Anzeige


Anzeige


Anzeige
Aktuelles Heft Archiv Seminar Abo Vorschau Leserbrief Links Redaktion Mediadaten Impressum


Anzeige


Anzeige


<< zurueckblaettern
vorblaettern >>


Titelthema: Verbraucher

Benimmkurs für Verbraucher

von Bernhard Pötter

Möchten Sie noch mehr lesen? Jetzt abonnieren

In der internationalen Politik und bei Umfragen zuhause geben die Deutschen sich gerne als Muster-Ökos. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Gut zureden allein hilft da nicht. Nachhaltigen Konsum muss man so aggressiv verkaufen wie Waschmittel. Und die Politik muss den Rahmen setzen.


Umweltschützer rieben sich erstaunt die Augen. In großen Buchstaben fragte im März 2005 ausgerechnet die BILD-Zeitung mit einer fetten Überschrift: „Ist unser Fleisch zu billig, um gut zu sein?“ Der Lebensmittelskandal um abgelaufene und neu verpackte Ware war auch der BILD auf den Magen geschlagen. Die Zeitung mit dem größten politischen Einfluss in Deutschland, die ansonsten ungeniert Kampagnen gegen die Öko-Steuer vorantreibt, formulierte plötzlich, was Biolandwirte seit Jahren predigen. Das bedeutet nicht, dass BILD nun zum Vorkämpfer für eine ökologisch und sozial verantwortungsvolle Politik mutiert ist. Aber es bedeutet, dass man auch das BILD-Publikum mit Nachhaltigkeitsthemen ansprechen kann. Wenn man es richtig macht. Und genau daran mangelt es im Moment.

König Kunde hat auch Pflichten
Mal ehrlich: Nachhaltigkeit ist in Deutschland (und nicht nur hier) eine Veranstaltung ohne Publikum. Betrachtet man die Konsummuster der privaten Haushalte, kann man daran zweifeln, was 30 Jahre Umweltaufklärung und Bildung zum Thema Ressourcenschonung erreicht haben. Die Verbraucher, das heißt wir alle, versagen auf der ganzen Linie. Und niemand ist da, um es ihnen vorzuhalten. Jeder will den Verbraucher schützen. Doch alle Weinpanscher, Touristen-Nepper, Bahnkunden-Abzocker oder Falschdeklarierer zusammen können es nicht mit dem größten Ärgernis aufnehmen: Dem Verbraucher selbst. Der nämlich konsumiert sich die meisten Probleme selbst an den Hals. Er sieht sich als Opfer. Dabei ist er mitverantwortlich dafür, dass die Konjunktur lahmt, Arbeitsplätze verschwinden, Konzerne mit Lohndumping ihre Angestellten bedrängen und Tiere in Massenställen gequält werden – also auch dafür, dass Fleisch zu billig ist, um gut zu sein. Alle reden von Verbraucherrechten. Es ist höchste Zeit, den Verbraucher an seine Pflichten zu erinnern.

Davor schrecken alle zurück – aus guten Gründen. Denn der Verbraucher ist mächtig. Er wählt Verbraucherminister(-innen) ins Amt und wieder heraus. Er abonniert eine Zeitung oder investiert das Geld in Premiere-Aktien. Es ist nicht ratsam, sich mit dem deutschen Verbraucher anzulegen. Deshalb sind die Bürokraten der Nachhaltigkeit, die Schornsteinkletterer der Öko-Szene und die freischaffenden Umwelt-Propheten so nachhaltig nachsichtig mit der größten Öko-Sau im Stall. Der Verbraucher ist ignorant. Er missachtet alles, was sich hinter dem Begriff der Nachhaltigkeit versteckt: Eine Balance aus gesunder Wirtschaft, tragfähigen sozialen Beziehungen und einer halbwegs intakten Umwelt. Der Verbraucher kauft nichts. Und wenn, dann das Falsche. Und das dann noch im falschen Laden. Das ist schlimm. Noch schlimmer ist: Der Verbraucher sind wir. Sie. Ich. Früher konnte man mit dem Finger auf die Industrie zeigen. Heute zeigt man auf die Politik. Morgen wird man auf Sie und mich zeigen. Und man wird damit Recht haben. Denn von einer bedrohten Spezies haben sich deutsche Verbraucher zu rücksichtslosen Schnäppchenjägern gemausert. Und die brauchen keinen Bestandsschutz mehr, sondern einen Benimmkurs. Denn der deutsche Verbraucher macht so ziemlich alles falsch.

Möchten Sie noch mehr lesen? Jetzt abonnieren


Heft Nr. 5-2008
Titelthema:
Verbraucher

Titelfoto: Uwe Bellhäuser

Abo

Jetzt abonnieren! Schnupperabo Einzelheft

Redaktionsblog

Anmelden