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Titelthema: Sex Macht Medien

Helmut Newtons SUMO

von Matthias Harder

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Helmut Newton gründete seine Stiftung in Berlin im Oktober 2003, konnte ihre Eröffnung im Juni 2004 allerdings nicht mehr erleben, da er im Januar 2004 in Los Angeles starb. Der Photograph entschied sich seinerzeit für seine Heimatstadt, wo ihn zwischen 1936 und 1938 die Mode- und Aktfotographin Yva (Else Neuländer-Simon) ausbildete. 1938 wurde er von den Nationalsozialisten vertrieben. Seine unvergleichliche Karriere machte er im Ausland, vor allem seit den 1960er-Jahren in Paris. In den Chefetagen der renommierten internationalen Magazine traf er immer wieder auf verbündete kreative Geister, die auf seine ungewöhnlichen Bildideen eingingen. Über diese Veröffentlichungen erreichte er bereits früh ein Millionenpublikum.


Das Photobuch erfährt seit einigen Jahren eine besondere Wertschätzung, nicht zuletzt durch Martin Parrs „The Photobook: A History“, in dem ungewöhnliche Photopublikationen vorgestellt werden. Immer mehr Sammler widmen sich diesem neuen Gebiet, und einige Photobücher werden inzwischen für schwindelerregende Summen gehandelt. Auf den Photomessen zwischen Paris und New York treten immer mehr Buchhändler auf, die die besonders wertvollen Publikationen anbieten.

Eines der herausragenden Photobücher des letzten Jahrzehnts ist Helmut Newtons SUMO, erschienen 1999 im Posterformat 70 x 50 cm, mit 464 Seiten und einem Gewicht von 30 Kilogramm. Benedikt Taschen überzeugte seinerzeit den Photographen, mit ihm dieses verlegerische Wagnis einzugehen; es wurde ein Riesenerfolg. Phillip Starck entwarf einen metallenen Ständer für die außergewöhnliche Publikation, die in einer Auflage von 10 000 Exemplaren, alle von Newton signiert, auf den Buchmarkt kam. Der Verkaufspreis entsprach dem Format und der Exklusivität des Photobuches. So konnten es sich nur gutbetuchte Newton-Enthusiasten leisten, so dass das Buch selbst legendär wurde und der genaue Inhalt vergleichsweise unbekannt blieb.

Knapp 400 Photographien, seinerzeit teilweise unveröffentlicht, bildeten eine Essenz des Newton’schen Werkes. Der hatte sein erstes, damals bereits preisgekröntes Photobuch, mit dem Titel „White Women“ 1976 herausgebracht. Es folgten zahlreiche Bildbände mit deskriptiv* eindeutigen Titeln, etwa 1981 „Big Nudes“, mit einer Auflage von über 100 000 Exemplaren Newtons erfolgreichstes Buch, oder 1984 „World without Men“. Etwas später, zwischen 1987 und 1995, gab Helmut Newton in unregelmäßiger Abfolge sogar ein eigenes Magazin namens Helmut Newton’s Illustrated heraus, in dem er seine jeweils neuesten Bilder publizierte.

Doch erst mit SUMO sprengte das Gespann Newton/Taschen alles bisher Dagewesene auf dem Bereich des Photobuchs. Bücher in dieser Größe gab es in der Geschichte des Buches und des Buchdrucks zugegebenermaßen schon früher, allen voran Bibeln und Stundenbücher, Atlanten und später, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, auch illustrierte Reiseberichte mit einmontierten großformatigen Originalabzügen.

Mit der Präsentation aller Motive des Buches, teilweise in Form gerahmter Buchseiten, also gewissermaßen 1:1, teilweise als Originalphotographien in Schwarz-Weiß und Farbe, sowie einiger Aufnahmen von dessen aufwendiger Produktion und glamouröser Präsentation, wird die einmalige Geschichte des SUMO nachgezeichnet. Wir sehen Mode- und Aktaufnahmen, Porträts und Werbebilder aus mehreren Jahrzehnten in nahezu gleichberechtigter Stellung nebeneinander ausgebreitet. Einige dieser Bilder tauchten auch in anderen Newton-Publikationen auf, andere wurden hier erstmals publiziert und werden nun auch erstmals ausgestellt.

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Heft Nr. 3-2009
Titelthema:
Sex
Macht
Medien

Titelfoto: Bernd Lammel

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