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20. November 2009

Ulrich Wickert über ARD und ZDF: “Es fehlt an einem Sinn für die Verbreitung wichtiger Inhalte.”
Abgelegt unter: Medien | Richard Schnabl um 04:31

wickert
Ulrich Wickert - FOTO: R.  Schnabl

Bei den Feierlichkeiten zum 20. Jahrestags des Mauerfalls muss dem ehemaligen Tagesthemen-Moderator offensichtlich der Kragen geplatzt sein.  In einem Gastbeitrag für die FAZ beklagt Wickert die “sprachliche Verlotterung” und die Übernahme des “Kurzsprechs” der Nachrichtenagenturen in den Nachrichtensendungen von ARD und ZDF. Aber schlimmer noch: “Den Machern scheint das Bewusstsein für ihren öffentlich-rechtlichen Auftrag, für eine Grundversorgung politischer Information zu sorgen, abhandengekommen zu sein. Ganz bewusst spreche ich von Information, denn dieser Begriff umfasst mehr als die Nachrichten.” An der Berichterstattung über die Feiern zum Mauerfall bemängelt Wickert, dass im Gegensatz zum französischen Fernsehen France 2, ”das die Gedenkfeiern am 9. November in Berlin so bedeutend fand, dass es schon am Nachmittag eine Stunde lang in einer Sendung mit dem ehemaligen Außenminister Roland Dumas den Auftritt Angela Merkels an der Bornholmer Straße live sendete”, die ARD „Sturm der Liebe“ zeigte. Während das französische Fernsehen vom Brandenburger Tor berichtete “liefen in der ARD so bedeutsame Sendungen wie „Verbotene Liebe“ und „Marienhof“, weil wohl  ”auch in den hohen ARD-Etagen der Sinn für eine politische Grundversorgung fehlt”. Aber noch schlimmer: “Das ZDF sendete am Nachmittag von der Bornholmer Straße, ließ am Brandenburger Tor aber den für ein solches Ereignis wirklich nicht geeigneten Thomas Gottschalk ans Mikrofon.” Es mangelt nicht nur an Inhalt, es mangelt auch an Stil. Frank Plasberg tritt gegenüber der Bundeskanzlerin ohne Schlips auf, für Wickert eine Respektlosigkeit und Thomas Kausch verzichtet nicht auf seine Standardfloskel „Ciao“. Ulrich Wickerts Fazit: “Es fehlt nicht nur an einem Sinn für die Verbreitung wichtiger, aktueller politischer Inhalte. Erst recht habe ich den Eindruck, es fehlt auch an der Einordnung. Aber genug der Klage. Ob es noch schlimmer werden wird, ist unklar, bleibt abzuwarten oder wird sich zeigen.”

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