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28. Juli 2009

Visionen, Konzepte, Zukunftspolitik
Abgelegt unter: Medien | Laura Lammel um 10:40

Der DJV Berlin präsentierte eine hochkarätig besetzte Diskussion am Brandenburger Tor beim UN-Friedensfestival. Unter der Moderation des Vorsitzenden des DJV Berlin, Dr. Peter Pistorius, stellten am Samstag, den 25.7.09 hochkarätige Gäste neue Ideen zum Thema Energieversorgung, Finanzmarktreformen und zukünftige geopolitische Herausforderungen insbesondere für die EU, die NATO und UNO dar.

Heike Isenschmid, eine Finanzexpertin, die ehemals für die Schweizer UBS Bank und die Credit Suisse gearbeitet hat, präsentierte Ideen wie die Einführung von Komplementärwährungen, die z.B. in der Schweiz schon seit über 75 Jahren umgesetzt werden. Außerdem die WIR-Währung, eine Business to Business Finanzierung, die auf der Basis von Verrechnungseinheiten funktioniert und fast ohne Zinsen auskommt und bisher in der Schweiz zur Finanzierung von Krediten für die Realwirtschaft eingesetzt wird. Ein gutes Modell, was gerade auch dem Deutschen Mittelstand aus der derzeitigen Kreditklemme helfen könnte.


Zur Einführung in Deutschland plant Heike Isenschmid hierzu mit einer Gruppe von Finanzmarktreformern schon sehr zeitnah eine Fair-Share Nachhaltigkeitsbank einzurichten.

Obwohl mehr dem Umweltschutz zugetan und besonders aktiv in der Förderung von Solarenergie, pflichtete auch Dr. Herrmann Scheer, MdB und Mitbegründer von EUROSOLAR bei, dass in der Tat große globale Finanzmarktkorrekturen notwendig sind, gerade auch für die praktische Umsetzung von Umweltschutz und neuer Energie-Gewinnung. Er vertrat die These, dass ohne eine solche zukünftige Ausrichtung, die Kriege um die Verteilung von Rohstoffen zur Energieversorgung nicht abbrechen werden. Daher sei z.B. das Projekt ‚Desertec‘ seiner Meinung nach unverzichtbar und verlange nach besonderer Aufmerksamkeit.

Bei dem Projekt ‚Desertec‘ soll Strom aus Solarenergie in großen Mengen gewonnen werden und zwar in Gebieten Nordafrikas, die dann über ein sehr stabiles Kabel durch die Straße von Gibraltar auf den Europäischen Kontinent geleitet werden soll.

Hiermit würden dann auch Elektroautos wirklich einsetzbar und attraktiv, weil zukünftig auf den Einsatz von Atomkraftwerken verzichtet werden könnte.

Scheer genauso wie Rainer Braun, Anwalt und Friedensaktivist seit den achtziger Jahren, bedauerten daher die Realisierung der Nabucco-Gaspipeline, für die von der EU gerade die Verträge unterzeichnet wurden und die zukünftig zusätzlich zur geplanten Nord-Stream Gaspipeline für eine sichere Gasversorgung in Europa sorgen soll.

Lasha Tughushi hingegen, Chefredakteur der Tageszeitung Resonanz in Georgien machte der ansonsten Deutschen Diskussionsrunde klar, dass die Nabucco-Gaspipeline, die auch durch die Kaukasusländer führen und dort für ökonomische Belebung und Arbeitsplätze sorgen wird, zumindest vorerst von großer Bedeutung für eine zukünftige Friedenserhaltung sein wird. Denn Frieden, so Tughushi, sei natürlich immer von der wirtschaftlichen Situation der Menschen und den wirtschaftlichen Machtverhältnissen abhängig. Ebenso
erklärte er den Wunsch seines Landes Georgien, unter irgendein ‚Dach‘, wie er es formulierte, zu gelangen. Kleine Länder müssen sich in der heutigen schwierigen geopolitischen Lage Partner, bzw. ‚Dächer‘ suchen, die ihnen einen minimalen Schutz garantieren, so Tughushi - der dies vor dem Hintergrund der Erfahrung des Krieges im letzten Jahr August, als der übermächtige Nachbar Russland an der Georgischen Grenze seine Macht demonstriert hatte, erläuterte.

Tughushi, der neben seiner journalistischen Tätigkeit auch einen Universitätsabschluss in internationaler Politik und hier insbesondere der Konfliktvermeidung hat, betonte, dass ein kleines Land wie Georgien in einer solchen Situation dringend den Schutz einer NATO oder die Sicherheit der EU, oder wenigstens UN-Friedenstruppen benötigen würde, auch wenn er für diese Organisationen zukünftig andere Aufgaben erkennen könnte als die, die sie bisher wahrgenommen haben.

Medienpartner der Veranstaltung war das Medienmagazin „Berliner Journalisten“ (www.berliner journalisten.com) sowie der Internet-Radiosender Rockradio (www.rockradio.de), die die ganze Diskussionsrunde ins Internet übertrugen.

Teilnehmer: Heike Isenschmid (Finanzreformerin, ehemals UBS Bank), Lasha Tughushi (Chefredakteur ‚Resonanz‘, Georgien), Reiner Braun (Völkerrechtler - IALANA), Dr. Herrmann Scheer (MdB, Dokumentarfilm: Let´s make Money), Prof. Dr. Klaus Buchner (ÖdP) und Hans Christian Ströbele (Grüne, MdB).
Bericht: Jutta Rabe

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Titelthema:
Europa

Titelbild: NDR/Pro7, Willi Weber







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