12. Juni 2009
Merkel bei Illner: “Bodenlose Frechheit”
“Die, die am Sonntag die Sendung von Anne Will gesehen haben (wir berichteten), in der versucht wurde Frank-Walter Steinmeier zum Hans Wurst der Politik zu machen, haben es geahnt. Die, die am Donnerstag Angela Merkel bei Maybrit Illner im ZDF gesehen haben, können sich sicher sein, dass Fernsehjournalismus im Moment so dasteht, wie die Krise: viel schlimmer kann es nicht mehr kommen.”
Wir haben ja bekanntlich nicht nur eine Wirtschaftskrise, wir haben auch eine Medienkrise. Eigentlich haben wir sogar zwei Medienkrisen, die nichts miteinander zu tun haben. Zum einen die Krise der Printmedien, die gebeutelt durch Anzeigenrückgang und sinkende Auflagen in ernste Existenzprobleme kommen, zum anderen aber eine Krise des Fernsehens, selbst verschuldetes Elend. Da stehen den öffentlich-rechtlichen Sendern horrende Gebührengelder zur Verfügung und dann muss der Zuschauer mit ansehen, wie das Niveau der Kommerzkanäle auch noch unterschritten wird. Matthias Kalle nimmt sich in der Zeit die Sendung von Maybrit Illner vor: “Die Sendung war eine bodenlose Frechheit, von der ersten bis zur letzten Minute. In der ersten Minute sagte Illner, man wolle hier von der Kanzlerin kein Geld, „sondern nur Antworten“. Blöd für Illner, dass Merkel dann mehr Antworten für sie hatte, als sie sich Fragen bei ihrer Redaktion bestellt hat – zeitweise schwamm Illner regelrecht, hangelte sich von Einspielfilm zu Einspielfilm und hatte natürlich auch zwei „Betroffene“ im Publikum, auf die sie zurückgreifen konnte. Wieso, weshalb, warum – all das blieb unklar, es gab keine Dramaturgie. Illner war nicht in der Lage ein Interview zu führen”, so Kalle und resümiert: “Was man dann hat, nennt man aber nicht Talk, sondern Stammtisch, wo es ungefähr die gleiche Zusammensetzung gibt. Es war eine schlimme Woche für das Fernsehen und die Politik: Steinmeier mit Frau bei Kerner, Steinmeier allein bei Will, Merkel bei Illner. Überall gab es nur die Simulation von Gespräch, nicht den Ansatz von Erkenntnisgewinn. Und es gab, das ist vielleicht die einzig gute Nachricht, Empörung darüber, dass das alles tatsächlich möglich ist. Tatsächlich ist das alles nämlich ziemlich unmöglich.” (ZeitONLINE)
Matthias Hannemann schreibt auf FAZnet über die Sendungen als “Kanzlerduell der zirkusreifen Art …Illner simulierte, mit einem Zitatblock bewaffnet, die kritische Journalistin, Merkel gab die problembewusste Krisenmanagerin, und beide kamen mit dieser Nummer zumindest streckenweise durch.”





