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Titelthema: Arbeit

Geburtstagsplausch mit Lafontaine

Interview führten B. Schellong-Lammel und S. Pamperrien

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Kaum ein Politiker in Deutschland spaltet so sehr wie Oskar Lafontaine – nicht nur Geister, sondern ganze Volksparteien. Kritiker werfen ihm vor, ausschließlich heiße Luft zu produzieren. Ist der ehemalige SPD-Kanzlerkandidat und jetzige Fraktionsvorsitzende von DIE LINKE wirklich nur ein politischer Hasardeur? Plant er gar den Umsturz? Berliner Journalisten besuchte ihn an seinem 65. Geburtstag.


Guten Tag, Herr Lafontaine. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Bedeutet Ihnen die 65 etwas?
Ja, natürlich denke ich darüber nach, wie lange ich jetzt noch politisch weiter machen werde. Auf diese Frage gibt es aber eine einfache Antwort. Es hängt von meiner Gesundheit und meiner körperlichen Verfassung ab, wie lange ich politisch aktiv bleibe. Ich kann das deshalb nicht prognostizieren – aber zurzeit geht es mir sehr sehr gut.

Nochmal zurück zur Zahl 65 und unserem Schwerpunkt Arbeit. Die Rente mit 67 ist für viele Menschen mit Ängsten verbunden.
Ja, natürlich ist das so. Das hat zwei Aspekte. Welche Auswirkungen hat die Rente mit 67 auf das weitere Leben? Es gibt Menschen, die gut damit zurecht kommen. Und es gibt Menschen, die große Probleme damit haben, weil sie schon sehr früh gar keine Arbeit mehr haben. Zweitens geht es ja nicht ausschließlich um die Ziffer, sondern um eine Kürzung von Aufwendungen. Die Koalition hat in der ganzen Diskussion die wichtigste volkswirtschaftliche Größe nicht beachtet. Das ist die Frage der Produktivität. Grundsätzlich gilt, je höher die Produktivität, um so kürzer die Lebensarbeitszeit und um so höher die Rente. Je niedriger die Produktivität um so höher die Lebensarbeitszeit und um so geringer die Renten. Das können sie überall auf der Welt beobachten.

Kaum haben Sie irgendwo ein Argument vorgebracht, werden Ihre Thesen in der Presse widerlegt.
Nein, widerlegt werden sie nicht. Dazu kann ich generell etwas sagen: Auch Medien haben Interessen – ökonomische und gesellschaftliche Interessen. Und eine Linke in einer marktwirtschaftlichen Gesellschaftsordnung wird immer auf Vorbehalte und Kritik in den Medien stoßen, weil die Medien andere Interessen vertreten. Ich will das konkretisieren: Kein Verleger ist begeistert von der Erbschaftssteuer, und noch weniger ist er begeistert von der Vermögenssteuer. Kein Chefredakteur ist begeistert vom Spitzensteuersatz, und damit haben Sie schon gravierende Argumente, warum die Linke nicht so angesehen ist. Und wenn die Linke die Auffassung vertritt, dass Redaktionen ein Redaktionsstatut haben müssten, das wirklich die Unabhängigkeit der Journalisten garantieren würde, stoßen Sie nicht gerade auf eine freundliche Aufnahme bei Verlegern und Chefredakteuren.

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Heft Nr. 4-2008
Titelthema:
Arbeit

Titelfoto: Bernd Lammel

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