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4. Februar 2010

Ökonomische Sachthemen - Für Medien zu komplex?
Abgelegt unter: Medien | Richard Schnabl um 10:44

Vor ein paar Tagen sah ich im Fernsehen eine Reportage aus einem afrikanischen Land. Die dortigen Milchbauern ringen um ihre Existenz, weil billiges Trockenmilchpulver aus der EU den dortigen Markt überschwemmt und ein Liter Milch aus europäischer Trockenmilch nur ein Drittel der heimisch erzeugten Frischmilch kostet, obwohl die Milchbauern in Afrika nur afrikanische Löhne verdienen. Auch den deutschen Milchviehhaltern geht es bekanntlich nicht gut, ist der Milchpreis in den Supermärkten längst nicht kostendeckend für die Erzeuger. Ohne den subventionierten Ankauf von Milch zur Trockenmilcherzeugung würde es den deutschen Milchbauern noch schlechter gehen. So wird also ein Problem ins Ausland verschoben und dort ein neues erzeugt. Für viele Medien erscheint das Thema aber zu komplex. Wie oft liest man über das Auseinanderdriften der Euro-Zone? Haben sich doch die Medien nach anfänglicher kurzer Aufregung fast einhellig zum Lob des Euros entschlossen. Die Vorteile wurden einseitig hervorgekehrt und der wirtschaftlichen Zusammenhänge zwischen Stärke der Währung und der jeweiligen Wirtschaft außer Acht gelassen. Vielmehr hätte ausführlich in den Medien diskutiert werden müssen, warum es Ländern wie Portugal, Griechenland oder Italien über Jahrzehnte nicht gelungen ist, eine stabile Währung zu bekommen. Ganz einfach, weil sich die Wirtschaft dieser Länder nicht so entwickelte, wie die Wirtschaft der Hartwährungsländer. Daran zu glauben, dass die bloße Installation einer Hartwährung in einem Land mit schwacher Wirtschaft zu einer starken Wirtschaft führt ist Utopie. Vielmehr wird die Wirtschaft des Landes weiter geschwächt, da irgendwann Importe durch die harte Währung bedingt, billiger werden als die Produktion im Lande. Auch ohne Subventionen können wirtschaftlich starke Länder so durch konstante Wechselkurse oder die Einheitswährung Euro bedingt schwache Länder an die Wand drücken. Ohne Einheitswährung Euro wäre die Drachme oder die Lire längst abgewertet, die DM längst aufgewertet worden und das Import-Exportverhältnis wäre einer gewisen Regulation unterworfen. Jens Berger beschreibt auf TELEPOLIS unter der Überschrift: Euroland ist abgebrannt die Disproportionen in der EU am Beispiel Griechenlands. ” Elf Jahre nach Einführung des Euros als Buchgeld ist die Eurozone ungleicher denn je – auf der einen Seite das hochproduktive Deutschland mit seinen verhältnismäßig niedrigen Löhnen, auf der anderen Seite die weitaus weniger produktiven Länder wie Griechenland, Portugal oder Spanien, in denen die Löhne fast deutsches Niveau haben. Ohne eine gesunde Anpassung der Nationalwährungen, die diese Disparitäten automatisch auflösen würden, haben die ärmeren Euroländer kaum eine Chance, alleine ihre Schulden zurückzahlen zu können.”

Die Zukunft der Eurozone - Für die Medien zurzeit kein Thema? Ist das Thema zu komplex oder herrscht immer noch die Gutgläubigkeit, die Probleme werden sich irgendwann, wenn die Wirtschaft der Länder sich in ihrer Produktivität angeglichen hat, von alleine lösen.  Oder plappern die meisten Medien nur die Gutgläubigkeit der Politiker nach, dass Sparen zum Ziel führe? Dazu Jens Berger: “Erschwerend kommt hinzu, dass die Rekordverschuldung (Griechenlands-RS), des letzten Jahres in Wirklichkeit wohl sogar noch viel höher ausgefallen ist. Die EU-Kommission prüft momentan die Unterlagen staatlicher Betriebe in deren Bilanzen wahrscheinlich – ganz nach Churchills Devise: Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast! – abseits der offiziellen Statistik zusätzliche Schulden versteckt wurden. Dass derlei Sparpläne das Schuldenproblem lösen, glauben allenfalls die deutschen Minister Westerwelle und Brüderle. Aber die beiden Herren glauben ja auch, dass man die Staatsfinanzen durch Steuersenkungen sanieren könne – seltsam, dass sie dies noch nicht ihren griechischen Kollegen vorgeschlagen haben….Griechenlands Problem heißt Euro. Eine Gemeinschaftswährung ist nur dann sinnvoll, wenn die Mitglieder halbwegs vergleichbare makroökonomische Merkmale haben und eine gemeinsame Strukturpolitik betreiben. Was wäre beispielsweise aus der ehemaligen DDR geworden, wenn sie zwar die westdeutsche Währung und die westdeutschen Löhne bekommen hätte, aber keine Transferleistungen? Ostdeutschland wäre nicht nur ein Armenhaus, sondern auch bis über beide Ohren verschuldet.”

“Und was hat das mit Guido Westerwelle zu tun? Tja, der hat irgendwie gerade dasselbe vor. Die Steuern um (fast) jeden Preis senken. Willkommen bei den Griechen”, bemerkt Thomas Fricke auf FTD.



Aktuelles Heft Nr. 1-2010
Titelthema:
Wissenschaft

Titelfoto: Bernd Lammel







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