29. Januar 2009
Tom Fenton - Schwierige Entscheidungen
In seinem Blog “TheWorld.org” schreibt Tom Fenton heute über die ersten “schwierigen Entscheidungen” Präsident Obamas. Aus dem Am.Englisch von Richard Schnabl.
Schwierige Entscheidungen
Das Versprechen des Präsidentschaftskandidaten Barack Obama, alle amerikanischen Kampftruppen aus dem Irak in 16 Monaten abzuziehen, war eine Schlager im Wahlkampf, aber es könnte sich als ein wenig zu viel verlangt herausstellen, jetzt, da er Präsident ist. Glücklicherweise gab sich Herr Obama mit dem Zeitplan etwas Spielraum. Es sieht so aus, als würde er ihn zu brauchen.
“Wir werden einige schwierige Entscheidungen bezüglich Irak und Afghanistan zu treffen haben, die meisten sofort” sagte der Präsident in dieser Woche nach einer zweistündigen Diskussion mit dem Vereinigten Generalstab (JCS) über das Beenden des einen Krieges und das Ausweiten des anderen. Beamte sagten später, dass spezifische Zeitachsen nicht angelegt wurden, aber der Präsident bereits öffentlich gesagt hat, dass er auf den Rat seiner Generäle hören und seine Terminaussagen anpassen würde, wenn die Sicherheit von amerikanischen Truppen oder der Stabilität des Iraks bedroht seien. Es ist ein großes “wenn“. Hier die Erklärung.
Der Rückzug der amerikanischen Truppen birgt große Risiken. Das sind nicht nur taktische Probleme, mehrere zehntausend Soldaten und ihre Ausrüstung aus einem potenziell feindlichen Gebiet abzuziehen. Die größte Gefahr ist das Machtvakuum, das sie zurücklassen werden.
Im Augenblick ist es in Irak verhältnismäßig ruhig. Die Strategie der Bush-Regierung, 30000 amerikanische Soldaten in den Irak “zu drängen” und mit sunnitischen Aufständischen zu verhandeln, hat sich „hübsch“ ausgezahlt. Die Gewalt ist in den letzten zwei Jahren um 80 % zurückgegangen und jetzt auf Teile Bagdads, Mossuls und der Dijala Provinz beschränkt. Aber Generalleutnant Ray Odierno, der militärische US-Kommandant in Irak, warnt, dass diese Fortschritte “zerbrechlich und umkehrbar sind”, und dass “der Krieg nicht zu Ende sei”. Die Befürchtung besteht darin, dass, wenn die Amerikaner zu schnell abziehen, die Iraker, sobald sie selbständig sind, ihre Streitigkeiten untereinander fortsetzen werden.
Das wäre kein schöner Anblick, denn das Pentagon hat nicht nur tausende sunnitische Aufständische bewaffnet. Es hat auch eine viertel Million irakische Truppen und eine halbe Million Polizisten ausgebildet und bewaffnet. Viele von ihnen schulden ihre Loyalität ihrer religiösen Sekte oder ihrem Stammesclan, statt der von den Amerikanern gestützten Regierung. Auf sich allein gestellt, könnten sie sich leicht in rivalisierende Sekten und Clans verwandeln.
Tatsächlich ist keiner der grundlegenden Konflikte Iraks gelöst worden. Sie wurden durch die amerikanische Anwesenheit lediglich eingedämmt. Die Kurden des Nordens wollen Unabhängigkeit. Kurden und Araber streiten über die Kontrolle der riesigen Ölfelder von Kirkuk. Muqtada as-Sadrs “Mahdi Armee” hat eine Waffenruhe erklärt, bleibt aber eine der stärksten muslimischen Milizen im Land. Die Reste von Al-Kaida im Irak erlitten eine Niederlage, als sich die sunnitischen Aufständischen gegen sie wendeten, aber sie haben das Land nicht verlassen. Und die ehemaligen sunnitischen Aufständischen erhoffen, mehr Macht in der Zentralregierung zu erlangen.
Aber wenn die Auswirkungen des amerikanischen Rückzugs kein hübsches Bild sein dürften, ist es auch wahrscheinlich, dass die amerikanische Öffentlichkeit nicht viel von diesem Durcheinander sehen wird. Die meisten amerikanischen Zeitungs- und Fernsehkommentatoren scheinen entschieden zu haben, dass sie den letzten Akt in Irak nicht abwarten wollen. Viele sind bereits abgereist, nur Rumpf-Nachrichtenbüros oder gar nichts in Bagdad zurücklassend. Die personelle Besetzung eines Bagdader Büros ist eine teure Angelegenheit, und die Gesellschaften, die die Nachrichtenmedien besitzen, denken, was unter dem Strich herauskommt ist wichtiger, als der Versuch, die amerikanische Öffentlichkeit ins Bild zu setzen. Die Medien scheiterten an ihrer Aufgabe, die Gründe der Bush-Regierung zu erfragten, in den Irak hinein zu gehen. Sie werden wieder versagen, wenn sie nicht dort sind, um zu zeigen, was geschieht, wenn die Obama-Regierung abzieht.
(Hervorhebungen:R.S.)





