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7. August 2009

Google ist der Kiosk im Netz - Pro und Contra Paid Content
Abgelegt unter: Medien | Richard Schnabl um 11:02

Google ist der Kiosk im Netz. Diesen schönen Satz prägte der Chefredakteur von stern.de, Frank Thomsen in einem Interview mit meedia.de. Stern.de steht kurz vor einem Relaunch und hofft, zu Spiegel-Online und bild.de aufschließen zu können. Die Frage der angemessenen Vergütung im Internet steht seit längerem im Raum und wird durchaus kontrovers diskutiert. Neben der “angemessenen Vergütung für Inhalte im Netz”, für die Hubert Burda kürzlich eintrat, fordern auch Journalisten von den Verlagen angemessene Vergütungen, nicht nur für die Mehrfachverwertung, auch schon für den Erstauftrag. Jetzt gab Rupert Murdoch bekannt, 2010 die Webseiten der News-Corporation kostenpflichtig zu machen, da für “Qualitätsinhalte” auch bezahlt werden soll. Nun erschließt sich dem Betrachter der “Qualitätsinhalt” von Seiten wie TheSun oder NewYorkPost zugegebenermaßen schwierig, in größerem Maße “Paid-Content” wird damit aber nicht zu erzielen sein. Allenfalls Fachinformationen, die dem Nutzer einen Wissensvorsprung ermöglichen und sich wiederum kommerziell nutzen lassen, werden als Paid-Content im Internet laufen. So betreibt das Handelsblatt erfolgreich einen kostenpflichtigen Newsletter für Finanzberater. “Für ein Publikumsmedium taugt unser Weg aber nicht”, so Handelsblatt Chefredakteur Bernd Ziesemer (55) in einem Interview für das Medium-Magazin. Lionel Barber, Chefredakteur der Financial Times (London) wagt gar die Prognose: „In den nächsten zwölf Monaten werden fast alle Nachrichtenanbieter Geld für ihre Inhalte nehmen“. Für Klatsch, Tratsch, Halbwahrheiten und frei erfundene Geschichten der Unterhaltungsportale wird jedoch die Netzgeneration kein Geld ausgeben wollen, Schwachsinn gibts auch kostenlos schon genug im Netz. Google ist also der “falsche Feind”, denn “die Medienmacher haben es selber in der Hand, welche Inhalte sie kostenlos ins Netz stellen”, so Google-Manager Josh Cohen in einem Interview mit der Berliner Zeitung.  Jeff Jarvis, New Yorker Professor für interaktiven Journalismus wird in dem Artikel mit dem Satz zitiert: “Nicht die Zeitungen sind wichtig für die Demokratie, der Journalismus ist es. Leider wollen einige Leute nur ihre Besitzstände verteidigen”. Damit ergibt sich auch gleich die Frage, wer anspruchvollen Journalismus, für die Demokratie überlebenswichtig, im Internet finanziert. Da Paid Content nicht läuft, müssen andere Finanzierungsmodelle gefunden werden, Werbefinanzierung, Cross-Finanzierung  aber auch, in geringem Umfang Paid Content. “Es wird für die Medienriesen von heute so gut wie unmöglich sein, ihre Dominanz ins Internetzeitalter hinüberzuretten. Die Frage, wie die Konzerne von heute den im klassischen Bereich verlorenen Umsatz online wettmachen können, ist einfach zu beantworten: Gar nicht. Online-Content wird die Strukturen solcher Riesenkonzerne nicht tragen können. Überleben können die Anbieter von heute nur, wenn sie radikal schlanker werden”, so Andreas Göldie auf Netzwertig.com. “Keiner weiß, wie man die Finanzierungslücke durch das Wegbleiben der Werbung schließen kann. Kurative Schnellrezepte gibt es nicht, die bislang vorgeschlagenen bleiben im palliativen Bereich. Das Kalkül, Gewinne mit Abo-Geld von “Umsonst-Lesern” oder von Google einzustreichen, verdankt sich zum Teil einer Wut, der mit solchen Forderungen Luft gemacht wird. Möglicherweise lindert das den Affekt”, meint Thomas Pany auf Telepolis. Der Qualitätsjournalismus wird fraglos den Niedergang der gedruckten Zeitung überleben. Vermutlich werden wir allerdings die Basislektion jedweder Ökonomie neu lernen müssen: „There’s no such thing as a free lunch“. Anspruchsvolle geistige Nahrung wird es auch im Internet auf die Dauer wohl nur geben, wenn wir dafür bezahlen.” So Stephan Ruß-Mohl auf carta.info. Thomas Knüwer beleuchtet das Für und Wider von Paid Content auch von der betriebswirtschaftlichen Seite: Ein Versuch über die Ökonomie journalistischer Inhalte. Noch ein abschließender Gedanke: Das Netz lebt von Links, vom Verknüpfen verschiedener Quellen und Meinungen, wie in diesem Beitrag demonstriert. Auf kostenpflichtige Seiten kann man aber nicht verlinken, der Leser möchte ja schwerlich genötigt werden, für einen Link zu bezahlen. Paid Content ist damit mehr elektronische Zeitung und nicht internettypisch, da das Web ja genau durch diese Links erst lebt.

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Aktuelles Heft Nr. 4-2010
Titelthema:
Mobilität

Titelfoto: Denis Balibouse/ Solar Impulse, Alex Häsler
Fotomontage: Lammel/Reblin







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