
Berliner Zeitung verspätet erschienen
Wegen einer Betriebsversammlung, auf der die Redakteure der Berliner Zeitung und der im gleichen Hause erscheinenden Netzeitung der Chefredaktion und Geschäftsführung ihre Bedenken gegen weitere Stellenstreichungen vortrugen, erschien die erste Ausgabe der Berliner Zeitung am Freitag nicht (Link). Die Redakteure der Berliner Zeitung wehren sich seit Jahren gegen immer neue Sparmaßnahmen der Verlagsleitung, dadurch sei langfristig mit einer Verschlechterung der Qualität der Zeitung sowie auch des Online-Angebots des Verlages zu rechnen. Kritisiert wird schon seit langem, dass Chefredakteur Josef Depenbrock in Personalunion auch Geschäftsführer ist (Link). Während weltweit dem Online-Auftritt der Medien eine immer größere Bedeutung zukommt, sei beim Berliner Verlag die dort erscheinende Netzeitung durch Sparmaßnahmen und Personalabbau in ihrer Qualität oder sogar in ihrem Bestand bedroht.
Die Redaktion der Berliner Zeitung wurde vom Medium-Magazin zur “Redaktion des Jahres” gewählt.
19. Dezember 2008
BILD und die englische Sprache
Immer wieder lassen die mangelhaften Kenntnisse der englischen Sprache beim Axel-Springer-Verlag aufhorchen. Eigentlich sollte man doch von Journalisten in der heutigen Zeit erwarten dürfen, dass wenigstens, wenn nicht der Computer, so doch ein Wörterbuch bedient werden kann. Aber der Reihe nach:
weiterlesen…
18. Dezember 2008
Fotografen und andere Schauspieler
Die Presse kann manchmal ganz schön lästig sein. Das fand auch FAZ-Online und stellte auf der Premiere von “Buddenbrooks” (Dienstag in Essen) fest, ”dass die Fotografen ihre Kommandos erst energisch brüllen, wenn die Hauptpersonen eintreffen, unter ihnen der angenehm zurückhaltende Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, der Bundespräsident und die anderen Schauspieler”.
Microsoft schließt Sicherheitslücke im Internet-Explorer
17. Dezember 2008
Sparen in Essen
Bei der WAZ drohen hohe Verluste, nun soll drastisch gespart werden. Redaktionen werden zusammengelegt, Mantelredaktionen geschaffen und die Anzahl der Lokalredaktionen reduziert. Ausgedacht hat sich das Sparkonzept die Unternehmensberatung Schickler. Auffallend ist, dass das Sanierungskonzept als PDF-Datei im Internet steht. So können die Mitarbeiter schon mal sehen, was auf sie zukommt.
16. Dezember 2008
Sicherheitslücke im Internet-Explorer
Eilmeldung:
Die Melde- und Analysestelle Informationssicherung in Bern, das deutsche Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und das österreichische CERT.at erlassen eine dringende Warnung, den Microsoft Internet-Explorer derzeit nicht mehr zu benutzen und empfehlen, alternative Browser zu verwenden.
15. Dezember 2008
Branchenfremder Milliardär kauft LA Times
Die Süddeutsche Zeitung beschreibt die Probleme der renommierten “Los Angeles Times”, die von einem branchenfremden Milliardär gekauft wurde, als Friedhof der Pulitzer-Preise.
8. Dezember 2008
“Pressefreiheit” in Brasilien - hochkarätiges Menschenrechtstribunal in Sao Paulo ohne Medienbeteiligung.
Anläßlich des 60. Jahrestages der UNO-Menschenrechtsdeklaration wurde auf einem hochkarätig besetzten Menschenrechtstribunal der katholischen Kirche und der Sozialbewegungen in Sao Paulo der brasilianische Staat u.a. wegen Folter, Kriminalisierung der Armen und Bruch internationaler Menschenrechtsabkommen politisch-moralisch verurteilt. Dem Ort des Tribunals, in Brasiliens wichtigster Rechtsfakultät neben dem Franziskanerkloster, blieben indessen während der drei Tribunal-Tage die tonangebenden Landesmedien demonstrativ fern.
weiterlesen…
“Die Zensur gibt nie auf. Wohlverkleidet, getarnt, kommt sie immer wieder.”
Eine Anzeige der nationalen brasilianischen Pressevereinigung ABI - nur auf Brasilien bezogen?
“A censura nunca desiste. Ela sempre volta disfarcada.” ABI.
“The censorship never gives up. It always comes back in a disguise. ABI”
weiterlesen…