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19. März 2009

Der Hang zur Gosse (Update)
Abgelegt unter: Medien, Politik | Richard Schnabl um 09:48

Es wird immer skurriler. Da speist ein abwesender Ministerpräsident die Delegierten seines Wahlparteitages mit einer dürftigen schriftlichen Erklärung und einer SMS ab, äußert sich anschließend aber ausführlich via Boulevardpresse. Delegierte wählten ein “Phantom”, so mehrere Medien übereinstimmend  (Stern Welt). Schon vor 100 Jahren stellte der aus  Österreich in die USA ausgewanderte Zeitungsverleger Joseph Pulitzer fest: »Eine zynische, geldgierige, demagogische und korrupte Presse wird im Lauf der Zeit eine Gesellschaft hervorbringen, die ebenso niederträchtig ist wie sie selbst.« In unserem Medienblog schrieben wir in den letzten Wochen verstärkt über den Niedergang der Printmedien. Eine Ursache mag das Internet und damit verbundene neue Vertriebskanäle für Nachrichten sein. Wenn aber Politiker es vorziehen, sich vorrangig via Boulevard zu äußern, leistet dies einer Oberflächlichkeit vorschub, die zur Gefahr für die Demokratie zu werden droht. Gerade demokratischen Politikern sollte es bewußt sein, dass für die demokratische  Öffentlichkeit journalistische Qualität eine lebensnotwendige Voraussetzung ist.  Welche Ernsthaftigkeit und welches Demokratieverständnis  verfolgt ein Politiker, der es nötig hat,  ein derartiges Rührstück aufzuführen?  Heribert Prantl schreibt in der SZ:  “Ein Ministerpräsident ist nicht einer Zeitung, sondern seinen Wählern gegenüber exklusiv verantwortlich; er kann sich nicht dem Parteitag, der ihn zum Spitzenkandidaten wählt, aus Krankheitsgründen entziehen und sich zugleich einer Zeitung zu Krankheitsvermarktungszwecken präsentieren. Nicht das tödliche Unglück, das Althaus verursacht hat, belastet die Politik; es ist die Art und Weise, wie dieses Unglück inszeniert wird, wie es die Politik in Thüringen beherrscht und den Wahlkampf dominiert.”  Oder dient hier etwa Österreich als Vorbild, wo bei den letzten Nationalratswahlen sich der jetzige Bundeskanzler Faymann ganz besonderer Wahlkampfhilfe durch die Kronen-Zeitung erfreuen durfte. So schreibt  ZEITonline : Dort verkam die Berichterstattung in den Medien zu einer “Orgie des Propagandageschmieres über den sozialdemokratischen Hoffnungsträger, mit dem sich die marktbeherrschenden Gazetten gegenseitig zu über-, eigentlich zu unterbieten versuchten, nachdem sie sich zuvor von ihrem neuen Idol mit großzügigen Anzeigenstrecken hatten einkaufen lassen.”  Für Michael Spreng ist Althaus in eine Medienfalle getappt: ” Sein “Bild”-Interview, als Demonstration von Kraft geplant, legt in Wirklichkeit seinen Schwächen offen. Einerseits ist er zu krank, um am CDU-Parteitag teilzunehmen, er konnte nicht einmal eine Video-Botschaft schicken, anderseits spielt er in “Bild” den starken Mann. Eine schlechte Inszenierung und eine kontraprodutive dazu, weil sie sich selbst entlarvt. Und Althaus machte einen zweiten schweren Fehler: er nutzte das Interview zu Angriffen auf den politischen Gegner, den die CDU noch kurz zuvor um Fairness mit dem angeschlagenen Ministerpräsidenten gebeten hatte. Damit beendete Althaus die Schonfrist und eröffnete den Wahlkampf, ohne an ihm teilnehmen zu können, weil er natürlich nach wie vor zu krank dafür ist. Rudolf Scharping hat sich einst für einen Fotografen der “Bild am Sonntag” den Bart abrasiert. Es dauerte nicht lange, dann war auch politisch der Bart ab.” Der Blog meedia.de wundert sich auch noch über eine peinliche Kopie: Althaus macht den Obama

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Titelthema:
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Titelbild: NDR/Pro7, Willi Weber







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