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29. Juli 2010

Öffentlich-Rechtliche Sender: “Vom Volk bezahlte Verblödung”
Abgelegt unter: Medien | Richard Schnabl um 15:24

Jens Jessen geht auf ZEITonline mit dem Programmangebot der öffentlich-rechtlichen Sender hart ins Gericht. Sie sind “weit davon entfernt, die Zuschauer auf die Höhen der bürgerlichen Bildung zu heben …oder ihnen auch nur die Chance auf Teilhabe zu eröffnen, konkurrieren mit den billigsten Boulevardmedien um die niedrigsten Instinkte der dümmsten Bevölkerungsteile”. Die gebührenfinanzierten Sender gleiten, wie Jessen erläutert immer mehr ins “Vulgäre” ab.Vulgär sind “Wissensshows, in denen Wissen nur insofern interessiert, als es einen Geldgewinn verspricht, der sich im Übrigen oft auch dem Gebildeten nur durch Raten einstellt”, “Volksmusikshows, in denen die Volksmusik nicht Volksmusik bleiben darf, sondern zu Schlagern werden muss, mit Sängern, die zu Stars werden, also gerade nicht mehr Volk sind” und “Nachrichtensendungen, die alle Probleme, auch solche, die strukturelle oder systemische Ursachen haben, personalisieren. Ein Sachproblem darf nicht Sachproblem bleiben, sondern muss Personalproblem werden”. Dieses Programmgestaltung zeugt für Jessen von einer  ”Zuschauerverachtung, die sich ein System nicht leisten kann, das von den Zuschauern finanziert wird”, ein ”augenzwinkerndes Einverständnis mit den Ressentiments der Ungebildeten”. “Zur Vulgarität gehört auch das Prominentenunwesen – das heißt die Erzeugung und Pflege von Scheinprominenten, … denen kein anderes Verdienst zukommt als das, häufig im Fernsehen aufzutreten oder genannt zu werden.” Selbst in der Politik wird schon “die verdummende Personalisierung befördert”. Deutschland soll eine Bildungsnation sein, “warum kaprizieren (die Sender) sich ausgerechnet auf jene Bevölkerungsteile, die daran keinen Anteil haben? Und wenn es hier, in diesen Schichten seine Aufgabe sieht – warum tut es nichts, deren geistige Lage zu bessern?” Jessen sieht im Hang zur Quote einen Widerspruch im System. Abhängig von der Quote heisst Markt, Gebührenfinanzierung heisst aber Unabhängigkeit vom Markt. “Wenn das öffentlich-rechtliche System seine Legitimationskrise lösen will, dann muss es sich zwischen Quote und Gebühr entscheiden.” (Die Zeit)

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Titelthema:
Mobilität

Titelfoto: Denis Balibouse/ Solar Impulse, Alex Häsler
Fotomontage: Lammel/Reblin







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