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18. November 2009

Journalismus in bedauernswertem Zustand - Der Deutschlandfunk fasst zusammen
Abgelegt unter: Medien | Richard Schnabl um 05:38

Auf dem Mainzer Mediendisput wurde über die Zukunft der Medien und des Journalismus diskutiert. Unter dem Titel “Kein Geld, keine Zeit, kein Platz” fasst der Deutschlandfunk die wesentlichen Aussagen zusammen. Recherchereisen: “Fragen Sie heute mal einen Redakteur am Telefon nach Reisespesen. Da kommen manchmal Geräusche aus der Hörmuschel, die sie bislang nur aus Hagenbecks Tierpark kannten.”Uber Lokaljournalismus: Bei mir ist das vor allem der ostwestfälische Raum, Neue Westfälische, zum Teil WAZ-Gruppe. Die schreiben dort, wenn sie ne halbe Seite haben, kriegen sie 24 Euro und dazu gesagt: sie müssen auch noch drei Fotos liefern zu dem Thema. Und, was ich das Furchtbarste finde, denn als Sprungbrett kann man so was ja machen: es bürgert sich ein, dass diese Verantwortlichen für die Lokalseiten nichts mehr redigieren.” Und überhaupt, der Sinn mancher Meldungen: “Für die Art und Weise, wie natürlich immer und immer wieder voneinander abgeschrieben wird. Wie bestimmte Leitthesen der Regierung nie hinterfragt werden auch im Sinne von wissenschaftlich ausgelotet werden und daher wundere ich mich eigentlich überhaupt nicht, dass viele Leute nicht bereit sind, im Internet für die Inhalte, die sie sonst bezahlen müssten, (nicht) mehr zu bezahlen, weil sie einfach nicht mehr erkennen, was eigentlich der Wert dieser Nachrichten sein sollte.”
Leider ist es oft so, dass in den Medien Zahlen nicht hinterfragt  oder willkürlich interpretiert werden. Ein schönes Beispiel kann man hier nachlesen. Die immer wieder verkündeten Wachstumszahlen der Wirtschaft erinnern an den “Babyboom” der Ursula von der Leyen, die der Presse willkürlich zusammengestellte Zahlen präsentierte, die sich bei genauer Nachprüfung als Flop erwiesen. Trotzdem berichteten viele Zeitungen über den angeblichen Babyboom in grosser Aufmachung. (wir berichteten)

Der Journalismus befindet sich aber auch aufgrund eines Strukturwandels in einer tiefen Krise. “Die Verelendung des News-Journalismus begann vor der gegenwärtigen Krise durch die historisch nur kurzfristig funktionierende Kommerzialisierung des ganzen Zeitungswesens einerseits, durch die Dualisierung des Rundfunks anderseits. Beides bescherte uns schlechteren Journalismus,” und weiter: “Gestandene Journalisten recherchieren für Online-News und die Frontseite unter Partygirls über Blowjobs … oder schreiben … einfach von anderen Medien ab. Ausserdem besteht eine Kluft zwischen Aus- und Weiterbildung und den verfügbaren Jobs: Gefragt ist der Allrounder, nicht der Spezialist und Analytiker. Der Abbau der Ressortstrukturen verändert das Berufsbild, er zerstört einschlägige Kenntnisse und mutiert die medienvermittelte Kommunikation vom klassischen analytisch-normativen Modus des vielfältigen Ressortjournalismus zum moralisch-emotionalen Journalismus der fröhlichen Einheitsbrei-Redaktionen.” (NZZ)

Lesen Sie in diesem Zusammenhang auch die Studie der Hochschule Darmstadt über den Zustand des Journalismus.

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Titelthema:
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Titelbild: NDR/Pro7, Willi Weber







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