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15. September 2009

TV-Duell: “Journalistische Katastrophe”
Abgelegt unter: Medien | Richard Schnabl um 16:02

Zeit-Autor Jörg Lau bringt es auf den Punkt: Die Veranstaltung am Sonntag, bezeichnet als TV-Duell war eine “journalistische Katastrophe”. “Halten diese Kollegen eigentlich das Publikum für doof und uninteressiert? Oder glauben sie, dass es eigentlich um nichts geht? Sie vermittelten jedenfalls den Eindruck”, so Jörg Lau. Die FAZ spricht vom “metapherngeladenen Krawallstil “, stuft die Moderatoren als “streitgeil, hämisch, überheblich” ein und kommt zu dem Schluss: “An Inhalten waren das Moderatoren-Tribunal nicht interessiert, allein an möglichen Ausrutschern oder an Eingeständnissen.”  Beschämend für die öffentlich-rechtlichen Sender ist, dass deren Vertreter Illner und Plasberg besonders oft aus der Rolle fielen, während Sat1-Moderator Peter Limbourg sich um ein wenig Sachlichkeit bemühte. “Nur mühsam konnten Kanzlerin und Vizekanzler offenbar ihr Misstrauen verbergen, dass die vier Interviewer der komplizierten Materie womöglich nicht gewachsen sind,” höhnt darum auch die Süddeutsche Zeitung . Nicht Merkel oder Steinmeier war die Entscheidung: “Wenn einer technisch k. o. ging, dann die versammelte Runde der Spitzenmoderatoren des deutschen Fernsehens,” so die SZ. “Maybrit Illner und Frank Plasberg unterbrachen die Kandidaten mitunter nachgerade, als hätten die Moderatoren sich nicht nur die Fragen, sondern auch gleich noch die richtigen Reaktionen notiert und stellten nun unwirsch fest, dass das Personal falsch antworte. Der Satz des Abends gehörte Steinmeier und empfahl sich zur Wiederverwendung: „Haben Sie doch einfach Interesse an meinem Argument!“, so Jürgen Kaube auf FAZ-Net, der dann noch anmerkt: “Aber es waren eben gar keine Journalisten, sondern Moderatoren und Nachrichtensprecher, die hier zum Einsatz kamen, mediale Mannequins.” Florian Rötzer spricht auf  TELEPOLIS von “narzisstischen Moderatoren ” und meint, das TV-Duell habe die “Trostlosigkeit der Republik offenbart”. Plasberg “killte das Duell” schreibt Michael Spreng: “Es war etwa zur Halbzeit des TV-Duells, als Maybrit Illner die entscheidende Frage stellte: Wer zahlt für die Schulden? Wen trifft es?…An dieser Stelle hätten sich alle vier Moderatoren auf das Thema “Wen trifft es?” werfen müssen. Dann wäre es nicht nur spannend, sondern auch wichtig für die Zuschauer geworden. … Aber ausgerechnet der sonst so pfiffige Frank Plasberg befreite Merkel und Steinmeier aus der Bredouille und warf zur Unzeit das Stichwort Gesundheit in die Debatte. Und damit war die Chance vertan, beide zu konkreten Aussagen zu zwingen, wer für die Krise bezahlen soll. Plasbergs Eingangshinweis (”Wenn nicht jetzt, wann dann?”) wurde von ihm selbst ad absurdum geführt.” Robin Meyer-Lucht kommt auf Carta.info dann auch auf den Punkt: “Das “Duell” war nicht die Feier einer Fernsehkultur, wie es sich die Veranstalter erhofft hatten. Es war der Bankrott eines TV-Journalismus, der sich in den letzten Jahren zum dominanten Paradigma der Bewegtbild-Politikvermittlung hochgedient hat. Auf der ganz großen Bühne war zu besichtigen, wie zuspitzungsversessen, flapsig und völlig unangemessen die Politikvermittlung mittlerweile im deutschen Fernsehen geworden ist. So kann es nicht weitergehen.” Vorhang zu und alle Fragen offen!
Wir hatten es geahnt. Leider ist diese Art Krawalljournalismus seit einigen Jahren Standard im deutschen Fernsehen. Bereits im Juni schrieben wir über eine Sendung mit Merkel bei Illner: ”Bodenlose Frechheit“.



Aktuelles Heft Nr. 1-2010
Titelthema:
Wissenschaft

Titelfoto: Bernd Lammel







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