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9. Februar 2010

“Bestsellerautorin” Hegemann: Alles nur geklaut?
Abgelegt unter: Medien | Richard Schnabl um 09:47

Auf der Spiegel-Bestseller-Liste findet sich das Werk der 17jährigen Helene Hegemann  Axolotl Roadkill auf Platz 5 (Schrott, einfach Schrott). Offenbar stammen aber nicht alle Sätze auch wirklich von ihr. Das Blog gefühlskonserve listet Passagen auf, die teils wörtlich, teils sinngemäß aus dem Online-Roman Strobo des Berliner Bloggers Airen abgeschrieben sind.

Beispiel: Hegemann, Seite 80:
“Anstatt mir zu antworten, wickelt sie die Plastikfolie ab. Schlussendlich liegt auf dem Mahagonitisch eine Messerspitze bräunlichen Pulvers, das wie Instanttee aussieht und nach einer Mischung aus Zigarettenkippen, Müll und Essig riecht. Aus einem Stück Silberpapier dreht sie sich ein Röhrchen, auf ein weiteres schüttet sie die Hälfte des Pulvers. Als sie ein Feuerzeug unter die Folie hält, schmilzt das Heroin und zieht eine kleine Rauchschwade hinter sich her. Dieser Dampf wird von Ophelia mit Hilfe des besagten Aluröhrchens inhaliert, bis nur noch irgendwas ganz Schmutziges, Kleines, Böses zurückbleibt und sie mich fragt: »Und, wie sehen meine Pupillen jetzt aus?«”

Die gleiche Szene bei Airen auf Seite 65f:
“Schicht um Schicht wickle ich die Plastikfolie ab, bis in der Mitte eine gute Messerspitze bräunlichen Pulvers zum Vorschein kommt. Sieht in etwa so aus wie Instant-Tee und riecht säuerlich, wie eine Mischung aus Zigarettenkippen, Müll und Essig. Diacetylmorphin. Dann hole ich Alufolie. Aus einem Stück drehe ich mir ein Röhrchen. Auf ein anderes schütte ich ein Viertel des Pulvers. Sobald ich ein Feuerzeug unter die Alufolie halte, schmilzt das Heroin (…) und zieht eine kleine Rauchfahne hinter sich her. Mit dem Röhrchen im Mund versuche ich sie einzufangen. (…) Als alles verdampft ist und nur noch eine schmutzige Spur auf der Alufolie übrig bleibt, gehe ich ins Bad und begutachte meine Pupillen.”

Dazu schreibt Blogger Deef Pirmasens: “Das Schlimme an der Sache ist, dass Axolotl Roadkill derzeit in den Himmel gehypt wird und die kleine Helene sich zum Lieblingskind … vieler Feuilletonisten (siehe hier, etwas herunter scrollen) mausert. Airens Strobo kennt dagegen praktisch niemand, da es in einem kleinen Undergroundverlag und nicht wie Axolotl Roadkill bei Ullstein erschienen ist. So ist zu befürchten, dass Hegemann damit durchkommt, von einem guten, aber leider unerfolgreichen Autor abgeschrieben zu haben.” Ebenso fragt man sich, wieso namhafte Medien in ihren Rezensionen nichts gemerkt haben und einer 16jährigen gutgläubig derartige Dinge abnehmen? “Doch dann kommt einer dieser bösen »Blogger« (abfällig zu betonen) aus dem »Internet« (mit Ekel in der Stimme vorzutragen) und zeigt, dass die Autorin viele Passagen ihres Werkes einfach abgekupfert hat. Vorbei ist der Kindergeburtstag”, so Wolfgang Tischler im Blog Literaturcafé. Kann man ein Feuilleton, welches Abschreiben ohne Quellenangaben “voll OK” findet, noch ernstnehmen? “”Axolotl Roadkill” ist das neue Feuchtgebiet für die Kritiker”, so on3-südwild.
Der bestohlene Blogger Airen äußert sich in der FAZ so: “Ich habe ihren Roman (Hegemanns) gelesen, es ist genau die Art von Buch, die ich gern lese, aber es wäre auch ohne meine Stellen cool gewesen. Ich würde gern wissen, was Helene Hegemann gedacht hat. Was ich geschrieben habe, habe ich durchlitten - gottseidank bin ich ohne Krankheit davon gekommen. Das ist kein Roman, das ist mein Leben gewesen. Ich habe mir das nicht ausgedacht. Helene Hegemann hat das nicht erlebt. Ich habe das so erlebt.” (FAZ) Aber mit dem Urheberrecht nimmts die FAZ auch nur genau, wenn es ihr in den Kram passt: “Diebstahl von geistigem Eigentum ist gut, wenn daraus Literaturwunderliteratur entsteht (die ein Verlag extrem gut verkaufen kann); Diebstahl von geistigem Eigentum ist schlecht, wenn der Verlag der Beklaute ist (das verhagelt nämlich die Bilanz)”, so Wolfgang Michal auf Carta.de.

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Aktuelles Heft Nr. 4-2010
Titelthema:
Mobilität

Titelfoto: Denis Balibouse/ Solar Impulse, Alex Häsler
Fotomontage: Lammel/Reblin







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