Titelthema: Bildung
Die Zukunft ist digital
von Achim Berg
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Angela Merkels Devise für den Bildungsgipfel lautete: „Wohlstand für alle heißt heute: Bildung für alle.“ Recht so, denn das überkommene deutsche Bildungssystem ignoriert unzählige Talente und zementiert auf diese Weise soziale Ungleichheiten. Aber – und diese Parallele fällt auf – wie kein zweites Bildungssystem im Bereich der modernen Industriestaaten vernachlässigt es zugleich den Einsatz digitaler Medien in Erziehung und Bildungsprozessen.
Wie hängt das eine mit dem anderen zusammen? Und wie kommt es, dass Forderungen wie „Schulen ans Netz“ oder „Jedem Schüler ein Laptop“, vor wenigen Jahren noch Mittelpunkt bildungspolitischer Auseinandersetzungen waren, in der Gipfel-Debatte aber höchstens eine Nebenrolle spielten?
E-Education stößt in Deutschland immer noch auf starke Ressentiments. Es ist geradezu populär geworden, immer dann, wenn Kinder dick, Schülerleistungen schlecht, Jugendliche gewalttätig werden, sofort auf die neuen Medien zu zeigen. Nicht ihre sozialen, kreativen und interaktiven Erfolgsgeschichten, sondern ihre Zerrbilder beherrschen die Überschriften der Publikumsmedien.
Kein Wunder also, dass sich an der internationalen Rangfolge in den vergangenen zehn Jahren nichts geändert hat: Trotz intensiver Bemühungen in Politik, Lehrerschaft und IT-Branche, trotz verschiedener Leuchtturm-Projekte unter dem Banner von Public-Private-Partnership, zeigen Vergleichsstudien wie PISA, dass ein regelmäßiger, konzeptionell durchdachter und nachhaltiger Einsatz von digitalen Medien in Schul- und Unterrichtsprozessen hierzulande wenig verbreitet ist. Deutschland ist OECD-Schlusslicht geblieben. Dabei kann die Nutzung von Lernsoftware für Fächer wie Mathematik, Deutsch oder Fremdsprachen die schulischen Leistungen deutlich verbessern, wie erst kürzlich eine Studie belegte.
An die eigene Nase fassen
Am mangelnden Einsatz digitaler Medien in Schulen sind freilich nicht allein traditionelle Erziehungswissenschaftler, skeptische Lehrer und Eltern, sparsame Finanzminister und Stadtkämmerer schuld – die IT-Branche sollte sich zunächst einmal an die eigene Nase fassen. Ich denke dabei weniger an die unbeholfenen Anfänge der neuen Medienpädagogik, als gutmeinende Firmen begannen, PCs in die Klassenzimmer zu stellen und Kurse gaben, die eher an Führerschein- oder Schreibmaschinenunterricht von anno dazumal erinnerten, als an die bunte Welt von Multimedia. Hier geht es um strategische Fehler.
Drei Aspekte sind selbstkritisch hervorzuheben, wenn der pädagogische Nutzen neuer Medien besser verdeutlicht und ein Roll back verhindert werden soll. Zunächst einmal haben wir die Thematisierung von Risiken und Grenzen der Nutzung digitaler Medien häufig traditionellen Erziehungswissenschaftlern, Kultur- und Technikkritikern überlassen. Wohlgemerkt: die öffentliche Thematisierung. Denn ich kenne keinen einzigen IT-Manager, der seinen eigenen Kindern tage- und nächtelanges, unkontrolliertes Surfen erlauben würde, der es bei ergonomischen Tipps oder bei der Eingabe von Filter-Software beließe. „Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“ – dieses antike Motto gilt selbstverständlich auch in der modernen Mediengesellschaft, und keine technische Maßnahme kann uns von einer normativ argumentierenden Erziehung face-to-face befreien. Gerade als Repräsentanten einer Branche, die den Einsatz von Computer und Internet in Ausbildungsprozessen von Kindern und Jugendlichen fordert und fördert, liegt es in unserem ureigenen Interesse, Gesundheits- und Suchtrisiken einer Nutzung digitaler Medien offensiv zu erforschen und zu begrenzen. Niemand sollte uns hier übertreffen.
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