15. Juni 2009
Einst Altpapier - heute “Paid Content”?
“Tatsächlich ist die Verletzung des Urheberrechts im Netz für Tageszeitungen kein akutes Problem, dennoch schüren Verlage wie Springer diese Debatte, weil sie in der aktuellen Krise davon träumen, ihre im Netz umsonst zur Verfügung gestellten Inhalte in so genannten „Paid Content“ zu verwandeln. Das jedoch wird ein Traum bleiben. Denn das Internet hat die Informationskultur, in der wir leben, einmal vom Kopf auf die Füße gestellt,” stellt Mercedes Bunz auf Tagesspiegel Online fest. Und in der Tat, ist es nicht so, dass die Segnungen des Internets eigentlich nur eine Erleichterung der Arbeit darstellt, die in früheren Jahren sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat und daher nur von wenigen Menschen und wahrscheinich nur zu wissenschaftlichen Zwecken wahrgenommen wurde. Sie kennen bestimmt noch den Spruch, “nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern”? Die Zeitung von gestern war auch nichts mehr wert, flog achtlos in den Papiercontainer, die Artikel der Journalisten, Kolumnisten, Film- und Theaterkritiker - wertloses Altpapier. Dann kam das Internet, plötzlich konnte jeder, nicht nur der interessierte Bibliotheksbenutzer, per Mausklick nicht nur die Artikel der Zeitung von gestern und vorgestern lesen, er konnte auch die Meinungen der Konkurrenzblätter lesen, vergleichen, von einer Meinung zur anderen springen, kurzum, die ganzen tollen Artikel sind keine Eintagsfliegen mehr, nur für einen Tag geschrieben und dann im Müllcontainer, nein, sie sind abrufbar fast bis in die Ewigkeit. Das ist in der Tat eine neue Qualität. Erst jetzt werden Nachrichten im wahren Sinne Nachrichten. Die Nachricht bleibt der Nachwelt erhalten, erfährt quasi die gleiche Behandlung wie die Literatur, denn ein gelesenes Buch stellt man gewöhnlich in den Bücherschrank und wirft es nicht in die Tonne, man könnte ja noch einmal darauf zurückgreifen wollen. Das Internet adelt die Presse, hebt also die kurze Nutzbarkeit journalistischer Arbeit auf. Man könnte auch sagen, dass das Internet gewissermaßen die Deutsche Bücherei bequem ins heimische Arbeitszimmer holt. Wenn jetzt über die “Umsonstkultur” des Internets gejammert wird, sollten Zeitungsverlage sich überlegen, wem man es zu verdanken hat, dass Dinge, die früher im Altpapier achtlos entsorgt werden heute Millionen Menschen elektronisch weiterhin zur Verfügung stehen. Dass natürlich für die technische Infrastruktur bezahlt werden muss ist unbestritten, wieso aber durch die Nachnutzung von Dingen, die sonst im Müll landeten nun plötzlich „Paid Content“ entstehen soll, wäre noch zu klären.





