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22. Januar 2009

Tom Fenton - Die harte Wahrheit
Abgelegt unter: Politik | Richard Schnabl um 13:22

Heute publizieren wir eine Artikel von Tom Fenton aus seinem Blog “TheWorld.org“ Aus dem Am.Englisch von Richard Schnabl

Eine schwierige Nachricht

Die Amtseinführung von Amerikas erstem schwarzen Präsidenten wurde von einem globalen Fernsehpublikum, von Milliarden Menschen beobachtet. Das Ereignis war ein Wendepunkt, geteilt mit einer Welt, deren Mehrheit nicht weiß ist. Aber das überraschende Moment in der Antrittsrede von Barack Obama bestand darin, dass er nur wenig auf die Rasse, nur mit einer kurzen Bemerkung darauf einging, wie weit Amerika in seiner Entwicklung zur Gleichberechtigung fortgeschritten ist.

Die riesige Menge auf der National Mall, viele von ihnen Afroamerikaner, kam, um sich an diesem historischen Moment ihrer Geschichte zu erfreuen. Aber die Botschaft die der neue Präsident übermittelte, war keine Massenbelustigung. Es gab wenige denkwürdige Aussprüche. Was sie hörten, war eine harte Nachricht, fast streng. Kein Vergleich zur erhebenden Redekunst von Dr. Martin Luther King: “Ich habe einen Traum”. Die Nachricht, die der Präsident mitteilen wollte, war, ich habe einen Plan, und es wird harte Arbeit und einen erneuerten Sinn für Verantwortung erfordern.

Seine Ermahnung, uns “aufzuraffen, den Staub abzuschütteln, und die Arbeit zu beginnen, Amerika zu erneuern“, signalisierte einen klaren Bruch mit der Politik der Bush-Regierung, die auf die Angriffe vom 11.9.2001 mit dem Vorschlag geantwortet hatte, dass die Amerikaner ausgehen und einkaufen sollen. Der neue Präsident sagte, dass die Zeit, “enge Interessen zu schützen und unangenehme Entscheidungen aufzuschieben” vorbei ist, und dass die “abgestandenen politischen Argumente, die uns lange Zeit vorgesetzt wurden nicht mehr gelten”. Es war eine Kampfansage an Amerika, aufzubrechen, um eine neue Qualität der Politik  anzupacken - sowie eine Kritik an der Hinterlassenschaft des Ex-Präsidenten, der als Zuhörer nur wenige Meter entfernt saß.

Die größte Herausforderung für Präsident George W. Bush in seinen zwei umstrittenen Amtsperioden waren die schrecklichen Terrorangriffe auf Amerika. Seine kriegerische Antwort und Bereitwilligkeit, Menschenrechte im Namen eines “Krieges gegen den Terror” zu opfern, haben große Schäden an Amerikas Image in der Welt angerichtet. Die Herausforderung für Präsident Obama ist die erschreckende Finanzkrise, die Banken und Wirtschaft rund um den Erdball in einen Strudel der Verschuldung herunterzieht, die Hunderte Milliarden Dollar verschlingt. Der Erfolg oder Misserfolg seiner neuen Regierung wird davon abhängen, wie gut sich der neue Präsident dieser Herausforderung stellt.

An erster Stelle steht, beide Parteien (Demokraten und Republikaner-RS) zu gewinnen, seinen Finanzplänen zuzustimmen, um die Wirtschaft wiederzubeleben. Das deutet darauf hin, dass einige seiner Wahlkampfversprechen, wie das Problem der Erderwärmung und die Gesundheitsfürsorge zu verbessern, modifiziert oder verschoben werden müssen. Es wird für Präsident Obama einfacher sein, dort etwas zu verändern, wo es nicht viel kostet - wie das Verbot der Anwendung der Folter, das Schließen des Gefängnisses und der Sondertribunale in Guantanamo, sowie Gespräche mit Iran.

Einige der auswärtigen Herausforderungen, denen er gegenübersteht, werden einfachen Lösungen widerstehen. Der israelisch-palästinensische Konflikt ist so eine. Da es keine Möglichkeit einer dauerhaften Lösung in der nahen Zukunft zu geben scheint, wird er einen Sonderbeauftragten in das Gebiet entsenden, um dem einen neuen Impuls zu geben, welches Politiker zynisch “den Friedensprozess nennen”. Wahrscheinlich wird der Prozess nirgends wohin gehen, und der Präsident wird Palästina unterstützen, um es zu erhalten.

Ein Problem, das er nicht verschieben kann, ist der lange Krieg in Afghanistan. Er hat vor, mehr Truppen dorthin zu entsenden, als er Truppen aus dem Irak abzieht. Und er möchte Teile der Taliban in ein Friedensabkommen oder eine Koalitionsregierung in Kabul einbinden, ähnlich der Strategie die im Irak aufzugehen scheint. Eine Lösung in Afghanistan muss auch Pakistan einschließen, das zum Unterschlupf für die Taliban und ein Aufmarschgebiet für Angriffe militanter Gruppen auf Amerikaner und NATO  geworden ist, die in Afghanistan kämpfen. Die Rede ist davon, dass er einen Sonderbevollmächtigten nach Afghanistan und Pakistan entsenden wird. Wenn er, wie vermutet wird, Richard Holbrooke, einen von Amerikas besten Berufsdiplomaten auswählt, dann zeigt dies, dass der Fortschritt in Afghanistan für Präsident Obama von höchster Priorität ist. Aber ob die neue Regierung ein unterentwickeltes und gesetzloses Land befrieden kann, wo andere Großmächte in der Vergangenheit versagt haben, ist eine offene Frage.

All dieses erklärt den Ton der Antrittsrede von Präsident Obama. Als er von “heraufziehenden Wolken und tobenden Stürmen sprach”, “der Krise” und “unseren dunkelsten Stunden”, war das keine Übertreibung. Es war etwas, dass die amerikanische Öffentlichkeit von neuen Regierungen selten gehört hat: die harte Wahrheit.

Die  Antrittsrede in Wort und Bild:Link

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Aktuelles Heft Nr. 3-2010
Titelthema:
Europa

Titelbild: NDR/Pro7, Willi Weber







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