Titelthema: Wissenschaft
Orbitaler Linienflug
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Am 18. Juli 1950 in Surrey (Großbritannien) geboren, war Branson der Schulversager schlechthin. Die Lehrer bescheinigten ihm Legastenie und unterstellten ihm Desinteresse an schulischen Lehrinhalten. Doch trotz seiner erfolglosen Schulkarriere startete Branson mit der Zeitschrift Student sein erstes Erfolgsprojekt, denn es gelang ihm Autoren wie John le Carre oder Jean Paul Sartre dafür zu gewinnen und ohne Honorar für ihn zu schreiben.
1969 gründete er mit seiner ersten Firma „Virgin“ einen Versandhandel für Schallplatten; danach produzierte er im eigenen Studio Platten mit Bands wie Genesis, den Rolling Stones und später Mike Oldfield. Sein Unternehmen expandierte zum sechstgrößten Plattenproduzenten der Welt. 1992 verkaufte Branson „Virgin Records“ an EMI und legte mit dem Gewinn den Grundstein für sein heutiges milliardenschweres Virgin-Firmenimperium, das aus Schallplatten-, TV-, Video- und Filmproduktionsbetrieben besteht, sowie entsprechenden Studios, Nachtklubs, Buchhandlungen, Reise- und Immobilienagenturen, der Fluggesellschaft „Virgin Atlantic Airways“, die als erste Billigflüge über den Atlantik anbot, aber auch eine Firma für Kondome und sogar ein eigenes Finanzierungs- und Versicherungsunternehmen.
Doch das Leben brachte ihm auch Misserfolge. So gelang es seiner Firma „Virgin Rail Group Ltd.“ nicht, die maroden Strecken des britischen Eisenbahnnetzes zu sanieren. Auch seine spektakuläre Erdumrundung in einem Heißluftballon musste er mehrfach abbrechen. 1998 trat er in den wirtschaftlichen Beraterstab von Tony Blair ein, nachdem er zuvor den Wahlkampf des britischen Premiers unterstützt hatte. 2000 wurde er von Königin Elisabeth II. zum Ritter „Order of the British Empire“ geschlagen und 2006 kündigte Branson an, bis zu drei Milliarden Dollar in seine Firma „Virgin Fuels“ zu investieren, die sich auf erneuerbare Energien spezialisiert hatte. Inzwischen kaufte er Paul Allen, dem Mitbegründer von Microsoft, die Firma „Vulcan“ ab, die mit der Entwicklung privater Raumfahrtprogramme begonnen hatte, und gründete das Unternehmen „Virgin Galactic“, mit dem er ab 2011 gemeinsam mit Burt Rutan, dem SpaceShipTwo-Konstrukteur, zahlungskräftige Touristen ins All befördern wird.

Mr. Branson, ihr SpaceShipTwo-Programm entmystifiziert nun endgültig die bisherige Arbeit der NASA. Sie beweisen, dass Raumfahrt auch privat konstruiert, organisiert und finanziert werden kann. Gab es seitens der staatlichen Raumfahrtorganisationen Einwände, oder hat man versucht, ihr Projekt zu verhindern?

Im Gegenteil, wir sind in letzter Zeit sogar ermutigt worden, so weiterzumachen. Die US-Behörden sind uns gegenüber sehr entgegenkommend und aufgeschlossen gewesen, alle notwendigen Genehmigungsverfahren sind auf dem Weg. Mit dem US-Bundesstaat New Mexico haben wir darüber hinaus die Vereinbarung zum Bau des Weltraumflughafens „Spaceport“ getroffen, inklusive der benötigten 27 000 Quadratmeilen staatlichen Lands. Die Kosten dafür übernimmt der Bundesstaat New Mexico. Ein Leasingvertrag über zwanzig Jahre Laufzeit mit Virgin Galactic sorgt dafür, dass die Leistungen des Spaceports die Kosten später refinanzieren. Es ist also alles auf einem guten Weg.

Wird der Spaceport so etwas wie ein Disneyland auf Raumfahrtbasis, also mit Hotels und Funpark?

Sicher nicht in der Art. Unsere Space-Touristen und ihre Gäste müssen natürlich irgendwo untergebracht werden, also wird es sicherlich ein Hotel geben, aber ansonsten ist vor allem ein Astronauten-Ausbildungszentrum vorgesehen. Unser Raumfahrtprogramm hat sich eine exzellente Sicherheitstechnologie auf die Fahne geschrieben, und das wollen wir mit Programmen im Trainings- und Ausbildungszentrum auf dem Spaceport vordringlich umsetzen.

Glauben Sie, dass Sie schnell Konkurrenz bekommen werden, wenn Sie einmal bewiesen haben, dass private Raumfahrt ein gutes Geschäft sein kann?

Das ist nicht auszuschließen, aber bisher ist Virgin Galactic die einzige Firma, die das anbietet. Auf unserer Buchungsliste stehen schon 65 000 Fluggäste aus 125 Ländern, die mit uns fliegen wollen. Die ersten hundert Astronauten, wir bezeichnen sie als die „Founder“ (Gründer), haben die 200 000 Dollar für ihre Reise bereits bezahlt. Weitere 400, wir nennen sie ‚Pioneers‘, haben schon 100 000–175 000 Dollar bei uns deponiert. Die Fluggäste, die nach diesen 500 starten können, sind die „Voyagers“ und mussten zehn Prozent ihres Ticketpreises anzahlen.

SpaceShipTwo wird die Erdumlaufbahn nicht verlassen, also nicht hinaus ins Weltall fliegen. Wollen Sie das mit Virgin Galactic eines Tages auch anbieten?

Ich will das nicht ausschließen. Unser Ziel ist es, die private Raumfahrt voranzubringen. Dazu gehören nicht nur der Weltraum-Tourismus, sondern auch wissenschaftliche Projekte oder Satellitentransporte. Aber vorerst haben wir fünf SpaceShipTwo-Fluggeräte geplant, die unseren regulären Orbit-Flugplan erfüllen werden.
Das Interview führte Jutta Rabe
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