Das 63 Festival von Cannes nähert sich seinem Ende. Der Filmmarkt wird bereits abgebaut. Die wichtigsten Geschäfte sind gemacht, hunderte von „Meetings“, „Pitchings“ „Screenings“ absolviert. Auch hartgesottene Geschäftsleute finden jetzt noch einmal die Zeit ins Kino zu gehen. Die Preisverleihungen rücken in greifbare Nähe. Heute abend werden die ersten Kurzfilmpreisevergeben. Nominiert ist die deutsche Kamerafrau Yoliswa Gärtigmit dem Film „Native son“ des schottischen Nachwuchsregisseurs Scott Graham.
Filmmarkt und Festivalpalais | Foto: B.F. Neumann
Wer als Journalist im letzten Moment zu den Preisverleihungen anreist, hat schlechte Karten. Er muss sich ganz hinten anstellen. Die Festivalmacher sind streng mit Journalisten. Sie teilen sie in fünf verschiedene Kategorein ein. Es gibt die „carte blanche“ eine Presseakkreditierung ohne farbliche Kennzeichnung, für diejenigen die schon jahrzehntelang nach Cannes kommen und einen großen Namen haben. Sie müssen nirgendwo Schlange stehen und genießen eine Vorzugsbehandlung.Dann gibt es die Pressekarte mit dem rosa Streifen für die Chefs, dann blau für die Journalisten von den auflagenstarken Tageszeitungen, dann kommt gelb für kleinere Magazine und regionale Berichterstattung und dann orange für Nachwuchsjournalisten.Der Einlass erfolgt nacheinander. Wer durchhält und fleißig berichtet kann sich hocharbeiten. In dreißig Jahren wird man ihm dann vielleicht auch die „Carde blanche“ überreichen.
Großes Kino gestern im Berliner Friedrichstadtpalst, in der Alten Oper Frankfurt und auf einer riesigen Kinoleinwand vor dem Brandenburger Tor. Fritz Langs legendärer Stummfilm Metropolis gelangte in einer rekonstruierten und weitgehend dem Original des Jahres 1927 entsprechenden Fassung zur Uraufführung. “Nur dem Umstand, dass eine “Metropolis”-Urfassung in voller Länge in Argentinien erhalten blieb und 2008 zufällig wiederentdeckt wurde, und den Möglichkeiten moderner Restaurationstechnik ist zu verdanken, dass dieses unbestrittene Meisterwerk des deutschen Stummfilms gestern auf der Berlinale seine zweite Weltpremiere feiern konnte”, schreibt die Südwestpresse und sieht Metropolis “in altem Glanz”. Der Film “galt Jahrzehnte als verschollen und wurde anhand von Drehbuch, Musikpartitur, Zensurkarten und unzähligen Werkfotos mühsam und stetig rekonstruiert, in den Siebzigerjahren in der DDR, 1988 in München, 2001 schließlich durch die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und das Bundesarchiv/Filmarchiv Berlin”, so die Welt. Unser Kinoredakteur Jörn Hetebrügge berichtet für Berliner Journalisten von den 60. Berliner Filmfestspielen.
Am 20. Mai vor 100 Jahren wurde James “Jimmy” Stewart geboren. In der NZZ hat Harry Tomicek einen langen, beeindruckenden Artikel über diesen ur-amerikanischen Helden geschrieben. Lesen, lächeln…
Der erste Film, den ich mit James Stewart sah, war “Mr. Smith goes to Washington” - und er war mir unendlich peinlich. Was für ein Stoffel! Ich war ein Kind, nahm Film für bare Münze, und Jimmy Stewart war soooo doof! Es ist längst mein Lieblingsfilm. Vielleicht auch “Ist das Leben nicht schön” oder der späte “Mr. Hobbs macht Ferien” mit Maureen O’Sullivan. Vor ein paar Wochen entwickelte sich mit unserem Kino-Korrespondenten Jörn Hetebrügge ein längeres Telefonat, in dessen Verlauf ich mich als spät berufener Jimmy Stewart-Fan outete. Was denn an Jimmy Stewart sexy sei, wollte Jörn wissen. Na ja.