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Titelthema: Verbraucher

Und wer rettet die Kunden?

von Gerd Billen

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Seit Beginn der Finanzkrise gehen bei den Verbraucherzentralen so viele Anfragen ein, dass viele verunsicherte Verbraucher erst im Jahr 2009 beraten werden können. Um jeden deutschen Haushalt einmal in Finanzfragen zu beraten, bräuchte es bei den bestehenden Kapazitäten der unabhängigen Berater 350 Jahre. Eine echte Herausforderung für künftige Verbraucherpolitik.


Vertrauen ist das Wort der Stunde. Mit jemandem, dem man nicht über den Weg traut, schließt man keine Verträge. Der Umkehrschluss lautet: Nur wer Vertrauen bei seinen Kunden genießt, macht ein gutes Geschäft. Doch wie baut man Glaubwürdigkeit und Reputation auf? Die Lehren aus der Finanzkrise geben die Antwort: durch einen fairen und verantwortungsvollen Umgang mit seinen Kunden. Nur wer diesen Ansatz im Kern seiner Unternehmensphilosophie verankert, wird langfristig erfolgreich sein. Dies gilt ebenso für die Politik: Nur wer sich glaubhaft für die Interessen der Bürger, Kunden und Verbraucher stark macht, wird an der Wahlurne Erfolg haben. So wird Verbraucherschutz zur unternehmerischen Handlungsmaxime, Verbraucherpolitik zur Wirtschafts- und Konjunkturpolitik.

Allerdings ist zu befürchten, dass es noch weiterer Krisen rund um Lebensmittel, Spielzeug, Datenschutz oder Finanzen bedarf, bis sich diese Erkenntnis überall herumgesprochen hat. Sonst würden derzeit nicht die Rettung der Banken und die Gehälter der Bankenmanager die Politik und die Schlagzeilen zur Finanzkrise bestimmen, sondern die Rettung der Kunden. Am Ende bleibt bei den Verbrauchern der fade Beigeschmack, dass Risiken sozialisiert und Gewinne privatisiert werden. Oder anders ausgedrückt: Andere machen auf meine Kosten den Reibach. Und wenn sie sich verspekulieren, bin ich es, der die Zeche zahlen muss. Verbraucherpolitik kann viel dazu beitragen, diese Schieflage zu korrigieren, indem sie Anbieter- und Kundenorientierung in Einklang bringt.

Verbraucherzentralen als Lotse, Vertrauensstifter und Seismograph
Dies ist umso nötiger, als immer mehr finanzielle Verantwortung auf die Bürger verlagert und der Konsum durch die Produkt- und Tarifvielfalt immer komplexer wird. Da ist der unabhängige Berater in der Verbraucherzentrale Lotse, Vertrauensstifter und Beschwerdestelle zugleich. Wer im Konsumdschungel den Durchblick verliert oder falsche Konsumentscheidungen korrigieren will, sucht unabhängige Hilfe. Neutrale Verbraucherberater sind da die beste Versicherung gegen Verunsicherung. Denn Vertrauen kann nur der schaffen, wer Vertrauen genießt. Zudem wirken die Beratungserfahrungen als wichtiger Seismograph für Fehlentwicklungen am Markt, über die Aufsichtsbehörden nicht verfügen. Doch die mangelnde finanzielle und personelle Ausstattung der Verbraucherzentralen begrenzen die Potentiale dieses wichtigen gesellschaftlichen Korrektivs. So kann die als Erste Hilfe eingerichtete Telefon-Hotline der Verbraucherzentralen zur Finanzkrise nur einen Bruchteil der Ratsuchenden bedienen. Wer jetzt einen Termin zur unabhängigen Anlageberatung wünscht, muss mangels Ressourcen bis 2009 warten. Mit den bestehenden Kapazitäten würde es 350 Jahre dauern, um alle deutschen Haushalte zumindest einmal in Finanzfragen zu beraten.

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Heft Nr. 5-2008
Titelthema:
Verbraucher

Titelfoto: Uwe Bellhäuser

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