Titelthema: Arbeit
Der unsichere Lohn der Arbeit
von Wolfgang Köhler
Möchten Sie noch mehr lesen?
Jetzt abonnieren
Die aktuelle Finanzkrise entlarvt eines des Hauptargumente für die forcierte Einführung privater Altersvorsorgemodelle als bloße Rhetorik. Momentan sieht es nicht so aus, als seien in der privaten Rentenversicherung gute Renditen zu erzielen. Die Vorsorgesparer sind in der Klemme.
Die Rente ist sicher“ hat Bundesarbeitsminister Norbert Blüm in den 1990er Jahren werbewirksam plakatiert. Was haben wir Journalisten darüber gelacht. Nicht gleich natürlich, denn anfangs haben wir die Botschaft noch ernst genommen. Als die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung dann aber mit einer Rentenreform nach der anderen immer mehr gekürzt wurden, fanden wir den Blüm’schen Spruch nur noch komisch. Erst nach der letzten Rentenreform verging den meisten dann das Lachen wieder.
Die wichtigste Botschaft der Rentenreformen lautete: „Arbeitnehmer, verlasst euch nicht mehr allein auf die gesetzliche Rentenversicherung; ihr müsst auch selbst vorsorgen.“ Eine ganze Generation von Nutzwert-Schreibern assistierte mit dem Argument: Die private, kapitalgedeckte Altersvorsorge bringt ohnehin mehr Rendite als das staatliche Umlageverfahren. Die meisten Kalkulationen, die dem zugrunde lagen, bezogen sich freilich auf die beiden Ausnahmejahrzehnte der 80er und 90er Jahre, als Aktien- und Rentenmärkte boomten. Dass es an den Finanzmärkten auch wieder einmal anders kommen könnte, wurde nicht einkalkuliert.
Einen ersten Schock bekamen die Besitzer von Lebens- und privaten Rentenversicherungspolicen, als die Internet-Spekulationsblase an den Aktienmärkten platzte. Erst mussten sie feststellen, dass ihr Sparkapital von den Lebensversicherern zu dieser Zeit viel spekulativer angelegt worden war als in früheren Jahrzehnten. Der Anteil von Aktien und Investmentfondsanteilen an den Kapitalanlagen der Lebensversicherer war in der zweiten Hälfte der 90er Jahre teilweise bis nahe 30 Prozent – gegenüber zehn Prozent in den Jahrzehnten zuvor – gestiegen. Entsprechend bitter waren die Verluste, als die Aktienkurse ab dem Jahr 2000 in die Tiefe rauschten. Als dann auch noch, nach 9/11, die Kapitalmarktrenditen auf den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten fielen, hagelte es Kürzungen bei der Überschussbeteiligung von Lebens- und Rentenversicherungen. Manche laufende Privatrente wurde kurzerhand beschnitten. Ein deutscher Lebensversicherer ging sogar pleite. Die Garantieverzinsung für neu abgeschlossene Policen sank von 4,0 Prozent in den 90er Jahren auf heute nur mehr 2,25 Prozent.
Möchten Sie noch mehr lesen?
Jetzt abonnieren
Autor
Wolfgang Köhler
arbeitete in den 80er und 90er Jahren als Wirtschaftsredakteur u. a. für „Wirtschaftswoche“ und „DIE ZEIT“. Heute lebt und arbeitet er als Journalist und Buchautor freiberuflich.
Foto: Mankau-Verlag