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14. Dezember 2009

Unkontrollierter Lobbyismus gefährdet die Demokratie - unkritischer Journalismus auch
Abgelegt unter: Medien, PR | Richard Schnabl um 16:32

“Die Kombination aus Lobbyismus und systematischer Meinungsmache ist tödlich. Von demokratischer Willensbildung und demokratischer Entscheidungsfindung kann man nicht mehr sprechen, wenn die entscheidenden Meinungsbildungsprozesse und damit die Entscheidungen von denen bestimmt werden, die über viel Geld und publizistische Macht verfügen. Dann herrschen die großen Interessen und die Oberschicht. Und den Satz, alle Gewalt gehe vom Volke aus, können wir schlicht begraben”, meint der Publizist und Journalist Albrecht Müller in einem Interview mit Even Güvercin. Auf die Frage: Sind Journalisten unkritischer geworden antwortet Müller: “Früher war nicht alles besser. Das sei vorweg klargestellt. Aber wir hatten schon bessere Zeiten, was unsere Medien betrifft. Wir hatten mehr Pluralität; jetzt haben wir es in vielen Regionen nur noch mit einer einzigen Zeitung zu tun. Oft besitzen die gleichen Medienkonzerne auch noch den Hörfunk in der Region oder sogar lokales Fernsehen. – Dann werden wir anders als noch vor 25 Jahren von unzähligen Fernsehprogrammen und noch dazu kommerziellen Programmen überflutet. Viele Menschen sind damit ausreichend beschäftigt und interessieren sich nicht mehr für Politik. Was man kritisches Bürgertum nennen könnte, ist geschrumpft. Hinzu kommt ein Schrumpfungsprozess bei ehedem kritischen Medien. Die gibt es fast nicht mehr. Der Spiegel zum Beispiel ist heute über weite Strecken ein Teil des Kampagnenjournalismus. Dort ist die Propaganda für die neoliberalen – so genannten – Reformen massiv gelaufen. Auch andere Medien wie etwa die Süddeutsche Zeitung oder Die Zeit haben an kritischem Biss eingebüßt. Die Fähigkeit zur Kritik, die Fähigkeit zum Zweifel ist aber wichtig, um gute politische Entscheidungen zu erreichen. Wenn Kritik ausfällt, dann können die Herrschenden machen, was sie wollen. Das ist dann nicht nur der Tod der Demokratie, sondern auch der Tod der Vernunft.”

Der Verleger Alfred Neven DuMont beklagt das seichte Niveau der Presse und den zunehmenden staatlichen Einfluss auf die öffentlich-rechtlichen Sender. Es bestehe kein Interesse an publizistischem Niveau, so Neven DuMont in einem Editorial der Frankfurter Rundschau. “Nicht nur Magazine wie der “Stern” und der “Spiegel” hatten in den letzten ein, zwei Jahrzehnten gewaltig unter Zahnausfall zu leiden, sondern genauso die politischen Magazine der Anstalten des öffentlichen Rechts. Wer erinnert sich noch an die Zeit, wo man sehnsüchtig der Sendung “Panorama” in der ARD entgegenfieberte, genauso wie dem nächsten “Spiegel” mit den neuesten Enthüllungen! Tempi passati….Wem gehört das Land? Der Politik? Oder dem Bürger? Wer profitiert von einer solchen Entwicklung? Die Politik? Oder die Bürger? Eine Zwischenbetrachtung fällt nicht günstig aus.”

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Titelthema:
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Titelbild: NDR/Pro7, Willi Weber







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