4. März 2010
“Spitzelaffaire” um Klatschblatt Bunte weitet sich aus
Wie der stern in seiner neuestes Ausgabe berichtet, soll die Agentur CMK im Auftrag der Bunten auch die Ministerpräsidenten Oettinger und Wulff (beide CDU) und den ehemaligen Bundesverkehrsminister Tiefensee (SPD) heimlich observiert haben. Berichten zufolge seien 250.000 Euro Honorar dafür an die Rechercheagentur, die nach Medienberichten mehr wie eine Detektei arbeitet, geflossen sein. Auch wurde bekannt, “dass CMK im Auftrag der “Bunte” hinter dem ehemaligen Vizepräsidenten der EU-Kommission, Günter Verheugen, und seiner damaligen Kabinettschefin Petra Erler her war. Die internen Abrechungen, die nun vorliegen, weisen als Zeitraum der Aktion den 30. Juli bis 6. August 2007 aus. Das passt zu Erfahrungen, die Verheugen und Erler damals machten: Seinerzeit waren sie unter anderem auf einer Fahrt von Brüssel bis nach Deutschland verfolgt worden.” Dass ein Verlagshaus, dass öffentlich um Seriösität bemüht ist, mit Stalkermethoden das Privatleben von Politikern ausforscht, ist ein Skandal. Franz Müntefering will den Presserat anrufen. Eigentlich sind 250.000 Euro in der Zeit der Medienkrise eine Menge Geld und die werden dann, statt damit seriöse journalistische Projekte zu finanzieren, für Banalitäten ausgegeben, für “Recherche”-Methoden am Rande der Legalität. Nicht etwa die Arbeit der Politiker zum Wohle des Volkes oder deren Versäumnisse, etwa mangelnde Kontrolle, Verschwendung von Steuergeldern o.ä. sollten recherchiert werden, sondern ob diese Politiker neue Liebschaften oder gar (wie verwerflich) außereheliche Beziehungen haben. Als ob die Republik nicht Wichtigeres zu erfahren hätte. Wenn die Bunte über das Liebesleben oder den Liebeskummer eines B-Promis, die Fett- oder Magersucht einer dritten Kusine einer Prinzessin von Irgendwo oder angeblichen Celluliteproblemen eines Hollywood-Sternchens, die normale Menschen sowieso nicht kennen, berichtet, ist eben mal ein bischen Papier bedruckt. Wenn sich damit Geld verdienen lässt, naja warum nicht. Bei A-Promis, beispielsweise Prinzessin Caroline von Monaco (Hannover) muss selbst die Klatschpresse schon vorsichtig sein. Diese haben genug Geld, um selbst gegen Großverlage auf Unterlassung und Schmerzensgeld zu klagen. Schon 2004 stellte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in seinem abschließenden “Caroline-Urteil” fest, dass “die in der Boulevardpresse veröffentlichten Fotos oftmals unter Bedingungen gemacht (werden), die einer ständigen Belästigung gleichkommen und von der betroffenen Person als Eindringen in ihr Privatleben, wenn nicht sogar als Verfolgung empfunden werden.“ Heimlich aufgenommene “Fotos können nicht als Beitrag zu einer Debatte von allgemeinem öffentlichem Interesse angesehen werden…selbst wenn ein solches Interesse der Öffentlichkeit besteht, ebenso wie ein kommerzielles Interesse der Zeitschriften, die die Fotos und die Artikel veröffentlichen, so haben diese Interessen nach Ansicht des Gerichtshofs im vorliegenden Fall hinter dem Recht der Beschwerdeführerin auf wirksamen Schutz ihres Privatlebens zurückzutreten.“ Das trifft auf Franz Müntefering und die anderen Politiker so wohl auch zu. Was hat es die Öffentlichkeit zu interessieren, wann und wo Franz Müntefering mit seinen damals zukünftigen Ehefrau Kaffee trinkt, wer hat das Recht, Briefkästen und Fußabtreter im Sinne einer völlig falsch verstandenen Pressefreiheit zu observieren. Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut und gerade im Angesicht einer immer weiter ausufernden Überwachung auch immer gefährdeter. Wenn nun auch noch Klatschblätter einzig und allein zur Gewinnerzielung meinen, Gesetze nicht mehr einhalten zu müssen, hilft leider nur noch der Rechtsweg. “Wenn stimmt, was der „Stern“ schreibt, dann sind das in der Tat übelste Schnüffelmethoden. Schmierig! Das ist Stalking und kein Investigieren im journalistischen Sinne”, sagte die ehemalige Bunte-Chefredakteurin Beate Wedekind gegenüber dem Tagesspiegel. Wedekind zu den 250.000 Euro: “Als ich die Summe gelesen habe – mehr als eine Viertelmillion Euro! – die „Bunte“ als Honorar für diese Drecksarbeit berappt hat, konnte ich nur den Kopf schütteln. Da muss ein beachtlicher Zeiteinsatz eine Rolle gespielt haben, auf der Mauer, auf der Lauer. Oder es waren noch mehr Fälle, als bis jetzt bekannt geworden sind. Lassen Sie es mich mal so sagen: „Bunte“ hat diese Art von Reporter oder Fotoreporter nicht in ihrer Redaktion, deshalb blieb nichts anderes übrig, als die Recherche auszulagern. Das Risiko – und die Verantwortung und der Schaden – bleiben trotzdem bei „Bunte“, v.i.S.d.P ist die Chefredakteurin. Ich kann mir übrigens gut vorstellen, dass da verlags- und redaktionsintern gerade heftig diskutiert wird… „Bunte“ ist nicht seriös, „Bunte“ ist Entertainment.” Wolfgang Michal (carta), ist “absolut überzeugt davon, dass die deutschen Verleger ein Leistungsschutzrecht brauchen. Sonst würden die boshaften Raubverlinker die so teuer hergestellten Top-News auch noch kostenlos durch den Kakao ziehen” und vermutet, Hubert Burda hats mit seinem Personal manchmal nicht ganz leicht. Würde man es nicht an den handelnden Personen erkennen, könnte man vermuten, es handelt sich um eine Jubiläumsfeier eines mittelständischen Einrichtungshauses in Neustadt am Rübenberge.





