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Titelthema: Bildung

Der Da Vinci Campus

von Bettina Schellong-Lammel, Fotos: Bernd Lammel

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Bildung in Deutschland. Neben der Finanzkrise das Top-Thema in der derzeitigen politischen Diskussion. Fachkräftemangel, überfüllte Hörsäle an den Universitäten, überdurchschnittlich viele Studienabbrecher und Lehrstellenmangel beherrschen die öffentliche Meinung. Das hat Ursachen und die liegen dort, wo Bildung beginnt – in den Schulen. Die Lehrerschaft ist unterbezahlt, überfordert, oft überaltert. Die Klassen sind zu groß, die Schulen in schlechtem baulichen Zustand und der Unterrichtsausfall hat unvertretbare Ausmaße angenommen. Dass es auch anders geht, zeigt der Leonardo da Vinci Campus in Nauen. Dort dürfen sich die Schüler ihren persönlichen Weg ins Leben suchen und müssen dabei sehr viel leisten.


Der Leonardo-da-Vinci-Campus liegt im brandenburgischen Nauen. Es ist nicht der Idealstandort, den sich die Mitbegründerin des Campus, Dr. Irene Petrovic-Wettstädt, gewünscht hatte, aber es gab damals, im Gründungsjahr 1994, einfach kein Gründstück in der näheren Umgebung von Berlin, das ausbaufähig und bezahlbar gewesen wäre. Deshalb fiel die Wahl auf Nauen.

Wie kommt die Diplomlehrerin und promovierte Germanistin, Dr. Irene Petrovic-Wettstädt, die an der Humboldt-Universität zu Berlin promovierte, dazu, mit sechs Mitstreitern eine Schule zu gründen? Sie erklärt es so: „Ich hatte das ehrgeizige Ziel, zu beweisen, dass Lernen Spaß machen kann und die Schüler gerade deshalb zu Höchstleistungen motiviert. Ohne die verstaubten Unterrichtsmethoden, die an Deutschen Schulen viel zu oft die Regel sind: Frontalunterricht, Stunden im 45-Minuten-Takt. Danach werden die Schüler mit einem Sack voller Hausaufgaben nach Hause geschickt und sich selbst überlassen.“

Dr. Irene Petrovic-Wettstädt wollte das Gegenstück zur Normalschule, die sie an eine Lernfabrik erinnert – eine Ganztagsbetreuung, wie sie in den skandinavischen Ländern längst üblich ist und wo Lehrer auch dann für ihre Schüler Zeit haben, wenn sie eine Frage außerhalb des Fachgebietes haben.

1994 beantragten die Schulgründer beim Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg eine Schulzulassung und die finanziellen Mittel zum Betrieb eines Ganztagsgymnasiums als staatlich genehmigte Ersatzschule. Es wurde ein Sponsor gesucht und gefunden, der das Schulgebäude finanzierte. Im November 1995 startete der erste Jahrgang mit 45 Schülern in den Klassenstufen sieben, acht und neun mit gerade einmal fünf Lehrern unter dem Namen „Freies Gymnasium Nauen“. Danach wuchs die Einrichtung rasant, denn immer mehr Eltern interessierten sich für die Schule, in der es nicht um gepauktes Wissen geht, sondern um die Entwicklung von Persönlichkeit, Kreativität und Teamfähigkeit.

Dass inzwischen mehr als die Hälfte der Schüler aus Berlin nach Nauen pendeln, spricht für den Erfolg des Konzeptes. Viele Eltern erhoffen sich hier für ihre Kinder, dass der Knoten endlich platzt, sich ihre Leistungen entscheidend verbessern. Dabei wird Dr. Petrovic-Wettstädt aber nicht müde, auf jeder Informationsveranstaltung zu wiederholen. „Wir sind ein privates Gymnasium und die Eltern müssen bei uns Schulgeld bezahlen. Gute Noten sind bei uns allerdings nicht für Geld zu haben. Ohne Leistungsbereitschaft, Fleiß und Disziplin scheitern Schüler auch bei uns“.

Es sind die Rahmenbedingungen, die den Jugendlichen das Lernen am Leonardo da Vinci Campus erleichtern. Die Klassenstärke beträgt durchschnittlich 20 Schüler. Es gibt ein gemeinsames Mittagessen und am Nachmittag gemeinsame Hausaufgabenstunden, wo kein Schüler mit drückenden Matheaufgaben oder schwierigen Texten allein bleibt.

Schon ab der ersten Klasse bietet die Kreativitäts- und Ganztagsgrundschule auf dem Campus „Kreativitätsmodule“ an, so kann Arabisch oder Chinesisch gelernt werden. Ab der fünften Jahrgangsstufe können die Schüler in eine zweisprachige Sprachspezialklasse oder in die Orchesterklasse wechseln. Ab dem siebten Schuljahr stehen drei Profile zur Auswahl – das kreativ-künstlerische, das bilinguale oder das mathematisch-naturwissenschaftliche.

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Heft Nr. 1-2009
Titelthema:
Bildung

Titelfoto: Bernd Lammel

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