Titelthema: Sex Macht Medien
Sündhaft clever
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Dolly Buster ist Ex-Pornodarstellerin, Diva, Produzentin, Krimiautorin, Malerin, und 98 Prozent aller Deutschen kennen sie. Die gebürtige Tschechin, 1969 geboren in Prag, verheiratet mit dem Pornoproduzenten Dino Baumberger, macht zuerst in Sexfilmen von sich reden. Deutschlandweit bekannt wird sie, als der stern im Juni 1992 mit einer Story zum Thema „Die gespielte Lust – hinter den Kulissen der Pornoindustrie“ erscheint. Auf dem Titel posiert Dolly Buster. 1993 lädt sie Matthias Frings, Produzent und Moderator der Sendung „Liebe Sünde“ bei VOX, in seine Sendung ein. Es folgen weitere Auftritte bei „Schmidteinander“, „Gottschalk – Die Late Night Show“ und im „Spiegel-TV-Interview“ mit Sandra Maischberger. Seit 1997 steht sie nicht mehr als Porno-Star vor der Kamera, sondern vertreibt als Produkt-Managerin, Autorin und Produzentin ihr eigenes Label „Dolly Buster Entertainment“.

Fühlten Sie sich in den Medien immer gut widergespiegelt?

Selbstverständlich nicht. Die Journalisten beschreiben ja nicht, wie sie mich tatsächlich erleben, sondern wie sie mich sehen. Das ist manchmal nahe dran und dann wieder ganz weit weg von mir. Ich habe aber gelernt, das zu akzeptieren und es nicht zu sehr überzubewerten. Ich lese auch oft Sachen über mich, die richtig sind, aber falsch verstanden werden. Da kann man sich natürlich fragen: liegt es an der Intelligenz oder ist es einfach böser Wille?

Na, dann fragen wir das doch mal?

Ich glaube, für die Journalisten und die Leser ist eher das Negative interessant. Das ist nicht nur bei mir so, sondern bei allen, die in der Öffentlichkeit stehen. Man will Skandale, man will lesen, dass es dem Prominenten schlecht geht – vorzugsweise natürlich schlechter als einem selbst. Das beruhigt ungemein.

Ist das wirklich so?

Immer! Bei mir klingelt ja häufig das Telefon, und es rufen durchaus renommierte Journalisten an, die mich fragen, was es bei mir so Neues gibt. Und wenn ich denen dann erzähle, dass es gerade sehr gut läuft, ich demnächst ein neues großes Projekt starte, dann sagen die: Ach das ist ja schön, aber sagen Sie mal, scheiden lassen wollen Sie sich nicht? Wenn das nicht so ist, beenden sie das Gespräch kommentarlos und legen auf. Das Positive interessiert die gar nicht. Und ich will mich da nicht als Einzelfall sehen – es geht allen Prominenten so.

Haben Sie das Gefühl, dass man Sie und das Metier, in dem Sie arbeiten und berühmt wurden, mit spitzen Fingern anfasst und Sie schlechter behandelt als andere?

Eher nicht. Durch das Metier, wie Sie es bezeichnen, sind zwar ein paar Angebote zerplatzt, für die ich eigentlich vorgesehen war, aber ich fühle mich deshalb nicht schlechter behandelt als andere. Aber ich habe natürlich nicht den Vergleich, wie es wäre, wenn ich beispielsweise als Malerin berühmt geworden wäre.

Geht der Boulevard mit Ihnen anders um als so genannte Qualitätsmedien?

Der Boulevardjournalismus liebt natürlich den Skandal und pflegt das Wechselspiel von Lob und Verriss, aber er ist berechenbarer geworden. Und ich habe in der größten Boulevardzeitung, die es gibt, schon besser wiedergegebene Interviews von mir gelesen als in so genannten Qualitätszeitungen.

Wie kommt das?

Das ist kein böser Wille, denn ich bin denen als Person vermutlich vollkommen egal. Aber das Geschäft wird immer härter, gerade in den Printmedien sinken die Auflagen, und da ist man ständig auf der Suche nach der besonderen Geschichte, denn das Normale interessiert die Leser nicht. Für die Boulevardzeitungen bin ich deshalb als ehemalige Erotikdarstellerin immer mal wieder interessant, und die Journalisten dieser Blätter wissen ganz genau: Die Frau können wir nicht ganz so kaputt machen wie andere, denn in ein paar Monaten brauchen wir sie wieder. Im Gegensatz zu den Qualitätszeitungen. Die können es sich leisten, mir mal komplett einen Strich durch die Rechnung zu machen und mich völlig falsch darzustellen, da sie nur einmal in fünf Jahren bei mir auf der Matte stehen.

In einer Galerie in Garmisch waren Anfang des Jahres Bilder von Ihnen zu sehen, die man auch kaufen konnte. Haben Sie als einstiger Pornostar Schwierigkeiten, die Kunstszene zu erobern?

Ein paar Galerien, in denen ich meine Bilder ausstellen wollte, sagten strikt nein, als sie hörten, in welcher Branche ich mal gearbeitet habe. In der Kunstszene reicht schon das Wort Boulevard, um Abstand zu nehmen. Durch meine Vergangenheit als Pornodarstellerin bleiben mir da viele Türen verschlossen.

Wie können Sie sich das erklären, wo wir doch alle so aufgeschlossen und tolerant sein sollen?

Es ist seit zehn bis fünfzehn Jahren angesagt, so zu tun, als ob man aufgeschlossen und tolerant wäre.
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