“Etwas Grundlegendes geschieht, nicht nur in Anklam, sondern im ganzen Land. In bislang nicht gekanntem Umfang entlassen Zeitungsverlage ihre Leute, schließen ganze Redaktionen, lagern sie aus, ersetzen fest angestellte Redakteure durch billige Leihkräfte. Ein »Revolutionsjahr« nennt es Michael Seidel, der Chefredakteur des Nordkuriers. Über ein »Jahr der großen Transformation« spricht Konstantin Neven DuMont, der Verleger der Berliner Zeitung. Es ist ein Jahr, in dem die Werbeerlöse um schätzungsweise 20 Prozent gesunken sind. Eine der zwei wichtigen Geldquellen der Verlage wurde zum Rinnsal. Die große Frage ist, was bleibt nach diesem Jahr von der Presse übrig? Und wo gibt es trotzdem noch journalistische Erfolgsgeschichten?”(Die Zeit)
Was so schön als Selbstinszenierung des Bild-Chefs als KaiDiekmann.de daherkommt, ist offenbar nichts weiter als ein Marketinggag des Springer-Verlages, welches das Impressum unschwer erkennen lässt. Zurzeit tobt ja ein skurriller Streit mit der TAZ um einen Schwanz und die TAZ hat so ihre liebe Müh, aus dem Gag unbeschadet heraus zu kommen. Nun hat sich Kai Diekmann aber auch noch mit dem Redakteur der Berliner Zeitung Christian Bommarius angelegt weiterlesen…
29. November 2009
Medienkrise: “Kostet eine Zeitung bald Fünf Euro” und “Vom Veröden und Verblöden”
“5,40 statt 1,80 Euro könnte in einigen Jahren Der Standard kosten. Das ventilierte zumindest dessen Herausgeber Oscar Bronner (im Foto links) bei der Eröffnungsdiskussion des “Mediengipfels am Arlberg“. Laut Bronner findet gerade die “größte Umwälzung, die es im Medienwesen je gegeben hat”, statt. weiterlesen…
28. November 2009
Rumänisches Verfassungsgericht: Vorratsdatenspeicherung verstösst gegen die Menschenrechte und ist verfassungswidrig
Die rumänische Umsetzung der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung wurde vom Verfassungsgericht in Bukarest (Curtea Constituţională a României) für verfassungswidrig erklärt. Zur Begründung hieß es, das Gesetz widerspreche Artikel 28 der rumänischen Verfassung: dem Kommunikationsgeheimnis.
Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung hat heute die deutsche Übersetzung des Urteils des Verfassungsgerichtshofs Rumäniens veröffentlicht, der das rumänische Gesetz zur sechsmonatigen Vorratsspeicherung aller Verbindungs-, Standort- und Internetzugangsdaten am 8. Oktober 2009 als verfassungswidrig verworfen hat. weiterlesen…
Langjähriger SPIEGEL-Chefredakteur Erich Böhme verstorben.
17 Jahre, von 1973 bis 1989 war Erich Böhme Chefredakteur des Spiegel, danach 4 Jahre Herausgeber der Berliner Zeitung. Er moderierte 393 Sendungen “Talk im Turm” auf Sat1 und verabschiedete sich 2002 ins Privatleben. Heute ist Erich Böhme in Alter von 79 Jahren verstorben. Deutschland verliert einen großen Journalisten. (mehr auf Spiegel.de, sueddeueutsche.de)
Als schweren Schlag gegen die Rundfunkfreiheit hat der Deutsche Journalisten-Verband die heutige Entscheidung des ZDF-Verwaltungsrats kritisiert, den Vertrag von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender nicht zu verlängern. „Hier haben parteipolitische Ränkespiele die Oberhand über die Unabhängigkeit und die verfassungsrechtlich gebotene Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gewonnen“, sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. weiterlesen…
Am heutigen Freitag will Roland Koch den ZDF-Chefredakteur Brender aus dem Amt jagen. Dabei geht es nicht nur um eine Personalie, sondern um den Einfluß der Politik auf die Medien: Dem hessischen Ministerpräsident scheinen zähe, unbequeme und überparteiliche Journalisten nicht zu passen. Verfolgen Sie live das Geschehen auf compact.de oder auf carta.info. Hier die vollständigen Erklärungen von Kurt Beck, Roland Koch und Markus Schächter weiterlesen…
WAZ-Gruppe setzt Chefredakteur Lochthofen ab - DJV Thüringen protestiert gegen Rausschmiss
Er ist das Gesicht der Thüringer Allgemeinenund durch zahlreiche Fernsehauftritte ( u.a. im Presseclub) in politischen Gesprächsrunden auch ein gefragter Kenner der Zustände in den neuen Bundesländern. Jetzt haben die Eigentümer der Zeitung, der Essener WAZ-Konzern beschlossen, Sergej Lochthofen (56) als Chefredakteur zu entlassen. weiterlesen…
26. November 2009
Stellen holländische Journalisten die besseren Fragen?
