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Titelthema: Landleben

Bauer sucht Zukunft

von Matthias Meißner, Fotos Bernd Lammel

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In der Lausitz, etwa Hundert Kilometer von Berlin entfernt, liegt das Dorf Ogrosen mit seinem gleichnamigen, rund vierhundert Hektar großen Gut. Seit zwanzig Jahren lebt hier eine Gemeinschaft von landwirtschaftlichen Betrieben das Ideal der europäischen Agrarpolitik, und das sogar ökologisch zertifiziert.


Die Bauern haben es schwer. Europas Landwirte sollen hochwertige Lebensmittel produzieren und dazu beitragen, dass die Gesellschaft stets über frisches Wasser in ausreichenden Mengen verfügen kann. Sie sollen für eine verschiedenartige Landschaft sorgen und durch ihre Arbeit die Vielfalt der Arten sichern. Zudem wird erwartet, dass sie ihren Anteil am Klimaschutz leisten und jede Menge Arbeitsplätze im ländlichen Raum schaffen. Zusammengefasst wird dies mit dem Begriff des multifunktionalen Europäischen Agrarmodells.

Zu wahr, um schön zu sein Die traurige Wahrheit ist jedoch, dass trotz dieser hehren Zielsetzung die Artenvielfalt stetig sinkt, die Wasserreserven übernutzt und durch zu viel Stickstoff verschmutzt werden. Immer mehr Weiden – früher vor allem für die Milchkühe bestimmt – werden umgebrochen, um darauf unter anderem Mais anzubauen. Das setzt große Mengen an klimaschädlichem Kohlenstoff frei, den das Grünland vorher gebunden hätte. Außerdem wird so ein wichtiger Rückzugsraum für eine Vielzahl heimischer Arten zerstört.

In der EU werfen angesichts dieser Probleme täglich rund 500 Landwirte das Handtuch und geben ihren Hof auf. Andere versuchen mit neuen Strategien, die Krise in der Landwirtschaft zu überstehen.

Wir können auch anders

In der Lausitz etwa, hundert Kilometer von Berlin entfernt, wo das rund vierhundert Hektar große Gut Ogrosen (www.gut-ogrosen.de) liegt. Seit der Wende lebt hier eine Gemeinschaft von landwirtschaftlichen Betrieben das Ideal der europäischen Agrarpolitik, und das sogar ökologisch zertifiziert. Hier pflanzen die Bauern neue Hecken am Feldrain, legen Alleen mit einheimischen Obstsorten an, beachten den regelmäßigen Fruchtwechsel auf ihren Feldern und halten auf der Weide Schafe, Kühe und Ziegen.

Insgesamt vier Betriebe wirtschaften auf dem Gut. Der Mutterbetrieb, dem die Flächen gehören, ist ein Milchvieh- und Ackerbaubetrieb. Teile seines Landes verpachtet er an einen Schaf- und Ziegenmilchbetrieb, eine Schweinemast und einen Gemüsebauern. Jeder einzelne Betrieb wirtschaftet finanziell unabhängig, untereinander sind aber alle stark miteinander vernetzt. Gemeinsam nutzen sie die Infrastruktur des Gutes, die sich für einen Betrieb allein nicht lohnen würde. Dazu gehören zum Beispiel der gemeinsame Schlachtraum und der gutseigene Laden.

Alles frisch auf den Ladentisch

Im eigenen Schlachtraum können die Tiere gleich vor Ort geschlachtet und weiterverarbeitet werden. Ein Dorfmetzger hilft bei der Wurstherstellung. Auch die Milch der Kühe, Schafe und Ziegen wird direkt auf dem Gut zu Käse und Joghurt verarbeitet. Weil die Wurst oder der Käse so ohne einen Zwischenhändler direkt auf dem Ladentisch landen, klingelt mehr Geld in der eigenen Kasse.

Neben den gutseigenen Produkten bietet der Laden seinen Kunden Brot, Brötchen und Kuchen einer regionalen Bäckerei an und ist dadurch nicht nur ein beliebter Tante-Emma-Laden für Ogrosen geworden, sondern ein geschätzter Treffpunkt für die ganze Umgebung.

Doch nicht nur der Hofladen bietet die frischen, gesunden Produkte zum Kauf, zwei der Betriebe sind regelmäßig mit einem Stand auf den Ökomärkte am Chamissoplatz und Leopoldplatz in Berlin zu finden. Die Gärtnerei bietet außerdem eine Gemüsekiste im Abo an und beliefert auch Kunden in Berlin (www.ogrosenerlandkiste.de).

Landwirtschaft zum Anfassen

Wer ein Wochenende oder seinen ganzen Urlaub auf dem Bauernhof verbringen möchte, um zu erleben, wie eine ökologische Landwirtschaft funktioniert, kann sich auf dem Gutgelände selber und beim Schafmilchbetrieb eine Ferienwohnung mieten. Im Sommer können Kids im Ferienlager herausfinden, ob ein richtiger Bauer in ihnen steckt, der was von Tieren oder vom Säen und Ernten versteht.

Nur durch diese Vielfalt der Angebote auf dem Gut Ogrosen können die Bauern wirtschaftlich überleben, schaffen mit ihrem Engagement außerdem lokale Arbeitsplätze und einen vitalen ländlichen Raum. Und das Hoffest als Abschluss der vielfältigen Kulturevents ist für die Besucher und Kunden des Gutes seit vielen Jahren ein absoluter Höhepunkt.

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Heft Nr. 2-2010
Titelthema:
Landleben

Titelbild: Manfred W. Jürgens



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