Vor fast einem Monat stellte der holländische Journalist Rob Savelberg auf der Bundespressekonferenz anlässlich der Vorstellung der neuen Bundesregierung der Kanzlerin die Frage, wie sie Herrn Schäuble zum Finanzminister machen konnte, obwohl dieser doch das Parlament belogen habe und “vergessen” hatte, von einem Waffenhändler 100000 DM in bar erhalten zu haben (wir berichteten). Das Medienecho war gewaltig, das Video bei Youtube ein Bestseller. Wieso hat kein deutscher Journalist diese Frage gestellt, fragt auch Savelberg in einem Interview auf blogsprache. Hat Frau Illner etwa schon die Schere im Kopf, wenn ihr Herr Schäuble gegenüber sitzt und sie entscheidende Fragen nicht stellt. Schäuble macht auf unwissend und Illner hakt nicht nach. Was wohl daran liegt, dass nicht Journalisten sondern “mediale Mannequins” (Jürgen Kaube) die Politiker interviewen.
Und dieser Ausschnitt aus der ZDF-Sendung Frontal21 dürfte wohl erklären, warum sich aus Sicht der CDU beim ZDF was ändern muss. Es geht schließlich um Wählerstimmen von 20 Millionen Rentnern und die darf man nicht mit verwirrenden Beiträgen verunsichern. Alles klar?
25. November 2009
Die Demokratie braucht eine funktionierende Öffentlichkeit
Die Wirtschaftsjournalistin Ursula Weidenfeld bringt es auf den Punkt: Die demokratische Gesellschaft “braucht eine Öffentlichkeit, in der der Diskurs des Gemeinwesens stattfinden kann – über auseinanderdriftende Mediengenerationen hinweg.” Über Bezahlung zu diskutieren ist zwar wichtig, sei aber nicht das Wichtigste.
Auch in diesem Blog sind die Themen Medienkrise und Qualitätsjournalismus stets präsent. weiterlesen…
Kai Diekmann macht sich Sorgen um die TAZ
Abgelegt unter: Glosse, Medien | Richard Schnabl um 12:53
Kai Diekmann treibt die Sorge um. Diesmal ist es nicht die sinkende Auflage seiner Bild, die ihm Sorgefalten ins Gesicht treibt, es ist die von ihm liebgewonnene TAZ, um die er sich sorgt. Warum, ist auch ganz schnell erklärt: “Ganz einfach: Da steckt mein privates Geld drin!”, so Diekmann im Interview mit der FAZ. Er ist nämlich Anteilseigner der TAZ-Genossenschaft. weiterlesen…
Der RTL-Nachmittag: “Pseudodokumentarische Krawallgeschichten, die von Laiendarstellern holprig vorgetragen werden. Über deren unterirdisches Niveau ist fast alles gesagt, die treffendste Zusammenfassung lieferte Dieter Nuhr: “Asis spielen Asis für Asis.” Über deren unschlagbaren Publikumserfolg aber auch: “Familien im Brennpunkt” liegt bei 23,9 % Marktanteil, “Verdachtsfälle” bei 21,6 %”. So Torsten Zarges auf kress.de. weiterlesen…
Nach dem Mord an mindestens zwölf Journalisten ruft Reporter ohne Grenzen (ROG) die philippinischen Behörden zu einer entschlossenen Reaktion auf. Am Morgen des 23. Novembers waren die Medienvertreter sowie 30 weitere Menschen in der Provinz Maguindanao auf der Südinsel Mindanao getötet worden. weiterlesen…
Fall Brender - FAZ warnt vor Staatsrundfunk - Chefredakteure warnen vor Angriff auf die Pressefreiheit
35 führende deutsche Staatsrechtler warnten in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in einem Offenen Brief vor der versuchten Einflussnahme der CDU auf die Besetzung des Chefredakteursposten beim ZDF. (wir berichteten) Am Montag legte die FAZ nach und warnt vor einem Staatsrundfunk. weiterlesen…
Die Galerie Johanna Breede in Berlin, stellt vom 21. November 2009 bis zum 23. Januar 2010 Fotografien von Louis Stettner aus. Das frühlingshafte Wetter zog am vergangenen Samstag viele Schaulustige in die Galeriemeile in der Charlottenburger Fasanenstraße. Der Fotograf, der heute in Paris lebt, war zur Vernissage selbst nach Berlin gekommen.
Der Fotograf Louis Stettner auf der Vernissage in der Galerie Breede Foto: Bernd Lammel
Der 1922 in New York geborene Louis Stettner war von 1940 bis 1945 Kriegsfotograf und ging nach Kriegsende nach Paris. Sein Werk ist von bedeutenden französischen Fotografen geprägt. 1952 ging Louis Stettner zurück nach New York, wo er für Magazine wie Life und Time arbeitete und die Stadt und die Menschen fotografierte - immer mit dem Blick für das Alltägliche. weiterlesen…
Die im südthüringischen Suhl erscheinende Zeitung Freies Wort soll demnächst nicht mehr im eigenen Druckhaus produziert werden. Die Druckerei werde geschlossen. Das beschlossen die Gesellschafter Süddeutscher Verlag München, der zu SWMH gehört und die SPD-Medienholding DDVG, die 30% der Anteile hält. Es sind etwa 100 Mitarbeiter von der Schließung betroffen. Den betroffenen Familien droht in der strukturschwachen und von Abwanderung geprägten Gegend Arbeitslosigkeit. Die Betroffenen hatten bis zuletzt für einen Erhalt des Druckzentrums gekämpft.
22. November 2009
Der Fall Brender - ein Prüfstein für die Rundfunkfreiheit
Abgelegt unter: Kommentar | Richard Schnabl um 16:21
Dass die CDU-Vertreter im ZDF Verwaltungsrat den Vertrag von Chefredakteur Nikolaus Brender nicht verlängern wollen, ist seit geraumer Zeit Thema in den Medien und es melden sich immer mehr Politiker und Journalisten zu Wort, die diesen Eingriff der Politik in die Unabhängigkeit der Medien nicht hinnehmen wollen. Unter ihnen ist der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner und der FAZ Herausgeber Frank Schirrmacher (wir berichteten) Nun melden sich 35 führende deutsche Rechtsprofessoren zu Wort, die in einem Offenen Brief das Vorhaben der CDU, den Chefredakteur des ZDF bestimmen zu wollen, scharf kritisieren. Die Unterzeichner zählen zu den angesehensten Staatsrechtlern der Bundesrepublik. In dem Schreiben heisst es: “Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG garantiert die Rundfunkfreiheit. Sie ist eine wichtige Säule unseres demokratischen Staatswesens. An dieser Säule wird gerade gesägt, und zwar von einigen Mitgliedern des Verwaltungsrats beim ZDF. … Es handelt sich um den offenkundigen Versuch, einen unabhängigen Journalisten zu verdrängen und den Einfluss der Parteipolitik zu stärken. Damit wird die Angelegenheit zum Verfassungsrechtsfall und deshalb mischen wir uns ein.” (FAZ) weiterlesen…
20. November 2009
WEB gegen Print - Journalisten protestieren in Berlin und diskutieren in Monaco
Rund 120 Mitarbeiter des Berliner Verlags haben am Dienstag vor der Verlagszentrale in Berlin gegen die Schließung der Onlineredaktion der “Netzeitung” und die Kündigung von 17 festangestellten Mitarbeitern protestiert. Betriebsratsvorsitzende Renate Gensch sagte, dass die Kündigung erfahrener Onlineredakteure nicht nachvollziehbar sei und im Widerspruch zu den Internet-Plänen des Medienhauses stehe. weiterlesen…
Ulrich Wickert über ARD und ZDF: “Es fehlt an einem Sinn für die Verbreitung wichtiger Inhalte.”
Bei den Feierlichkeiten zum 20. Jahrestags des Mauerfalls muss dem ehemaligen Tagesthemen-Moderator offensichtlich der Kragen geplatzt sein. In einem Gastbeitrag für die FAZ beklagt Wickert die “sprachliche Verlotterung” und die Übernahme des “Kurzsprechs” der Nachrichtenagenturen in den Nachrichtensendungen von ARD und ZDF. Aber schlimmer noch: “Den Machern scheint das Bewusstsein für ihren öffentlich-rechtlichen Auftrag, für eine Grundversorgung politischer Information zu sorgen, abhandengekommen zu sein. weiterlesen…
18. November 2009
Journalismus in bedauernswertem Zustand - Der Deutschlandfunk fasst zusammen
Auf dem Mainzer Mediendisput wurde über die Zukunft der Medien und des Journalismus diskutiert. Unter dem Titel “Kein Geld, keine Zeit, kein Platz” fasst der Deutschlandfunk die wesentlichen Aussagen zusammen. Recherchereisen:“Fragen Sie heute mal einen Redakteur am Telefon nach Reisespesen. Da kommen manchmal Geräusche aus der Hörmuschel, die sie bislang nur aus Hagenbecks Tierpark kannten.”weiterlesen…